Mit 40 auf Top-Niveau in der MotoGP. Valentino Rossi zum Vierzigsten
Hier gründet Valentino 2013 auch die „VR46 Riders Academy“, nach dem Vorbild der berühmten Trainings-Ranch von Ex-Weltmeister Kenny Roberts in Kalifornien. Rossi ärgerte es damals, dass in der Motorrad-WM fast nur noch Spanier Ton angebend waren, die einst stolze Racer-Nation Italien hatte kaum noch einen Top-Fahrer vorzuweisen. Auf der iberischen Halbinsel gab es hingegen seit langem eine umfassende Nachwuchsförderung, die größten Talente wurden gezielt auf die MotoGP vorbereitet. So etwas wollte Rossi auch für Italien haben und wer wäre besser für die Sichtung und Ausbildung junger Talente geeignet, als der neunfache Weltmeister? Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, dieses Jahr werden mit Moto2-Weltmeister Franco Morbidelli und Francesco Bagnaia gleich zwei seiner Schüler in die MotoGP aufsteigen. Sie machen ihrem Meister damit direkte Konkurrenz, doch Rossi ist stolz auf sie und hat in der Academy immer noch viel Spaß mit seinen Eleven, etwa beim Wett-Driften auf seinem privaten Flat-Track-Kurs. Für die Nachwuchstalente ist Rossi Idol, Lehrer und Kumpel in einer Person. Die Rennerei liegt Rossi einfach im Blut: Wenn er in seiner knapp bemessenen Freizeit ausspannen will, fährt er gerne in einem WRC-Auto auf der Monza Rally Show mit – bislang kann er sieben Siege vorweisen.
Allround-Talent
Wie er all seine Funktionen – Rennfahrer, Academy-Leiter, Werbeträger und Boss seiner Merchandising-Firma – unter einen Hut bringt? In dem er strikt zwischen allem trennt. Wenn er zu Tests oder einem GP reist, ist er hundertprozentig darauf fokussiert. Seine Firma hat er mit seinen engsten Freunden besetzt, denen er zwar vertraut, aber dennoch von ihnen verlangt, dass sie ihm regelmäßig Rapport stehen und keine Entscheidungen ohne sein „okay“ fällen. Außerdem trainiert er täglich. Rossi mag eigentlich keine Fitness-Studios und quält sich dennoch regelmäßig in ihnen, doch viel lieber trainiert er auf allem, was zwei Räder und einen Motor hat, egal ob beim Motocross, Flat-Track oder Trial.
So gesprächig und schlagfertig Rossi auch bei Pressekonferenzen ist, gibt er kaum Interviews abseits der Rennstrecken. Über sein Privatleben redet er schon gar nicht. Bekannt ist, dass er mit der 15 Jahre jüngeren Francesca Sofia Novello liiert ist. Das angehende Modell stand 2016 als Grid Girl neben ihm, als es gefunkt hat. Von einem Vierzigjährigen erwarten die Italiener natürlich, dass er verheiratet ist und Bambini in die Welt setzt. Doch Rossi winkt ab, daran würde er frühestens nach seiner Rennfahrerkarriere denken.
Angst vor dem Karriereende
Vor dem Karriereende Rossis graut es hingegen dem MotoGP-Vermarkter Dorna jetzt schon. Sie wissen genau, dass ohne Vale der Rennzirkus sein Zugpferd verliert. Niemand im Starterfeld hat mehr Anhänger, kein anderer Motorradrennfahrer hat selbst unter der nicht-Motorrad-affinen Bevölkerung diesen Bekanntheitsgrad wie Rossi. Zu jeder Rennstrecke auf diesem Planeten pilgern Massen von Fans im neongelben Rossi-Outfit – von Malaysia bis Argentinien, von Japan bis Australien – um ihr Idol zu zelebrieren.
Niemand ist in Sicht, der ihn als Publikumsmagnet ersetzen könnte, auch nicht der Überflieger Marc Márquez. Noch hat die Dorna Zeit, sich etwas einfallen zu lassen: Rossis Vertrag mit Yamaha läuft bis 2020 und Vale beabsichtigt, auch mit 41 noch Rennen zu fahren – um vielleicht doch noch seinen zehnten WM-Titel zu holen. (fpi)