Fotojahr 2025: Wie sich die Fotografie weiterentwickelt – ohne radikalen Umbruch
Seite 5: Firmware, Software und Echtheit
Firmware-Updates: Upgrade oder Problemfall
Mithilfe von Firmware-Updates können Kameras um neue Funktionen erweitert und auftretende Fehler behoben werden. In der Theorie ist das prima. Nikon hat zum Beispiel die lobenswerte Angewohnheit, neue Updates gelegentlich gefühlte Ewigkeiten zu testen. Ein aktuelles Beispiel ist die Z9, die immerhin schon seit vier Jahren auf dem Markt ist. Mitte Dezember erhielt sie mit der Firmware-Version 5.30 zahlreiche AF-Verbesserungen und zudem Funktionen, die zuvor schon bei der Z8 und der Z6 III eingeführt worden waren. Dazu gehören beispielsweise der kamerainterne Fokusbegrenzer sowie die Möglichkeit, eigene „Flexible Color“-Farbprofile am Computer zu erstellen und in die Kamera zu übertragen.
In der Praxis ziehen Firmware-Updates aber leider immer noch zu häufig Probleme nach sich: Es schleichen sich Fehler ein und statt neuer Funktionen geht mitunter gar nichts mehr – die Kamera „brickt“, wie es so schön heißt. Beim sogenannten Bricking macht eine Fehlkonfiguration der Software ein Gerät dauerhaft unbrauchbar, sodass es sich etwa wie ein Ziegelstein („Brick“) verhält.
Die Kamerahersteller können von derartigen Vorkommnissen inzwischen ein Lied singen, und zwar mehrstimmig. Canon brachte im Juli die Firmware-Version 1.1.0 sowohl für die R1 als auch die R5 II heraus, nur um sie umgehend wieder zurückzuziehen – es gab Kompatibilitätsprobleme mit einigen Speicherkarten hoher Kapazität. Wenig später schob Canon eine neue Version nach, die das Problem behob.
Fast zeitgleich warnte Nikon davor, neue Versionen der Kamera-Software für die Modelle Z50 II, Z5 II, Z6 III, Z8 und Zf zu installieren, wenn an die Kamera ein anderes Objektiv als ein Z-Nikkor oder der FTZ-Adapter angesetzt ist. Dies könne laut Nikon zu Fehlfunktionen von Kamera und Objektiv führen. Fairerweise muss man sagen, dass Nikon auf seiner Download-Seite explizit darauf hingewiesen hat. Solche Fehler erhitzen dennoch die Gemüter.
Sony erlebte gegen Jahresende ein noch größeres Debakel mit der Firmware-Version 6.00 für die Alpha 7 IV. Bei manchen Nutzern funktionierte gar nichts mehr, und die Kamera musste vom Sony-Service wiederbelebt werden. Der Hersteller zog das Update zurück, machte sich an die Fehlersuche und teilte ansonsten nur mit, dass man sich an den Support wenden solle, wenn die eigene Kamera wiederholt einen Neustart benötigt oder sich sonst irgendwie instabil verhält. Bereits 2024 hatte Sony vergleichbare Probleme mit der Firmware für die Alpha 1 und die Alpha 7R V.
Merke: Es empfiehlt sich, lieber ein wenig zu warten, bevor man eine neue Firmware installiert – es sei denn, es handelt sich um sicherheitsrelevante Updates oder man möchte die angebotenen Funktionen wirklich dringend ausprobieren. Möglicherweise bleibt man dann von dem einen oder anderen Bug verschont.
SanDisk und die Zuverlässigkeit
Jährlich grüßt das Murmeltier: Anfang 2025 stand der Speicherkarten-Produzent SanDisk einmal mehr im Mittelpunkt des Interesses – allerdings nicht im positiven Sinne. Bei der Verwendung bestimmter SD-Speicherkarten der Extreme-Pro-Reihe mit der V60-Videokennzeichnung und 64 GB, 128 GB sowie 256 GB Kapazität in Canons R5 Mk II verrechnete sich offenbar die Karte, was zu beschädigten Dateien und Datenverlust führte. Betroffen waren SD-Karten der Extreme-Pro-Reihe mit der V60-Videokennzeichnung und einer Kapazität von 64 GB, 128 GB oder 256 GB. Immerhin versprach SanDisk dieses Mal Abhilfe und einen Umtausch der betroffenen Karten im Rahmen der Garantie – anders als zum Jahresende 2023, als sich Nutzer massiv über fehlerhafte externe SSD-Laufwerke beschwert hatten und der Hersteller das Problem aussaß.
Adobe dreht an den Preisen, Affinity ist jetzt kostenlos
Seit Januar bietet Adobe das beliebte Foto-Abo mit 20 GB Cloud-Speicher und einem Preis von jährlich 142 Euro nicht mehr für Neukunden an. Ende Mai lief es auch im Einzelhandel aus. Wer noch ein aktuelles Abonnement hat, kann dieses weiterhin nutzen. Ansonsten steht jetzt nur noch die teurere Variante mit 1 TB Cloud-Speicher zur Verfügung, wenn man neben Lightroom auch Photoshop benötigt (284 Euro pro Jahr). Das günstigere Lightroom-Abo (142 Euro pro Jahr) enthält hingegen ausschließlich Lightroom.
Da trifft es sich gut, dass das Bildbearbeitungsprogramm Affinity seit Ende Oktober kostenlos verfügbar ist – zusammen mit einer Grafik- und Layoutsoftware des neuen australischen Eigentümers Canva. Allerdings kann man Affinity nur nach einer Registrierung nutzen. Für weitergehende KI-Funktionen ist ein Pro-Abonnement erforderlich. Die Frage ist, wie viele zahlende Nutzer weltweit benötigt werden, damit die Grundfunktionen dauerhaft kostenlos bleiben.
Content Authenticity: Das Drama setzt sich fort
Das Thema Glaubwürdigkeit beschäftigt die Fotowelt seit jeher. Insbesondere der Herkunfts- und Echtheitsnachweis von Pressefotos gewinnt in der digitalen Bilderwelt zunehmend an Bedeutung – nicht zuletzt angesichts einer Flut an KI-generierten Bildern. Insofern darf man sich schon fragen, warum die im Jahr 2019 gegründete „Content Authenticity Initiative“ zur Verifizierung von Bildinhalten – auch CAI, C2PA oder „Content Credentials“ genannt – nach sechs Jahren immer noch nicht richtig in die Gänge gekommen ist.
Antwort eins: Weil engstirnige Kleinstaaterei das große Ganze beharrlich ignoriert. Die Nachrichtenagenturen haben jeweils einzelne Kamerafirmen als Partner ins Boot geholt: Sony arbeitet mit AP, Canon kooperiert mit Reuters und Nikon ist mit AFP verbunden. Ein universeller, herstellerübergreifender Standard scheint weiter entfernt denn je. Antwort zwei: Weil die Beteiligten die Technik nicht im Griff haben. Ein jüngstes Beispiel ist ein Bug in Nikons Firmware 2.0 für die Z6 III, die die C2PA-Funktion für dieses Kameramodell einführte. Über die Mehrfachbelichtungs-Funktion der Kamera war es möglich, nicht authentifizierte Bilddaten einzuschleusen und sie nachträglich von der Kamera verifizieren zu lassen. Nikon reagierte prompt und gab bekannt, dass der „Nikon Authenticity Service“ vorübergehend ausgesetzt wird, um den Fehler zu beheben. Bis Redaktionsschluss war der Service noch nicht wieder aktiviert. Dies zeigt, dass die aktuellen Kameramodelle derart komplex sind, dass es einer Mammutaufgabe gleichkommt, alle potenziellen Einfallstore für Manipulationen aufzuspüren und zu verschließen. Angesichts dieser Herausforderungen wäre es ganz bestimmt sinnvoller, die Ressourcen zu bündeln.
Kontroverse um ein weltberĂĽhmtes Kriegsfoto
Die Frage nach der Authentizität von Bildern ist nicht erst mit der Digitalfotografie aufgekommen. Im vergangenen Jahr hielt die Kontroverse um ein mehr als 50 Jahre altes Kriegsfoto die Fotowelt in Atem. Dabei ging es um Nick Úts „The Terror of War“ („Napalm Girl“), eine der bekanntesten und bedrückendsten Aufnahmen aus dem Vietnamkrieg. Út erhielt für dieses Foto unter anderem den Pulitzer-Preis und die Auszeichnung als „World Press Photo of the Year“.
(Bild:Â AP Photo / Gregorio Borgia)
Die Anfang 2025 auf dem Sundance Film Festival in Utah debütierende und seit November bei Netflix abrufbare Doku „The Stringer: The Man Who Took The Photo“ stellte Úts Urheberschaft jedoch in Frage. Demnach habe nicht Út, sondern ein lokaler freier Fotograf („Stringer“) namens Nguyen Thanh Nghe das Bild gemacht. Basierend auf dessen Aussage, Zeitzeugenangaben und zahlreichen Interviews sorgte der Film für reichlich Furore. Endgültige Beweise gibt es jedoch nicht.
Wie kontrovers und schwierig die Sachlage ist, zeigt sich auch daran, dass zwei weitere Untersuchungen zu unterschiedlichen Schlüssen kamen. Die Nachrichtenagentur AP, in deren Archiv sich die Originalaufnahme befindet, entschloss sich nach einer eigenen Recherche dazu, die Urheberschaft bei Út zu belassen. Sie räumte jedoch ein, dass sich im Zuge der Nachforschungen zahlreiche Fragen ergeben hätten, die sich mutmaßlich nicht mehr klären lassen. Die World Press Photo Foundation, Veranstalterin des gleichnamigen Wettbewerbs, setzte nach einer eigenen Untersuchung die Urheberschaft für „The Terror of War“ vorerst aus. Auch sie wies jedoch darauf hin, dass es vermutlich nie möglich sein wird, mit letzter Gewissheit zu klären, wer das Bild gemacht hat.
Wer sich fĂĽr die Details der Untersuchungen interessiert, die sich wie Krimis lesen: Sowohl AP als auch WPP haben ihre Nachforschungen ausfĂĽhrlich dokumentiert.