Nachhaltigkeit: Warum wiederaufbereitete Smartphones boomen

Seite 2: Mit Mehrwert und ohne Risiko

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Die Wiederaufbereiter profitieren nicht nur von der Strategie der Hersteller. Sie haben auch selbst einiges dafür getan, den Gebrauchtmarkt aus der Schmuddelecke zu holen. Zum Beispiel bieten Rebuy und Swappie ihren Kunden eine Dreijahresgarantie, während Hersteller auf Neugeräte üblicherweise nur ein oder zwei Jahre geben. Mehr über Garantie und Gewährleistung bei Gebrauchtgeräten lesen Sie in dem Artikel "Gebrauchte statt neue Smartphones: Fünf gebrauchte Handys im Praxistest" (Test).

Die Dreijahresgarantie ist auch deshalb möglich, weil die Wiederaufbereiter ihre Ware mit hohem Aufwand testen. Alle großen Anbieter versprechen zudem, dass der Akku mindestens 80 Prozent der Originalkapazität bietet. Falls das Gerät aus irgendeinem Grund doch nicht gefällt, können Kunden es in den ersten Wochen einfach zurückschicken. Anders als beim Kauf von privat geht man bei gewerblichen Anbietern kaum ein Risiko ein.

Muss der Akku oder das Display getauscht werden, verwenden die Anbieter nach eigenen Angaben soweit möglich Originalteile oder wiederaufbereitete Originalteile, zum Beispiel Apple-Displays mit ausgetauschtem Deckglas. Da Originalteile mitunter nicht erhältlich sind, müssen sie aber auch auf Nachbauten zurückgreifen. Alle Teile würden intensiv getestet, betonen Rebuy und Swappie gegenüber c’t.

Obendrein werben die Wiederaufbereiter mit dem Argument, dass der Gebrauchtkauf der Umwelt helfe. Da ist durchaus etwas dran: Ein Smartphone ist umso umweltfreundlicher, je länger es genutzt wird, denn der Großteil der Emissionen entsteht durch die Produktion.

Die Umweltorganisation Germanwatch fordert deshalb die Bundesregierung auf, den Markt für gebrauchte Elektronik mit einer geringeren Mehrwertsteuer zu fördern. Das sollte insbesondere für Geräte gelten, die schon zwei oder drei Jahre alt sind, sagt Johanna Sydow, Ressourcenexpertin bei Germanwatch. Schließlich helfe nicht jeder Gebrauchtkauf dem Klima. Wer sich alle paar Monate ein neues Modell aus zweiter Hand zulegt, heize indirekt die Nachfrage nach Neugeräten an.

Die EU-Kommission plant bereits andere Maßnahmen, die den Gebrauchtmarkt ebenfalls fördern würden: Sie will Hersteller verpflichten, mindestens fünf Jahre lang Ersatzteile und Softwareupdates zu liefern. Sollten diese Regeln wie geplant 2023 in Kraft treten, dürften Neugeräte noch teurer werden und Gebrauchtgeräte noch attraktiver.

Laut einer Bitkom-Umfrage haben nur 13 Prozent der Deutschen schon einmal ein wiederaufbereitetes Smartphone oder Notebook gekauft - aber 50 Prozent könnten sich das vorstellen. Und die Marktforscher von IDC rechnen damit, dass 2024 weltweit 350 Millionen wiederaufbereitete Smartphones verkauft werden, etwa 125 Millionen mehr als 2020. Das ist zwar noch weit entfernt von den etwa 1,4 Milliarden Neugeräten pro Jahr. Backmarket-Chef Thibaud Hug de Larauze glaubt aber, dass der Gebrauchtmarkt langfristig mindestens gleichziehen kann. "Wir machen uns dafür bereit, mit dem 1,5 Billionen Dollar schweren Markt für Neugeräte auf Augenhöhe zu gehen", sagt er. Bei Autos kaufe die Mehrheit schließlich auch Gebrauchtware.