Norton V4 RR
Hochmodern geht es auch im Cockpit zu mit einem farbigen und hochauflösenden 7-Zoll-TFT-Display. Sehr hübsch ist die digitale Drehzahlmesseranzeige im Stil einer analogen Uhr. Der eigentliche Clou ist aber die rückwärtige Kamera, deren Bild auf dem Display eingeblendet wird, so konnte Norton auf die Rückspiegel verzichten.
Um das Gewicht der V4 RR noch weiter zu drücken, wurde viel kohlefaserverstärkter Kunststoff verwendet. Die Vollverkleidung, der Höcker, Vorderradkotflügel, Kettenschutz und sogar der Tank bestehen aus dem Kohlefaserverbundstoff. Bei der Race-Version V4 SS sind sogar die Felgen aus dem sündhaft teuren Material und sollen die ungefederten Massen um 1,7 kg reduzieren.
In Ruhe gereift
Die Norton V4 ist also kein rasch zusammengeschraubtes, unausgereiftes Sportmotorrad, wie es andere Kleinserien-Hersteller mit aufgekauften traditionsreichen Namen versucht haben und damit auf die Nase fielen, weil die Motoren nicht vernünftig liefen und Defekte den Ruf ruinierten. Garner hat sich Zeit gelassen mit der Entwicklung dieses ersten modernen britischen Superbikes und viel Geld investiert. Wenn er etwas anfässt, dann will er es zu 100 Prozent richtig machen. Erst als die Norton V4 nach fünf Jahren beim härtesten Rennen der Welt siegfähig war – Platz sieben bei der TT Isle of Man darf von einer kleinen Motorradschmiede wie ein Sieg gegen die übermächtige Konkurrenz gefeiert werden – gab Garner grünes Licht für die Serienfertigung.
Natürlich wird der hohe Preis eine größere Verbreitung der Norton V4 RR verhindern. Im ersten Produktionsjahr sollen 250 Stück entstehen, aber man gib sich in Donington Hall zuversichtlich, sie restlos verkaufen zu können. Doch langfristig peilt Garner eine Produktion von 4000 bis 5000 Motorrädern pro Jahr an. Das Ziel würde er mit der V4 und den 961-cm3-Zweizylinder-Modellen wohl kaum erreichen, aber bald soll ein vom V4-Motor abgeleiteter 650-cm3-Reihenzweizylinder präsentiert werden. Im Prinzip handelt es sich dabei um ein Version des V4 mit nur einer Zylinderbank, erklärt Garner. Das Modell soll sehr leicht und handlich werden. Garner denkt sogar über Kompressor-Aufladung nach und stellt die erstaunliche Zahl von 170 PS in den Raum. Der Zweizylinder könnte in diversen Modellen Einzug halten: Naked Bike, Café Racer, Street Fighter, Sporttourer und Scrambler. Diverse Motorradmarken sind mit Baukastensystemen ja gerade sehr erfolgreich, warum sollte es bei einem kleinen Hersteller wie Norton mit einem ungewöhnlichen Motor nicht klappen?