Fahrbericht: Skoda Kodiaq RS
Etwas versteckt veröffentlicht Skoda auch schon die Verbrauchswerte im neuen Zyklus. 8,1 Liter sind es im WLTP, 6,2 im von WLTP umgerechneten NEFZ. Das zeigt zweierlei: Die 8,1 Liter sind im Alltag zu erreichen, ohne zum Hindernis zu werden. Zweitens sollten Kunden sehr genau hinsehen, welche Werte ihnen der Hersteller vorlegt. In der Übergangsphase verraten viele nur Verbräuche, die von WLTP auf den NEFZ umgerechnet wurden, was die Autos besser dastehen lässt, als sie sind. Der Motor im Kodiaq RS erfüllt die Abgasnorm Euro 6d-Temp, der Adblue-Tank fasst 20 Liter.
Kerniger Sound
Natürlich hat Skoda nicht darauf verzichtet, dem Kodiaq RS ein paar Zutaten mit auf den Weg zu geben, die das Fahrerlebnis irgendwie sportlicher wirken lassen sollen. Noch bevor ein Meter zurückgelegt ist, meldet sich der erste Begleiter dieses Ansinnens. Der „Dynamic Sound Boost“ lässt im Sport-Modus keinen Zweifel daran, dass dazu wohl ein kerniger Sound gehört. Ich fand das etwas dick aufgetragen und ziemlich (un)künstlich, was für Skoda nicht schlimm ist, denn ich gehöre definitiv nicht zur Zielgruppe. Der Klang eines Vierzylinder-Diesels muss für mein Empfinden nicht aufgebrezelt werden. Sei es drum, die Zielkundschaft wird das wohl genau so gut finden. Die allgemeine Geräuschdämmung bekommen andere Hersteller besser hin, deren vergleichbare Autos dann allerdings auch deutlich teurer sind.
Der zweite Versuch, den Kodiaq sportlich wirken zu lassen, erfolgte über das Fahrwerk. Serienmäßig sind 20-Zoll-Felgen mit einer 235/45er-Bereifung und ein adaptives Fahrwerk. Gerade im Sportmodus reicht diese Kombination sehr viel an die Insassen weiter, was wohl den meisten Fahrer spontan sinnvoll erscheinen wird. Mein Kollege Clemens Gleich hat den Unsinn allzu harter Fahrwerke vor einigen Jahren einmal auseinander genommen. Das gilt auch hier, denn mit einer betont unsensiblen Reaktion auf Unebenheiten neigt sich das Auto in Kurven weniger, was sich gerade bei SUVs mit ihrem hohen Schwerpunkt erst einmal gut anfühlt. Doch die geringere Neigung hat einen Preis, denn schon bei kleinen Runzeligkeiten des Asphalts fängt das Auto so an zu versetzen.
Im Kodiaq RS fühlt sich der Komfort-Modus für mich „runder“ an. Das künstliche Geblubber verschwindet, das Fahrwerk filtert kleine Unebenheiten trotz der geringen Flankenhöhe der Reifen erstaunlich gekonnt weg. Zusammengenommen mag etwas weniger sportiv wirken, macht aber den alltäglichen Umgang angenehmer, finde ich.
Reichlich Platz
Wer das Format mag, bekommt mit dem Kodiaq viel Pragmatismus geboten. In erster Linie gehört dazu ein riesiges Platzangebot – es ist immer wieder erstaunlich, was Skoda in dieser Hinsicht zur Verfügung stellt. Ein Audi A4 Avant oder ein Volvo V60 (Test) nehmen eben soviel Verkehrsfläche ein, bietet diese Raumfülle aber nicht einmal ansatzweise. Auch funktional überzeugt der Skoda, das meiste erklärt sich von selbst und ist schnell bedient – keine Selbstverständlichkeit mehr in Zeiten, in denen die Bedienung von immer mehr Funktionen in Menüs auf Touchscreens verschwinden.
Im Testwagen war das sehr teure Navigationssystem eingebaut, dass ohne fühlbare Tasten oder Regler auskommen muss. Das wirkt auf den ersten Blick schick, doch im Alltag klappt die Bedienung des Serienradios oder des etwas weniger überteuerten, kleinen Navis schneller. Das im RS serienmäßige Display-Kombiinstrument lässt sich weitreichend konfigurieren, auch der Wechsel zwischen den Ansichten klappt zügig. Allerdings erscheint mir nicht jede der möglichen Anzeigen sinnvoll.
Die eigentlichen Qualitäten des Kodiaq werden mit dem Trainingsanzug des RS kaum gestärkt. Vielmehr zeigen sie sich schon weit unterhalb der 239-PS-Ausführung. Denn alles in allem bleibt er ein komfortables SUV, mit dem sich auch vier langbeinige Erwachsene bequem transportieren lassen. Und das klappt auch ohne Sportverpackung. (mfz)