Günstiger ins Gelände: 15 Enduros zum halben Preis einer BMW R 1250 GS

Seite 2: Preiswerte Enduros

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Wer mit einer Reiseenduro auf der Autobahn richtig flott unterwegs sein will, sollte zu einer KTM 1190 Adventure greifen. Der 1195-cm3-V2 im Gitterrohrrahmen leistete bei seinem Erscheinen auf dem Markt im Jahr 2013 satte 150 PS und beschleunigt die Reiseenduro auf eindrucksvolle 250 km/h Höchstgeschwindigkeit. Über den Sinn von soviel Kraft in einer Enduro gab es reichlich Diskussionen, aber der Erfolg gab KTM Recht, die 1190 Adventure wurde auf Anhieb zur zweitmeistverkauften Reiseenduro in Deutschland. Sie wirkt gewaltig groß und trotz einer variablen Sitzhöhe von 860 und 875 Millimeter ist sie für eher Kurzgewachsene nicht zu empfehlen. Mit ihrem Leergewicht von 238 Kilogramm kommt die 1190 Adventure spielend zurecht, und trotz ihrer Drahtspeichenfelgen ist ihr Fahrwerk doch eher auf Asphalt abgestimmt.

KTM 1190 Adventure

(Bild: KTM)

Für Geländeeinlagen steht die 1190 Adventure R im KTM-Programm mit noch längeren Federwegen und 21-Zoll-Vorderrad. Kaum eine Reiseenduro spult lange Etappen so schnell und komfortabel ab wie die 1190er. Sie trumpfte mit vielen elektronischen Assistenzsystemen auf wie mit dem Schräglagensensor 9ME von Bosch, der u. a. Schlupfregelung und Abhebeerkennung des Hinterrads ermöglichte. Der V2-Motor hat mächtig Dampf, schüttelt sich aber unterhalb von 3500/min im hohen Gang unwillig. Auch wenn der große Motor nicht gerade sparsam mit dem Sprit umgeht, sichert der 23-Liter-Tank der KTM 1190 Adventure (Vorstellung) dennoch eine Reichweite von rund 400 Kilometer. Zubehör fand der Käufer reichlich im Powerparts-Sortiment von KTM, vor allem Gepäcksysteme standen ganz oben in der Beliebtheit. Inzwischen ist sie von der KTM 1290 Super Adventure (Erstvorstellung) mit noch mehr Leistung abgelöst worden, aber die 1190er gibt es deshalb bereits zu Preisen ab 7000 Euro auf dem Gebrauchtmarkt, die meisten mit Laufleistungen zwischen 40.000 und 60.000 Kilometer.

Wer auf Enduro-Klassiker steht, sollte die aktuelle Mash 650 X-Ride ins Kalkül ziehen. Die französische Marke will mit Retro-Charme, bewährter Technik und günstigen Preisen Käufer anlocken. Die 650 X-Ride sieht der legendären Yamaha XT 500 sicher nicht ganz zufällig ähnlich. Angetrieben wird die Mash jedoch von einem chinesischen Nachbau des bewährten Einzylindermotors der Honda NX 650 Dominator. Mit immerhin 40 PS sorgt er für akzeptable Fahrleistungen der 180 Kilogramm schweren Enduro. Er fühlt sich im mittleren Drehzahlbereich am wohlsten und geht sanft ans Gas.

Mash 650 X-Ride

(Bild: Mash)

Natürlich produziert der Einzylinder Vibrationen, die aber nie unangenehm werden. Allerdings wählte Mash beide Räder in 17 Zoll, was einem gepflegten Geländeritt ebenso entgegensteht wie die 130 Millimeter Federwege, andererseits reduzieren sie die Sitzhöhe auf gemäßigte 840 Millimeter. Die Sitzposition ist betont aufrecht und der Fahrer hockt auf einem etwas zu weichem Sitzpolster. Landstraßen bereiten auf der Mash 650 X-Ride große Freude, solange die Fahrweise nicht zu sportlich wird, dann geraten die Bremsen und Serienreifen an ihre Grenzen. Dank eines sparsamen Verbrauchs schafft die französische Enduro fast 300 Kilometer, trotz eines eher kleinen 12-Liter-Tanks. Mit 5985 Euro ist die Mash 650 X-Ride (Test) erfreulich günstig, allerdings muss man Abstriche in der Ausstattung und Verarbeitungsqualität machen.

Die Royal Enfield Himalayan aus Indien wirkt wie ein Oldtimer, ist aber ein aktuelles, 2017 vorgestelltes Modell. In ihrer Heimat zählen andere Tugenden als hohe Leistung und elektronische Spielereien, sie legt Wert auf Robustheit, Wartungsfreundlichkeit und erschwingliche Preise. Der 411-Kubikzentimeter-Einzylinder leistet 24 PS und 32 Nm Drehmoment, mit viel Anlauf schiebt sie ihre 200 Kilogramm Leergewicht auf die Höchstgeschwindigkeit von 127 km/h. Die Himalayan bietet ordentliche 200 Millimeter Federwege, allerdings lassen sich weder die 41-Millimeter-Telegabel noch das hintere Federbein in Zug- oder Druckstufe einstellen und das einzige elektronische Assistenzsystem ist ein ABS.

Royal Enfield Himalayan

(Bild: Ingo Gach)

Dennoch bringt die Himalayan ihren Reiter zuverlässig ans Ziel, selbst über Holperpisten und genau da liegt ihre Stärke. Ihr 15 Liter fassender Tank beschert ihr eine Reichweite von eindrucksvollen 500 Kilometern. Die Himalayan erweist sich dank der breiten und nur 800 Millimeter hohen Sitzbank als bequem, der kleine Windschild hält Druck vom Oberkörper fern. Seit diesem Baujahr besitzt sie auch serienmäßig ein Display mit Pfeil-Navigation, das sich per Bluetooth mit Google Maps auf dem Smartphone verbinden lässt. Für Reisende, die es nicht eilig haben, sondern für die der Weg das Ziel ist, wird die Royal Enfield Himalayan für nur 4970 Euro Listenpreis zur treuen Begleiterin. Sturzbügel, Gepäckträger und Kofferaufnahmen sind ebenfalls Serie, die Alukoffer kosten beim Händler Aufpreis.

Suzuki brachte zwar schon in den 80er-Jahren eine DR 650 auf den Markt, aber erst mit dem Erscheinen der DR 650 SE im Jahr 1996 darf sie als ausgereift gelten. Der 644 Kubikzentimeter große Einzylinder leistete 44 PS, was bei einem Leergewicht von 165 Kilogramm ausreichend Vortrieb ermöglicht. Die DR gehört zu den klassischen Dual-Purpose-Modellen, die sowohl auf der Straße als auch im Gelände gut funktionierten. Die attraktiv gezeichnete Suzuki fand rasch Freunde auf allen Kontinenten und entsprechend groß war das Zubehörangebot, besonderer Beliebtheit erfreuten sich große Kunststofftanks, die das 13-Liter-Serienteil ersetzten.

Suzuki DR 650 SE

(Bild: Ingo Gach)

Damit sind zwar Reichweiten von 250 Kilometer möglich, aber die Fernreisenden wollten gerne mehr haben. Die DR 650 SE bot noch ausreichenden Sitzkomfort und ihr Fahrwerk mit den 260 Millimeter langen Federwegen verträgt auch grobes Gelände, allerdings war es nicht allzu straff abgestimmt. Wenn die Inspektionsintervalle eingehalten wurden, erwies sich der Einzylindermotor als durchaus haltbar, bei hohen Laufleistungen löst meist ein Übermaßkolben das Verschleißproblem. Die Ersatzteilversorgung ist dadurch garantiert, dass Suzuki die DR 650 SE immer noch für den amerikanischen Markt baut wird, wo sie sich auch nach 25 Jahren weiterhin großer Beliebtheit erfreut. Die Gebrauchtmarktpreise für die DR 650 SE haben in letzter Zeit etwas angezogen, Exemplare mit rund 50.000 Kilometer gibt es ab circa 2000 Euro, deutlich geringere Laufleistungen liegen auch mal bei 4000 Euro. Dabei sollte Wert auf ein korrekt ausgefülltes Scheckheft gelegt werden und die letzte Inspektion noch nicht allzu lange her sein.

Die Suzuki V-Strom 1000 wollte nach ihrer Überarbeitung 2014 nicht mit hoher Leistung, sondern geringem Gewicht punkten. Das gelang ihr auch, sie brachte 228 Kilogramm auf die Waage, etliche Pfund leichter als die etablierte Konkurrenz, allerdings reichte sie mit 100 PS nicht an deren Leistungen heran. Die V-Strom 1000 war sicher nie die spektakulärste Reiseenduro, aber sie erwies sich als bequeme und zuverlässige Begleiterin. Angenehm im Handling und ausreichend im Durchzug spulte sie auch lange Etappen problemlos ab.

Suzuki V-Strom 1000 (ab 2014)

(Bild: Suzuki)

Der ausgereifte V2 mit 1037 Kubikzentimeter Hubraum liefert 103 Nm schon bei 4000/min bei vorbildlicher Laufkultur. Selbst mit Sozia und Gepäck stieß die Suzuki nie an ihre Grenzen und erreicht knapp über 200 km/h. Ihr Aluminium-Brückenrahmen und 160 Millimeter Federweg vorn und hinten bieten ausreichend Reserven für die Straße. Allerdings gab es sie zunächst nur mit Gussfelgen, geländetaugliche Drahtspeichenfelgen kamen erst ab 2017 mit der XT-Variante, die jedoch heute noch nicht für unter 8000 Euro zu haben ist. Dank ihres relativ niedrigen Listenpreises finden sich recht viele gebrauchte V-Strom 1000 der ersten Baujahre auf dem Markt, die bei rund 6000 Euro mit weniger als 50.000 Kilometer auf der Uhr starten, viele davon mit Koffersystemen.

Die Reiseenduro von Triumph hatte sich rasch nach ihrem Erscheinen 2011 zum Erfolgsmodell gemausert. Mit dem Dreizylinder hatte sie ein Alleinstellungmerkmal und schob mit 95 PS und dank eines Leergewichts von 220 Kilogramm auch ordentlich vorwärts. Triumph bot sie vom Start weg in zwei Varianten an: zum einen als Triumph Tiger 800 (Vorstellung) mit Gussfelgen und einem 19-Zoll-Vorderrad für den vorwiegenden Straßeneinsatz und zum anderen als Tiger 800 XC mit Drahtspeichenfelgen, 21-Zoll-Vorderrad und längeren Federwegen für gelegentliche Geländeausflüge – hinten rollten beide Modelle auf 17-Zöllern.

Triumph Tiger 800

(Bild: Triumph)

Die Engländerin verfügte über einen Stahlrahmen und ein Fahrwerk, das einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Sport macht. Mit dem 19 Liter großen Tank packt sie über 400 Kilometer Reichweite und die bequeme, zweistufige Sitzbank machte auch lange Etappen zum Vergnügen. Zwei-Personen-Betrieb verträgt die Triumph locker, ihre Technik ist ausgereift und zuverlässig, der 799-cm3-Dreizylinder gibt keinen Anlass zur Klage. Die Basisausstattung war schon anständig, doch so ziemlich alle Tiger-Besitzer orderten noch diverse Extras, zumindest über Koffersysteme und Handprotektoren verfügten fast alle nach dem Kauf. Die günstigsten Angebote liegen heute bei etwa 5500 Euro und die meisten gebrauchten Tiger 800 bis 8000 Euro bleiben deutlich unter 50.000 Kilometer, einigen befinden sich sogar noch im vierstelligen Kilometerbereich.

Wer eine zuverlässige Reisebegleiterin ohne übertriebene Leistung zwecks gemeinsamer Weltumrundung sucht, sollte die Yamaha XT 660 Z Ténéré (Modellgeschichte) in Betracht ziehen. Einen Schönheitspreis wird das Design vermutlich nie gewinnen, aber es zählen bekanntlich die inneren Werte. 2008 kam die Ténéré in neuem Gewand auf den Markt, aber mit dem alten 660-cm3-Einzylinder. Seine 48 PS rissen zwar nicht gerade höllisch an, reichten aber für Tempo 170 auf der Autobahn. Auf unbefestigten Pfaden macht die Yamaha eine akzeptable Figur, allerdings drückt das für einen Einzylinder recht hohe Leergewicht von 214 Kilogramm den Spaß etwas. Für die XT 660 Z Ténéré gilt: Reisen statt Rasen.

Yamaha XT 660 Z Ténéré

(Bild: Yamaha)

Das Fahrwerk ist konventionell gestrickt, die Telegabel hat sogar noch Faltenbälge. Mit vorne 160 und hinten 145 Millimeter Federweg schlägt sich die Yamaha auf Schotterpisten wacker, doch grobes Gelände ist nicht ihr bevorzugter Aufenthaltsort. Dafür erweist sich die Sitzbank als bequem und auf 860 Millimeter Höhe erreichen durchschnittlich große Menschen noch sicher mit ihren Füßen den Boden. Auftrumpfen kann die Yamaha mit ihrer Reichweite: der 23 Liter fassende Tank lässt Etappen von 500 Kilometer ohne Tankstelle zu. Für Fernreisende nicht ganz unwichtig: Die Technik ist ausgereift und reparaturfreundlich, Gepäcksysteme finden sich reichlich. Auf dem Gebrauchtmarkt liegen die günstigsten Angebote bei rund 4000 Euro, Exemplare des letzten Baujahres 2016 mit wenig Laufleistung können aber schon mal an die 7000 Euro heranreichen.

Die Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré tat sich in Deutschland immer schwer gegen die übermächtige BMW R 1200 GS, dabei ist sie eine exzellente Reiseenduro. Schon als sie 2010 auf dem Markt kam, warfen ihr Nörgler das Gewicht von 267 Kilogramm und "nur" 110 PS vor. Dabei glänzt die 1200er mit vorbildlicher Laufkultur und gutem Durchzug. Erst einmal in Fahrt, ist von ihrem Gewicht kaum noch etwas zu spüren, sie erfreut durch Handlichkeit und unerschütterliche Stabilität. Vor allem schätzten ihre Besitzer den hohen Komfort der Yamaha, sie bietet eine sehr bequeme Sitzbank und eine entspannte Sitzposition.

Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré

(Bild: Yamaha)

Dazu kommt ein gut abgestimmtes Fahrwerk mit je 190 Millimeter Federweg, ab 2014 gab es sie gegen Aufpreis auch mit einem semi-aktiven Fahrwerk. Lange Strecken spult die Super Ténéré lässig ab und erfreut mit einer Reichweit von rund 450 Kilometer. Wer auf Fernreise gehen will und keine Boxer- oder V2-Motoren mag, ist mit der Yamaha gut beraten. Die meisten XT 1200 bekamen schon beim Kauf Zubehör wie Koffer, Handprotektoren und Motorschutzplatte spendiert. Die XT 1200 Z Super Ténéré ist ein Muster an Zuverlässigkeit, selbst hohe Laufleistungen sollten kein Hinderungsgrund für einen Gebrauchtkauf sein. Die Angebote starten bei 6000 Euro für die frühen Baujahre und fast alle bieten eine gute Ausstattung.

(fpi)