Fahrbericht Alfa Romeo Stelvio
In den Sitzen saßen beide Fahrer sehr gut. Standardmäßig bietet Alfa hier eine Form, an die man sich bei Kurvenfahrt anlehnen kann, deren Seitenpolster aber weit genug auseinander liegen, dass auch breite Personen auf langen Strecken bequem sitzen. Als Option gibt es Sportsitze mit enger zusammengerückten Seitenhaltepolstern.
Motoren: gut
Zum Start des Stelvio gibt es einen Dieselmotor und einen Benziner, beides aufgeladene Reihenvierzylinder. Der Zweiliter-Diesel taugt zum Cruisen, der "Dynamic"-Mode wirkt schon arg bemüht, da die 210 PS sich mit den 1734 kg EU-Leergewicht zu schwer tun, um sich jetzt krass beschleunigt zu fühlen. Das wäre die Option für Familien mit Alfa-Faible, wenn nicht die Unsicherheit darüber wäre, ob man jetzt mit so einem Diesel demnächst noch (zum Beispiel in Stuttgart) zur Arbeit fahren darf oder nicht. Seine Leistung reicht auch voll bepackt völlig aus, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 215 km/h, sein Geräusch unaufdringlich. Den Realverbrauch extrapoliere ich jetzt auf kombiniert auf 6 bis 7 Liter.
Der zweite Motor ist ein 280-PS-Benzinmotor, der unerwartet viel Freude bereitet. Alfa hat ihm einen sehr eigenen Klang gegeben, der sich von anderen Reihenvierern positiv unterscheidet. Mit zwei Ausgleichswellen ist seine Laufkultur tadellos, und er dreht so lebendig, dass er die Option für Leute ist, die mit ihrem Stelvio ein bisschen Spaß haben möchten. Mit neun bis zehn Litern Verbrauch muss der Kunde wahrscheinlich auch im Alltag realistisch rechnen. Dazu kommt in ein paar Monaten eine Quadrifoglio-Version mit dem 510-PS-V6 aus der schnellen Giulia. Es steht zu hoffen, dass der Kunde bei dieser Version dann die Traktionskontrolle abschalten kann, die so viel Spaß verdirbt.
Prozessoren: schlecht
Im schönen Innenraum mit Holzleisten und drei Millionen Lederfarbvarianten fällt das Infotainment-System unangenehm auf. Alfa verbaut hier einen matten Bildschirm, dessen Hintergrundbeleuchtung so schwach ist, dass man selbst bei bewölktem Himmel je nach Sonnenstand immer mal wieder schwer ablesen kann, was er einem mitteilen möchte. Das kombiniert der Zulieferer Magneti Marelli mit dampfbetriebenen Prozessoren, die sie irgendwo aus italienischen Armeebeständen des 1. Weltkriegs ausgegraben haben müssen, denn mir fiele nicht ein, wo man heute sonst noch solche Kriecher herbekäme.
Die Latenzzeiten sind so lange, dass man nicht mehr an den Erfolg seiner Eingabe glaubt und sie wiederholt, was zum Fehler führt. Die Navi-Grafik springt alle paar hundert Meter und muss dann quadrantweise komplett sichtbar neu aufgebaut werden – wenn nicht gerade die Sonne aufs Display scheint und das gütig verdeckt. Es ist mir unverständlich, wieso in der Preisklasse eines Stelvio so ein altertümliches System an den Start rollt. Tegra-Chipsätze zum Beispiel, wie sie bei Audi oder Tesla seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz sind, hätten am Preis eines Stelvio nichts geändert. Verdacht: Auch das wollen/brauchen Alfa-Kunden vielleicht nicht, zumindest nicht in den Augen des Alfa-Vertriebs.