Die elektromechanische Bremse "VE Brake"

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Doch was unterscheidet nun die Bremse von Vienna Engineering von der Keilbremse? So viel ist klar, sie hat keinen Keil, der verklemmen könnte, funktioniert aber auch nicht per Spindelbetätigung, die den Bremsbelag linear und im 90-Grad-Winkel gegen die Scheibe presst. Was die bisher veröffentlichten Bilder nicht zeigen, ist ein Hebelsystem, das einerseits eine Selbstverstärkung erlaubt, andererseits aber im Notfall ein automatisches Öffnen sicherstellt, und zwar ohne irgendeinen Zusatzmechanismus.

Zwar wirkt bei der "VE Brake" die Anpresskraft wie bei einer Spindelbetätigung im rechten Winkel, aber über den Umweg eines Hebelsystems. Es senkt zum einen den Kraftbedarf, wie es einem Hebel nunmal zu eigen ist. Auch eine Spindel erlaubt zwar eine Untersetzung, hohe Kräfte sind hier aber mit hoher Reibung verbunden und es ist nur eine lineare Betätigung möglich. Anders bei der VE Brake: Der Hebel ist exzentrisch so gelagert, dass beim stärkeren Betätigen der Bremse eine Selbstverstärkung eintritt. Die Kinematik ist aber so austariert, dass ein Verklemmen unmöglich sein soll – wenn der elektrische Antrieb ausfällt, öffnet die Bremse.

Laut Michael Putz, der die Entwicklung der "VE Brake" leitet, erfordert eine durchschnittliche Bremsung nicht mehr elektrische Energie als der Betrieb einer Bremsleuchte. Selbst bei einer Spitzenbelastung würden pro Bremse in einem Zeitraum von 0,1 bis 0,2 Sekunden nur 100 bis 200 Watt fällig. Diese Spitzenbelastung fällt allerdings nur kurz bei einsetzender Betätigung an, weil die Bremse danach bereits im Bereich der Selbstverstärkung arbeitet. So kann theoretisch selbst ein 12-Volt-Bordnetz ausreichend Strom bereitstellen. Natürlich muss bei einer Praxisanwendung abgesichert werden, dass es eine Rückfallebene gibt, das Zweikreis-Prinzip einer Hydraulik muss bei der EMB auf das Signal- und Energienetz übertragen werden.

Ein eher kleines Problem ist dagegen das Nachstellen der Bremse bei Belagverschleiß, das es bei einer hydraulischen Bremse quasi umsonst gibt. Bei der VE Brake ist der eigentlichen Bremskinematik ein spindelbetriebenes Ausgleichssystem überlagert, um bei Verschleiß für Ausgleich zu sorgen. Wann das erforderlich ist, lässt sich durch die notwendigen Bremskräfte ableiten. Denn die Bremse wirkt wie gesagt nichtlinear, sodass das Steuergerät erkennt, wenn die Sollkurven für Brems- und Betätigungskraft auseinander driften. Da zudem die Rückstellung der Beläge im Normalbetrieb elektromotorisch erfolgt – desmodromisch, wenn man so will – ist in Ruhestellung selbst unmittelbar nach dem Bremsen ein Luftspalt vorhanden. Das spart laut Vienna Engineering hohe Reibungsverluste, die sonst an schleifenden Belägen auftreten.