Gepanzerte Fahrzeuge fĂĽr die Prominenz
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Stähle und Aramide
Eines ist klar: Ein normales Auto ist aus den meisten Schusswinkeln kaum mehr als ein Sichtschutz für die Insassen. Außer Motorblock oder Getriebe gibt es wenig, was eine Kugel aufhält. Für den Transport von Politikern verwenden die Chauffeure des Bundestags daher Schwerpanzerlimousinen, also Autos der Oberklasse, deren Hülle selbst Gewehrschüssen standhält. Dazu wird diese massiv verstärkt. Die Details unterschieden sich von Hersteller zu Hersteller, es sind allerdings immer sehr zugfeste und stabile Materialien, hauptsächlich Stähle und Aramide (Kevlar).
Im dicken Glashaus
Die größte Schwachstelle, die Scheiben, werden mit schichtweise laminierten Polycarbonaten gepanzert, bis sie zum Beispiel beim neuen BMW 7er Security sechs Zentimeter dick sind. Die Scheiben in Obama Barracks "Cadillac One" sind sogar um die fĂĽnfzehn Zentimeter dick. Diese durchsichtigen Wände kann man natĂĽrlich nicht beliebig dick machen. Die ohnehin schon enormen Massen einer SchwerÂpanzerÂlimousine sind einem guten Handling abträglich, und die hohen Massen der Scheiben im oberen Fahrzeugbereich gleich doppelt, weil Masse oben die Seitenneigung eines Fahrzeugs während der Kurvenfahrt ĂĽber ihren längeren Hebel stärker erhöht als Masse unten.
Knick in der Optik
Die Dicke des Materials ist auch für die Optik relevant. Einerseits gelangt durch dickere Scheiben weniger Licht, zusätzlich jedoch – erzählt ein Kollege, der gelegentlich in gepanzerten Limousinen fährt – sei der Brechungsindex so deutlich spürbar, dass die Fahrer Fehlsichtigkeiten befürchten. So oder so, die Panzerung wiegt eine Menge. Genauer gesagt liegt sie bei Schwerpanzerlimousinen in der Gegend einer Tonne, was klar macht, dass die herkömmlichen Radaufhängungen und alle tragenden Teile damit schnell überfordert wären. Denn die Limousine soll ja bei einem Angriff noch eine Flucht ermöglichen, ohne in der Mitte durchzubrechen.