Mercedes A- und B-Klasse Facelift: Kaum verändert in die letzte Runde

Mercedes überarbeitet A- und B-Klasse. Äußerlich ändert sich nicht viel, bei Infotainment, Motoren und Konfigurationsmöglichkeiten etwas mehr.

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Mercedes B-Klasse 2023

(Bild: Mercedes)

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Um die A-Klasse und ihre zahlreichen Derivate gab es im Sommer reichlich Aufregung. Einige Modelle auf dieser Basis sollen keine Nachfolger mehr bekommen. Noch ist es allerdings nicht so weit, denn zuvor werden alle einer Modellpflege unterzogen. Den Anfang machen A- und B-Klasse, Ableger wie der CLA dürften bald folgen. Auf größere Eingriffe hat Mercedes verzichtet, stattdessen gibt es Feinschliff im Detail. Der dürfte nicht überall im Sinne der Kunden sein.

Die Motorhaube bekam zwei frische Falten, Scheinwerfer und Rückleuchten eine andere Grafik. Der Beipackzettel für die Presse verkauft das euphemistisch als Vermittlung von Kraft und Dynamik an einer neuen A-Klasse. Nüchtern betrachtet wird nur sehr aufmerksamen Betrachtern auffallen, dass hier eingegriffen wurde. Den Kunden wäre vermutlich wichtiger gewesen, dass Mercedes endlich die Halogen-Scheinwerfer entsorgt, doch die bleiben dem Basismodell erhalten. Das ist schon eine sehr eigenwillige Entscheidung, wenn man sich einmal überlegt, dass diese veraltete Technik im VW Polo (Test) nicht mehr eingebaut wird.

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Im Innenraum sind ein paar Dekorleisten neu, das grundsätzliche Layout wurde jedoch nicht angetastet. Mercedes hat die Serienausstattung etwas aufgepäppelt: Lederlenkrad, USB-Paket und Rückfahrkamera bringt schon das Basismodell mit. Aktualisiert wurde das Infotainmentsystem, und das ist eine schlechte Nachricht – für die Konkurrenz. Denn die aktuelle A-Klasse hat in dieser Hinsicht auch vier Jahre nach ihrem Debüt niemand überholt, was angesichts des Entwicklungstempos in diesem Bereich erstaunlich ist.

Das System MBUX ist nicht perfekt, gehört aber zu den besten, die man momentan kaufen kann. Mit dem Update will Mercedes das Arbeitstempo weiter verbessert haben. Außerdem soll die Sprachsteuerung noch leistungsfähiger sein. Die große Ausbaustufe wird weiterhin eine deftige Zuzahlung voraussetzen, allerdings liefert Mercedes dafür eben auch einen erlebbaren Gegenwert. Neu ist ein akustischer Reiseführer, der Sehenswürdigkeiten entlang der Route kommentiert.

Bislang konnte man die A-Klasse recht frei konfigurieren. Nun wurde die Angebotslogik deutlich vereinfacht, wie Mercedes es ausdrückt. Übersetzt heißt das allerdings nichts anderes, als das Kunden weniger Extras einzeln wählen können, sondern Pakete kaufen sollen, in denen die gewünschten Ausstattungen enthalten. Falls die Kundschaft mitspielt, ist das für den Hersteller wunderbar: Er schränkt die teure Flexibilität am Band ein und verkauft ganz im Sinne der Marge Dinge mit, die der Kunde sonst vielleicht nicht geordert hätte. Diese Politik ist bei anderen Marken längst üblich.

Mercedes A- und B-Klasse Facelift 2022 (4 Bilder)

Die Überarbeitung wird zunächst in den beiden A-Klassen und der ...

Bei den Motoren gibt es nur kleine Eingriffe, zumindest auf den ersten Blick. Es gibt einen Plug-in-Hybriden, sechs Benziner und drei Diesel. Sie alle blieben in der Gesamtleistung gleich, allerdings wurde die Elektrifizierung teilweise vorangetrieben. Bis auf den AMG A45 S haben alle Benziner einen 48-Volt-Startergenerator, der dem Benziner mit bis zu 10 kW auf die Sprünge hilft. Diese Mildhybridisierung soll helfen, den Verbrauch zu senken, was sich zumindest im WLTP nicht niederschlägt. Dort sind die Werte nahezu gleich geblieben, auch bei den Fahrleistungen gab es keine Verbesserung.

Der beliebte Plug-in-Hybrid bekam einen etwas stärkeren E-Motor, der nun 80 statt 75 kW leistet. Auch der Benziner leistet mit 120 statt 118 kW minimal mehr. Die Systemleistung, auch hier nicht die Summe beider Antriebsquellen, bleibt mit 160 kW identisch. Benziner und E-Motor erreichen ihre Spitzenleistung bei unterschiedlichen Drehzahlen. Unverändert blieb auch die Batterie, die einen Energiegehalt von 15,6 kWh brutto bietet. Einen Nettowert verrät Mercedes nicht, allerdings soll dieser mit dem Update der Baureihe gestiegen sein. Damit erklärt sich die gestiegene Reichweite im Zyklus. In der Preisliste vom Mai 2022 versprach Mercedes im A250e zwischen 59 und 69 km, künftig sollen es im WLTP 70 bis 81 km sein.

Fortschritte gibt es bei Ladetempo, wenngleich weiterhin nur gegen Aufpreis. Serienmäßig ist nach wie vor ein einphasiges Ladegerät, das bis zu 3,7 kW liefert. Bislang konnte der Kunde einen zweiphasigen Lader bestellen, der bis zu 7,4 kW ermöglichte. Das wurde auf drei Phasen erweitert. Dieser Plug-in-Hybrid kann damit, sofern der Kunde das bezahlt hat, dreiphasig mit bis zu 11 kW laden – beispielsweise mit einer der vor einiger Zeit geförderten Wallboxen daheim. Auf diese Sonderausstattung aufbauend kann als weiteres Extra eine DC-Ladefähigkeit mit erworben werden. Dann sind an Gleichstrom bis zu 22 kW möglich – nicht viel im Vergleich zu einem Elektroauto, für einen Plug-in-Hybriden aber geradezu rasant.

(mfz)