Adam and the Apps

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Das App-Konzept erlaubt es, quasi beliebig neue Funktionen per Smartphone anzubieten, die dann fahrzeugseitig in IntelliLink genutzt werden. Vom Start weg gibt es außer BringGo die App "Stitcher", welche ein Podcast-Internetradio oder Radioprogramme live oder zeitversetzt zur Verfügung stellt. Hier spätestens ist natürlich eine Daten-Flatrate für das Smartphone erforderlich. Geplant, aber zu Anfang noch nicht verfügbar, ist die App "Tuneln", im Prinzip ein Internet-Radio mit einer redaktionellen Vorauswahl. Ebenfalls angekündigt ist die App "MirrorLink", die jedoch ein wenig aus dem Rahmen fällt: MirrorLink, hervorgegangen aus "Terminal Mode" macht im Grunde genau das, was der Name andeutet: Der Inhalt des Smartphones wird auf das Display des Autos gespiegelt – oder umgekehrt: Das Smartphone nutzt das Auto-Display als Bildschirm.

Auf Anhieb wirkt dies etwas verwirrend, weil MirrorLink mit IntelliLink selbst zu konkurrieren scheint, der technische Ansatz ist aber ein etwas anderer: Bei IntelliLink übernimmt das Smartphone zwar ebenfalls die Rolle eines Servers, die Apps schicken aber nur Steuerdaten an das Auto, die erst IntelliLink für den Touchscreen-Monitor aufbereitet. MirrorLink folgt eher dem Gedanken, Smartphone-Apps auf dem Monitor zu spiegeln – auch hier allerdings sollen Informationen mitgeliefert werden, die eine Bedienung mit den Bordmitteln des Autos erlaubt. Dieser Ansatz ist in der Autobranche durchaus umstritten. Manche befürchten, dass darüber Funktionen Eingang ins Auto finden könnten, die dort im Hinblick auf die Fahrsicherheit nichts zu suchen haben. Aber auch die Herkunft ist eine andere: MirrorLink wurde ursprünglich von der Mobilfunkbranche getrieben, das Konzept ist nicht an einen Automobilhersteller gebunden. Umso bemerkenswerter ist es, dass GM und Opel die MirrorLink-Option zulassen.

Zwar will das CarConnectivity-Konsortium, das hinter MirrorLink steckt, einen Schutzmechanismus zur Verfügung stellen: Apps, die während der Fahrt benutzt werden, sollen nur zugelassen werden, wenn sie auf ihre Unbedenklichkeit geprüft werden. Wie genau dieser Prozess aussehen soll, ist aber offen. In dieser Hinsicht wirkt IntelliLink berechenbarer, weil es eine GM-Entwicklung ist und der Autohersteller somit selbst bestimmt, welche Apps zugelassen werden. Es liegt nahe, dass es dabei nicht bei BringGo, Stitcher und Tuneln bleiben wird, sondern Opel oder GM noch einige neue Ideen für das Infotainment-System im Adam präsentieren werden.

Anwendern von iPhones wird übrigens ein Angebot gemacht, das Android-Smartphones im Zusammenspiel mit IntelliLink zunächst nicht bieten können. Man wird die Apple-Spracherkennung Siri nutzen können, mit der Funktionen per Spracheingabe bedient werden können. Siri soll sogar natürlich formulierte Sätze verstehen und kann mit der "Cloud" kommunizieren, also per Datenverbindung auf Apple-Server zugreifen, damit die Sprachverarbeitung dort stattfinden kann. Für weniger an diesem Metier Interessierte mutet es geradezu abenteuerlich an: Mein Sprachbefehl wird an einen Server gesendet, der irgendwo in der Welt steht, um möglichst gut zu verstehen, was IntelliLink im Auto für mich tun soll.

IntelliLink beherrscht natürlich auch ganz bodenständige Fähigkeiten: Per USB, Mini-Klinke oder Bluetooth kann man Musik abspielen, einzig den eingebauten CD-Player schenkt sich Opel, ihn gibt es nur in den einfacheren Systemen. Natürlich gibt es auch einen UKW-Tuner, auf Wunsch (200 Euro) auch DAB+, ein noch nicht übermäßig verbreiteter Digitalfunk, der wie analoger Rundfunk terrestrisch verbreitet wird. Obwohl die Dichte von Sendemasten in Deutschland hoch ist, bietet DAB+ nach wie vor nicht allzu viele Sender, diese allerdings quasi störungsfrei. Dass sich die Technik bisher nicht stärker durchgesetzt hat, liegt wohl daran, dass das UKW-Angebot in Deutschland einfach zu gut ist.