Italienische Verführungskunst: Lancia Thesis mit Diesel im Test
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Variable Dämpfereinstellung mit Schwächen
Vor allem im Vergleich zu eben jenen deutschen Mitbewerbern mag außerdem das Thesis-Fahrwerk nicht vollauf überzeugen. Wie alle aktuellen Maserati-Modelle, so verfügt auch der große Lancia über die an sich geniale Skyhook-Aufhängung. Während ein Quattroporte mit dieser Fahrwerkstechnik den Spagat zwischen sportlicher Präzision und hohem Komfort mit Grandezza meistert, patzt der Thesis mit seiner variablen Dämpfereinstellung. Zwar werden die meisten Unebenheiten sauber weggefiltert. Doch manche Hubbel leitet der Unterbau unangemessen hart an die Insassen weiter. Trotz dieser gelegentlichen Härte: Auch sportliche Fahrfreuden wollen nicht so recht aufkommen. Die Lenkung wirkt bisweilen etwas synthetisch, der Wagen insgesamt zu schwerfällig und kopflastig. Richtig störend war jedoch die gelegentlich stark polternde Hinterachse, die bei mancher Unebenheit sogar das Heck seitlich leicht versetzten ließ. Von diesen deutlichen Mängeln abgesehen, konnte der Thesis sich als schneller Gleiter auf langen Strecken dennoch weitgehend bewähren. Zudem sorgen die Regelsysteme ABS, ESP und die Traktionskontrolle für ein State-of-the-Art-Sicherheitsniveau. Passiv tragen dazu unter anderem zwei Front-, vier Seiten- und zwei Kopfairbags bei.
Viel für viel Geld
Auch das restliche Ausstattungsniveau des Thesis ist hoch. Die von uns getestete Motorisierung ist allein in Kombination mit dem Automatikgetriebe erhältlich. Wählen kann der Kunde noch zwischen zwei Ausstattungsniveaus: Emblema und Centenario. Letztere setzt für 2650 Euro Aufpreis im wesentlichen nur optische Akzente. Ohne diesen optischen Schnickschnack kostet die Basisversion Emblema üppige 48.900 Euro. Zur Serienausstattung gehören dann allerdings 16-Zoll-Alus, Bi-Xenon-Scheinwerfer, elektrische Ledersitze, eine Klimaautomatik, eine Premium-Audio-Anlage von Bose, eine elektronische Feststellbremse, ein Navi-System mit Sieben-Zoll-Farbdisplay, eine elektrohydraulische Schließung der Heckklappe und vieles mehr. Seltsam nur, dass bei diesem nahezu voll ausgestatteten Fahrzeug eines der wenigen bestellbaren Extras Nebelscheinwerfer für 200 Euro sind.
Ausstattungsbereinigt ein Schnäppchen
Im Vergleich zu den bereits erwähnten Dieselversionen der Mercedes E-Klasse und dem BMW 5er ist der Thesis zwar in der Basis teuerer. Doch vergleicht man die Ausstattung, kann sich der italienische Luxusschlitten klar von diesen deutschen Konkurrenten absetzen und ist angesichts des Gebotenen sogar ein kleines Schnäppchen. Apropos: Der Thesis ist kein sonderlich wertstabiles Auto und kann entsprechend günstig auf dem Gebrauchtmarkt erworben werden.