Zurück zu alter Größe

Jahrzehntelang hat Opel mit dem Zusatz Caravan viel Platz in kompakten Autos geboten. Mit der Umbenennung in Sports Tourer ging dieses Talent verloren. Der neue Astra Sports Tourer soll in dieser Disziplin an frühere Zeiten erinnern

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Opel

(Bild: Opel)

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Rüsselsheim, 9. September 2015 – Der SUV-Mode zum Trotz: Deutschland ist ein Kombi-Land. Opel war mit seinem Astra wie auch mit dem Vorgänger Kadett jahrzehntelang gut im Geschäft. Der Kombi-Anteil bei den Verkäufen ist beim Astra noch immer hoch, doch die Stückzahlen sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Mit dem neuen Astra Sports Tourer, der auf der Messe erstmals vors Publikum fährt, will die Marke an frühere Erfolge anknüpfen. Wie bei der Limousine sehen wir dafür gute Chancen, hat Opel doch an den wenigen Schwächen des Vorgängers gearbeitet.

Leicht hatte es Opel in den vergangenen Jahren nicht, was an veränderten Vorlieben der Kunden aber auch an strategischen Entscheidungen lag. Deutlich wird das vor allem bei Opels wichtigstem Modell, dem Astra. Die nun abgelöste Baureihe hatte im Wesentlichen mit drei Dingen zu kämpfen: Sie war äußerlich groß, ohne innen mehr Platz zu bieten als die Konkurrenz. Opels Vorhaben, ein besonders solides Auto zu bauen, endete zwar erfolgreich, führt aber zu einem hohen Leergewicht. Drittens fehlten dem Auto ein paar Highlights: Der Astra war gut, hatte kaum Schwächen, aber auch keine herausragenden Stärken zu bieten, die ihn aus der Masse des Angebots herausheben. Es fehlte einfach der Anreiz, genau dieses Auto zu kaufen. Zumal der Astra nicht mehr zu den Preisbrechern seiner Klasse gehört, vom Image her für die meisten Käufer aber inzwischen unterhalb eines VW Golf rangiert.

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Auf der IAA stellt Opel den neuen Astra Sports Tourer vor.
(Bild: Opel)

Am letzten Punkt lässt sich kurzfristig nichts ändern, an den anderen mittelfristig schon. Und Opel hat sich der zähen Kritik am Vorgänger gestellt. Der Kombi folgt optisch der Vorgabe der Limousine, auch hier wurde die Linie nur sanft verändert. Am deutlichsten unterscheiden sich neu und alt im Bereich der D-Säule, die beim kommenden Sports Tourer breiter ausfällt – was nichts gutes für die Rundumsicht erwarten lässt. Der neue Kombi soll deutlich leichter werden als sein direkter Vorgänger. Bei der Limousine wurde eine Erleichterung von mindestens 120 Kilogramm versprochen, beim Kombi sollen es wenigstens 130 kg sein. In der Spitze will Opel 200 kg eingespart haben. Das Basismodell wiegt inklusive 68-kg-Fahrer und 7-kg-Gepäck laut Werk nur noch 1263 kg.

Gearbeitet wurde den Presseinformationen nach auch am Verhältnis zwischen äußeren Abmessungen und innerem Platzangebot. Opel verspricht mehr Raum für die Köpfe der Frontinsassen (+ 26 mm) und die Beine der hinten sitzenden Passagiere (+ 28 mm). Dazu darf auch mehr Gepäck mitgebracht werden. Statt 1550 passen nun maximal 1630 Liter in den Kofferraum, sofern die Rücksitze umgelegt werden. Was der Sports Tourer aufnimmt, wenn die nicht umgeklappt sind, verrät Opel noch nicht. Bisher waren es 500 Liter, auf Nachfrage hieß es nur: „Weniger wird es nicht werden“.