zurück zum Artikel

Barack Obama wird 44. PrÀsident der USA

Andreas Wilkens

Gegen 5 Uhr MEZ meldeten US-Medien einen nicht mehr einholbaren Vorsprung fĂŒr den demokratischen Kandidaten. Die USA bekommen damit im kommenden Jahr mit Barack Obama den ersten afroamerikanischen PrĂ€sidenten.

Der demokratische Kandidat Barack Obama wird der 44. PrĂ€sident der USA. Gegen 5 Uhr MEZ gingen ABC News [1] und CNN [2] davon aus, dass Obama nach den bis dahin errechneten WahlmĂ€nnerstimmen einen nicht mehr einholbaren Vorsprung vor John McCain hat. Wenn Obama am 20. Januar 2009 in sein Amt eingefĂŒhrt wird, wird er das erste afroamerikanische Staatsoberhaupt des Landes.

[Update] Gegen 5:15 Uhr MEZ trat John McCain an die Öffentlichkeit und gratulierte Barack Obama zu seiner "großartigen Leistung". Er bezeichnete die Wahl eines afroamerikanischen Kandidaten als einen historischen Sieg und als ein Zeichen dafĂŒr, dass die GrĂ€ben zwischen den Menschen in den USA geschlossen wurden. Um 6:00 Uhr MEZ zeigte sich Barack Obama in Chicao auf einer Wahlparty. Er sieht den Wahlausgang als ein Zeichen dafĂŒr, dass die Demokratie in den USA und der amerikanische Traum lebt. [/Update]

Etwa ab 1 Uhr MEZ wurden die ersten Prognosen und Hochrechnungen gemeldet. Ein erster wichtiger Meilenstein fĂŒr Obama war, dass er die 20 WahlmĂ€nnerstimmen von Ohio gewinnen konnte, einer der besonders umkĂ€mpften Bundesstaaten, der vor vier Jahren an George W. Bush ging. Lange unklar war der Ausgang in North Carolina, Florida sowie in Virginia und Indiana. Gegen 3:45 Uhr MEZ wurde von US-Medien gemeldet, Obama habe das vormals mehrheitlich republikanisch wĂ€hlende Virginia fĂŒr sich gewinnen können, spĂ€ter kam Florida hinzu. Doch vorher schon, als klar wurde, dass Obama die sieben WahlmĂ€nnerstimmen aus Iowa und fĂŒnf aus New Mexico den Republikanern abnehmen, andererseits John McCain Pennsylvania nicht erobern konnte, rĂ€umten die Berichterstatter dem republikanischen Kandidaten kaum noch Chancen ein, in das Weiße Haus ziehen zu können.

Im Laufe des Tages zeichnete sich bereits eine Rekordwahlbeteiligung ab. Von den 213 Millionen Wahlberechtigten haben sich 187 Millionen fĂŒr die Wahl registrieren lassen. 40 Millionen haben ihre Stimme vorzeitig abgegeben. In Umfragen hatte sich gezeigt, dass die WĂ€hler ihre Stimmabgabe am ehesten von wirtschaftlichen ErwĂ€gungen leiten ließen und weniger durch Themen wie Sicherheit und Terrorismus, das Gesundheitssystem und den Irak-Krieg. Gleichzeitig wurde das US-ReprĂ€sentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewĂ€hlt. Auch hier deutete sich ein Erfolg der Demokraten an.

Kurz vor der Wahl hatten sich 76 NobelpreistrĂ€ger fĂŒr Obama als nĂ€chsten US-PrĂ€sidenten ausgesprochen. In einem offenen Brief [3] an das amerikanische Volk zeigten sie sich mit der Haltung des jetzigen PrĂ€sidenten George W. Bush Ă€ußerst unzufrieden. Obama sei im Gegensatz zu ihm ein visionĂ€rer Politiker, der Themen wie den Klimawandel, die Wirtschaftskrise und die Energieversorgung angehen könne.

Große US-Zeitungen wie die Washington Post, die Los Angeles Times und die Chicago Tribune hatten sich in ihren traditionellen Wahlempfehlungen fĂŒr den PrĂ€sidentschaftskandidaten der Demokraten ausgesprochen. Es hatte sich auch abgezeichnet, dass die Computer- und Internetindustrie grĂ¶ĂŸtenteils hinter Obama steht [4]. WĂ€hrend des Wahlkampfes hatte sein Team versucht, den republikanischen Kontrahenten John McCain als in technischen Belangen rĂŒckstĂ€ndig darzustellen [5].

Die Wahl stand unter anderem wegen des Einsatzes von Wahlmaschinen unter Beobachtung der Election Protection Coalition und anderer BĂŒrgerrechtler. Auf einer speziellen Website [6] werden Meldungen ĂŒber UmstĂ€nde und VorfĂ€lle wĂ€hrend der Wahlen gesammelt, die ĂŒber eine kostenlose Telefon-Hotline abgegeben werden können. Bei FrĂŒhwahlen hatten sich bereits Probleme mit Wahlcomputern abgezeichnet, so warnten Experten [7] vor erneuten Pannen bei der AuszĂ€hlung der WĂ€hlerstimmen. Die OSZE hatte Wahlbeobachter entsandt, zudem hatten Teilnehmer von Social Networks wie zum Beispiel Twitter Gelegenheit, ihre Beobachtungen direkt mitzuteilen.

Obama wurde am 4. August 1961 auf Hawaii geboren, sein Vater kam aus Kenia, die Mutter aus dem US-Bundesstaat Kansas. Kurz nach seiner Geburt trennten sich die Eltern, die Mutter zog mit ihm nach Indonesien. Im Alter von zehn Jahren kehrte er nach Hawaii zurĂŒck und wurde dort von seiner Großmutter aufgezogen, die vor kurzem gestorben ist. Nach Politik- und Jura-Studium in New York und Harvard arbeitete Obama zunĂ€chst als Anwalt in einer auf BĂŒrgerrechte spezialisierten Kanzlei, spĂ€ter wurde er Rechtsprofessor an der University of Chicago.

Seine politische Laufbahn begann Obama 1996 als Senator im Parlament des Staates Illinois, wo er erfolgreich fĂŒr eine Krankenversicherung und Steuererleichterungen fĂŒr Arme kĂ€mpfte. Schon damals wurde sein Talent gelobt, politische Freunde wie Gegner zu Kompromissen zu bewegen. 2000 wollte er fĂŒr das US-ReprĂ€sentantenhaus kandidieren, konnte sich bei den Vorwahlen jedoch nicht durchsetzen. Vier Jahre spĂ€ter holte er bei seiner Wahl zum Senator in Illinois 70 Prozent der Stimmen.

Siehe dazu auch::

(anw [27])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-215230

Links in diesem Artikel:
[1] http://abcnews.go.com/
[2] http://edition.cnn.com/ELECTION/2008/results/president/
[3] http://sefora.org/wp-content/uploads/2008/10/nobel_letter_v6.pdf
[4] https://www.heise.de/news/Computer-und-Internetindustrie-steht-groesstenteils-hinter-Barack-Obama-212347.html
[5] https://www.heise.de/news/Obama-kritisiert-McCain-als-Computer-Analphabeten-205279.html
[6] http://www.ourvotelive.org/home.php
[7] http://www.heise.de/tr/Showdown-fuer-die-Wahlmaschine--/artikel/118391
[8] https://www.heise.de/news/US-Praesidentenwahl-Wie-zuverlaessig-sind-die-Wahlmaschinen-215206.html
[9] http://www.heise.de/tp/blogs/8/118403
[10] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29063/1.html
[11] http://www.heise.de/tp/blogs/8/118296
[12] https://www.heise.de/news/Obama-vs-McCain-Die-Briefwahl-boomt-213686.html
[13] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28965/1.html
[14] https://www.heise.de/news/Computer-und-Internetindustrie-steht-groesstenteils-hinter-Barack-Obama-212347.html
[15] https://www.heise.de/news/US-Wahlkampf-geht-auf-Spielkonsolen-und-im-Netz-in-die-heisse-Phase-211440.html
[16] https://www.heise.de/news/Obama-kritisiert-McCain-als-Computer-Analphabeten-205279.html
[17] https://www.heise.de/news/Wahlkampf-2-0-Von-Obama-lernen-202600.html
[18] https://www.heise.de/news/Obamas-Vize-Joe-Biden-gilt-als-Befuerworter-von-ueberwachung-und-scharfen-Copyright-Regeln-199269.html
[19] https://www.heise.de/news/John-McCain-stellt-seine-Technologie-Agenda-vor-195884.html
[20] https://www.heise.de/news/Obama-Anhaengern-stoesst-Sinneswandel-bei-Abhoerbefugnissen-uebel-auf-183015.html
[21] https://www.heise.de/news/CFP-Datenschutz-Urheberrecht-und-Netzpolitik-im-US-Praesidentschaftswahlkampf-209289.html
[22] https://www.heise.de/news/Amerikanische-Wahlkaempfer-arbeiten-mit-Microtargeting-202533.html
[23] https://www.heise.de/news/USA-Drei-Klicks-machen-die-Praesidentschaftskandidaten-reicher-194591.html
[24] https://www.heise.de/news/US-Wahlkaempfer-und-die-schoene-neue-Internet-Welt-192718.html
[25] https://www.heise.de/news/Obama-tritt-fuer-mehr-Datenschutz-und-Netzneutralitaet-ein-175639.html
[26] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23820/1.html
[27] mailto:anw@heise.de