Reichweiten-Check: Akkugesundheit bei Elektroautos bestimmen

Seite 3: Externer Gesundheits-Check

Inhaltsverzeichnis

Einige Dienstleister führen aufwendigere Akkutests durch, die praktikablere Werte ermitteln sollen als nur die SOH-Prozentzahl. Wir haben den Test von Aviloo und der DEKRA ausprobiert. Ein Ortsbesuch führt uns zur Prüfstelle von DEKRA in Hannover, die mit dem Gebrauchtwagen-Check schon viele Jahre Prüfzertifikate für Endkunden anbietet. Brandneu ist der DEKRA-Batterietest, den man für rund 100 Euro künftig bundesweit an allen Prüfstellen absolvieren kann. Er ist zur Zeit für rund 80 Modelle erhältlich. Die Batterie des E-Fahrzeugs oder Plug-in-Hybriden muss zum Zeitpunkt des Tests mindestens zu 30 Prozent geladen sein und der Akku sollte sich in einem Temperaturfenster zwischen 10 und 30 Grad befinden. Bei unserem Termin ist es unter null Grad, der Akku hat sich durch die Anfahrt und einen einstündigen Ladevorgang knapp bei 11 Grad eingependelt.

Das Diagnosegerät ROSI ist eine Eigenentwicklung von DEKRA. Es wird wie ein OBD-Dongle mit dem Diagnosesystem des Fahrzeugs verbunden. Der DEKRA-Test ist ein Dynamik-Test, das Fahrzeug muss also vom Prüfer bewegt werden. In unserem Fall passiert das auf einer abgelegenen Straße in der Nähe der Teststation.

Das PrĂĽfzeugnis der DEKRA weist fĂĽr den Akku den maximalen Index-Wert von 100 aus.

Die Box verbindet sich per Mobilfunk mit dem DEKRA-Server und übermittelt die Messdaten in die Cloud. Dort werden sie mit den Referenzdaten zum jeweiligen Prüfling verknüpft und bewertet. Jeder gelistete Fahrzeugtyp stand bei DEKRA zuvor auf dem Rollenprüfstand und wurde unter verschiedenen Vortemperierungen getestet – die sogenannte Parametrierung. ROSI genügt eine kurze Beschleunigungsphase, um die Energieentnahme und die Reaktion im Akkublock aufzuzeichnen und mit der Datenbank abzugleichen. Dabei geht es vor allem um das Glätten von Messabweichungen durch unterschiedliche Temperaturen im Akkublock. Durch den Rückgriff auf die Datenbank soll das System auf eine Messungenauigkeit von ±2,5 Prozent kommen.

Am Ende erhalten wir ein Prüfzertifikat: Die "Hochvolt-Batterie Diagnose" der DEKRA ermittelt einen Index von 100, unsere Batterie wäre damit quasi neuwertig. Das freut den Kunden, scheint aber bei unserem Nicht-Mehr-Ganz-Neuwagen fast schon zu gut, um wahr zu sein.

Genauere Auskunft gibt uns Kai Maywald, der bei DEKRA maßgeblich an der Entwicklung von ROSI beteiligt war. "Die Batteriealterung verläuft grob in vier Phasen, das Testfahrzeug befand sich eindeutig noch in der ersten Phase", so Maywald. In dieser Phase gehe die Akkukapazität in Einzelfällen sogar über den SOH von 100 hinaus.

Das liegt daran, dass einige Hersteller Überkapazitäten oberhalb der Nennkapazität einbauen, die erst im Laufe des Fahrzeuglebens aktiviert werden, um die Garantiekriterien zu erfüllen – ein Verfahren, das beispielsweise auch einige Smartphonehersteller einsetzen. Der Akku unseres Testfahrzeugs ist demnach gerade mal "eingefahren". Unser Fahrzeug stand nie dauerhaft an der Wallbox, ist ein Garagenwagen und nicht schnellladefähig (maximal 22 kW AC). Alles Faktoren, die das Akkuleben verlängern. Im Alltag sind keine Reichweiteneinbußen spürbar – so betrachtet ebenfalls ein plausibles Ergebnis, das auch nicht im Widerspruch zum SOH-Wert von 90 Prozent steht: Denn der bezieht sich auf die tatsächlich eingebaute Überkapazität.