Nissan senkt den Preis für das Elektroauto Leaf

Nissan senkt den Preis für das Elektroauto Leaf. Statt 36.990 Euro wird der Leaf zukünftig nur noch 33.990 Euro kosten. Das ist noch immer sein stolzer Preis, was Nissan aber nicht davon abhält, den Leaf zukünftig auch in England und USA zu produzieren

vorlesen Druckansicht 15 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Gernot Goppelt

Die Zulassungszahlen von Elektroautos sind nach wie vor derart überschaubar, dass das Kraftfahrbundesamt sie vereinzelt nicht einmal weiter aufführt. Wenn 2012 dann unter „Sonstige“ bei Chevrolet 50 Autos verkauft wurden, war vielleicht sogar das ein oder andere Elektroauto dabei. Der Zulassungsheld in diesem Segment, sofern man auch Range Extender mitzählen will, ist der Opel Ampera, der vergangenes Jahr 828 Mal zugelassen wurde. Bei den reinen Elektroautos sehen die Zulassungszahlen so aus: Citroen C-Zero 454 Exemplare, Peugeot ION 263, Nissan Leaf 451, alle anderen irgendwie versteckt unter den Sonstigen.

Über die Gründe wurde in den vergangenen Jahren viel gesprochen. Die mangelnde Reichweite galt als ein Problem der Elektroautos, ist aber wohl nicht das Kernproblem, weil zumindest in urbanen Regionen die Menschen ohnehin nur kurze Strecken fahren. Der eigentliche Knackpunkt ist simpel, es ist der Anschaffungspreis. Nissan will nun den Verkauf des Leaf ankurbeln, indem sein Preis kräftig gesenkt wird – wobei das Unternehmen von einer „weltweiten Kampagne“ spricht, es ist also nicht ganz klar, ob es dabei bleibt. Statt 36.990 Euro wird der Leaf demnach nun 33.990 Euro kosten.

Wird das etwas bewirken? Wohl kaum: Zwar hat der Leaf eine tolle Ausstattung und ist ein absolut alltagstaugliches Gefährt – er bietet mit seinem Elektroantrieb sogar eine Gelassenheit beim Fahren, die kaum ein konventionelles Auto bietet. 280 Nm und 109 PS sorgen für souveränen Vortrieb, die Vmax von 145 km/h genügt. 175 Kilometer Reichweite sind bemerkenswert, auch wenn man im Alltag getrost ein Drittel davon abziehen kann. Die Batterien können über eine Haushaltssteckdose in acht Stunden aufgeladen werden. Bei 30 Prozent Restkapazität lässt sich die Batterie an einer Schnellladestation in nur 15 Minuten zu 80 Prozent aufladen -- bei einer vollständig entleerten Batterie werden dafür 30 Minuten benötigt. An Alltagsqualitäten mangelt es dem Leaf nicht, doch nach wie vor stellt sich die Frage, wer so viel Geld für einen Kompaktwagen ausgeben soll.

Nissan lässt sich trotzdem nicht entmutigen, im Frühjahr beginnt sogar die europäische Produktion im Werk Sunderland in England. Auch in den USA wird der Leaf neuerdings gebaut, und zwar im Werk Smyrna in Tennessee, wo auch die Modelle Altima und Maxima entstehen. Die bisher etwa 50.000 gebauten Leafs (immerhin) stammen aus Japan. In den USA trifft Nissan freilich auch günstige Bedingungen an, weil dort auch die Produktion von Elektroautos staatlich gefördert wird.

Gerade in den USA wird Nissan aber darüber nachdenken müssen, auch Range-Extender-Konzepte anzubieten, weil sich darauf zwei Vorteile ergeben: Ersten schlagen die Kosten für die Batterie nicht so stark zu Buche. Es erscheint durchaus realistisch, den Preis für ein solches Fahrzeug für rund 25.000 Euro/Dollar drücken zu können, weil für diesen Zweck eine Batterie mit einem Netto-Energieinhalt von 5 kWh bereits zu gebrauchen wäre. Zweitens wäre allen irgendwie gedient: den Kommunen, weil in den Stadtzentren emissionsfrei gefahren werden könnte, den Kunden, weil sie es noch bezahlen könnten und problemlos lange Strecken fahren können. Die Preissenkung des Leaf ist sicherlich zu begrüßen, aber machen wir uns nichts vor: 34.000 Euro sind noch immer zu viel, um mit einem Kompaktwagen nennenswert Kunden gewinnen zu können. (ggo)