Mercedes gibt der neuen R-Klasse neuen Charakter

Seite 2: Mercedes gibt der neuen R-Klasse neuen Charakter

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Beim Innenraum merkt man es ganz deutlich: Die R-Klasse ist zu einem Fahrzeug geworden, das um die Gunst von Familien mit groß gewachsenen Mitgliedern buhlt. Bisher warteten im Fond zwei Einzel-Sessel auf Businessgäste. Jetzt gibt es eine durchgehende Sitzbank mit Isofix-Kindersitzbefestigungen an den beiden äußeren Stühlen. Der mittlere Sitz lässt sich zur Armlehne umlegen. Daran kann man gut absehen, dass dieser Platz äußerst schmal gehalten wurde – vielleicht fühlt sich dort ja Germany’s next Topmodell wohl. Die Bezeichnung „Sitz“ verdient dieses Bauteil nicht, es ist eher der Stöpsel, der die Lücke zwischen den beiden äußeren Polstermöbeln schließt. Bein- und Kopffreiheit gibt es vorne wie hinten ohne Ende. Insgesamt sind die Sitze bequem und bieten sogar halbwegs Seitenhalt. Der Gepäckraum fasst in der fünfsitzigen Konfiguration im Modell mit kurzem Radstand bereits 939 Liter. Fallen die Rücklehnen der Fondbestuhlung, können bis zu 2001 Liter Familienzeug in den Wagen gestapelt werden. Wer ein paar unruhige Gören sein Eigen nennt, kann sich für den kräftigen Obolus von 3094 Euro ein DVD-Entertainment-System zulegen. Dank der dazugehörigen Kopfhörer ist dann hinten Ruhe im Karton. Bis hier deutet alles auf ein gehobenes Reisegefährt hin. Können Fahrwerk und Motor dort mithalten?

Obwohl für die Freunde gehobener Automobilkunst gedacht, so war doch der Einstiegspreis der R-Fahrzeuge immer recht happig. Mercedes drückt den Preis jetzt durch Reduzierung der Technik. So gibt es die auf der grundsätzlich allradgetriebenen M-Klasse basierende R-Klasse erstmals mit reinem Heckantrieb. Dies bringt Gewichtsersparnisse und eine Verringerung von Reibungsverlusten mit sich. Am Ende spart der Wagen wegen dieser Modifikation 0,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Allerdings stellt sich die Front des R 280 CDI beim Start nicht hecktrieblertypisch auf. Bei normalen Straßenverhältnissen ist kaum ein Unterschied zum 4Matic-Antrieb zu spüren. Auch auf regennasser Fahrbahn ließ sich der Wagen gutmütig und unkritisch bewegen. Bei winterglatter Straße ist aber sicher wieder der Zementsack im Kofferraum von Vorteil. Unebenheiten im Untergrund dämpft das Fahrwerk locker weg, wobei die relativ weich ausgelegte Federung auch ein spürbares Wanken in Kurven zur Folge hat. Aber selbst wenn die Schräglage ganz beachtlich ist, so bleibt doch alles ganz ungefährlich. Einmal in Schräglage, geht es sicher weiter bis zum Kurvenende. Und selbst bei schlagartigen Vollbremsungen wird kaum genickt. So ist auch das Fahrwerk komplett auf Langstrecken-Reisekomfort ausgerichtet.