KTM 390 Duke Langstreckentest
Was mir zunächst mehr Unbehagen bereitet: Der Einzylinder hat nur 373 Kubikzentimeter Hubraum. Wenn man regelmäßig auf Motorräder mit tausend Kubikzentimeter und mehr unterwegs ist, fürchtet man, das wäre wie ein Umsteigen von einem Porsche auf ein Bobbycar. Ein kurzer Blick ins Datenblatt der KTM weist den kleinen Herzog mit einem Trockengewicht von nur 139 Kilogramm aus. Das hört sich schon recht freundlich an, aber erst die Leistungsangabe von 44 PS sorgt für hochgezogene Augenbrauen. Soviel Power aus einem so kleinen Hubraum – wie geht das? Klar, nur über Drehzahlen! Die Höchstleistung liegt bei 9500/min an.
Aha, dann fehlt sicher untenrum Leistung, vermute ich und schwinge mich auf die 390 Duke. Die Sitzposition passt mir wie angegossen, hier muss man keine verkrampfte Körperhaltung einnehmen, der schicke Fat-Bar-Lenker aus Aluminium liegt perfekt zur Hand und die Füße ruhen bequem auf den Rasten. Zündung an und das Mäusekino im Cockpit erwacht zum Leben. Das Display hätte KTM vielleicht hübscher gestalten können, aber am Informationsgehalt lässt sich nicht mäkeln, abgesehen vom arg klein geratenen Drehzahlmesser-Balken. Der Einzylinder zündet auf den ersten Knopfdruck, läuft sofort rund und brabbelt mit einem angenehm sonoren Sound vor sich hin. Hört sich im Stand nach viel mehr Hubraum an. Die Kupplung lässt sich mit nur einem Finger betätigen, der erste Gang flutscht wie von selbst rein.
Flotter Einzylinder
Holla, die kleine KTM legt sich vom Start weg mächtig ins Zeug! Der Einzylinder dreht so flott hoch, dass selbst der erfahrene Biker aus dem Staunen kaum noch rauskommt. Das sind wirklich nur 373 Kubikzentimeter? Den Spurt von 0 auf 100 km/h absolviert die Duke in strammen 5,3 Sekunden. Das hätte ich dem kleinen Motörchen nicht zugetraut. Kurzhubig ausgelegt erweist sich der Motor als Quell steter Drehfreude.
Durchzugswunder erwartet hier natürlich niemand und so stellt sich der Reiter mental schon vorab auf fleißige Schaltarbeit ein. Das Sechsganggetriebe zeigt sich als sehr gut übersetzt, es ist immer der passende Anschluss vorhanden, allerdings will der Schalthebel manchmal konzentriert betätigt werden. Außerdem kann die Duke mit einer Anti-Hopping-Kupplung punkten, die bietet kein Konkurrent in der Klasse serienmäßig an.