Reportage: Mercedes Classic Center Fellbach

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Nebenan parken 300 SL Roadster, Luxuscabrios der Baureihe W 111 und ein spektakulär gut erhaltener Mercedes 600 der Baureihe W 100. Die deutsche Staatslimousine wurde 1979 für Mercedes-Benz gebaut und bis heute nie zugelassen. In den ersten zwei Jahren nutzte Mercedes-Benz diesen 600 als Chauffeurlimousine für Veranstaltungen und bewegte es dabei ausschließlich mit militärischen Sonderkennzeichen. 1981 verkaufte Mercedes-Benz das Fahrzeug an einen ihrer besten Kunden, einen Autohändler in der Nähe von Stuttgart. Der Eigentümer des Autohauses kaufte das Fahrzeug mit 54.500 km und stellte es in seinem eigenen Showroom.

„Die Kunden haben sich im Laufe der Jahre durchaus geändert“ erklärt Reichert, „Originalität geht heute über alles. Das war nicht immer so.“ Auch wenn Pagoden vom Typ W 113 oder der klassische 107er mittlerweile in Wert und Arbeitsnachfrage im Fellbacher Classic Center steigen – das Gros machen nach wie vor Luxusmodelle wie der Flügeltürer oder die Staatslimousine W 100 aus. „Ein Mercedes 600 ist technisch durchaus kompliziert“, sagt der Klassiker-Experte Andreas Häberle, „das ist bekannt. Die meisten kommen daher gleich zu uns. Genau wie beim 300 SL.“ Nebenbei weist er darauf hin, dass die Staatslimousine, bis 1991 auch Repräsentationsfahrzeug der deutschen Bundesregierung, gemessen an Technik und Exklusivität, auf dem freien Markt nach wie vor zu günstig sei. Der schwarze 600er des Mercedes Museums, der aktuell zum Verkauf steht, kostet knapp 550.000 Euro.

Generell spürt auch das Stuttgarter Classic Center einen Trend, der auf Versteigerungen und Oldtimerevents auf der ganzen Welt zu sehen ist. „Die Nachfrage nach Vorkriegsmodellen geht eindeutig zurück“, so Klassik-Chef Klaus Reichert. „das merken auch wir.“ Doch wenn einmal ein Modell wie der Daimler 1910 zu Besuch in die Werkstatt kommt, ist die ohnehin abwechslungsreiche Arbeit der Spezialisten noch etwas spannender als sonst. Das Luxusmodell aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts mit Lederkotflügeln bietet den Fondpassagieren ungewöhnlichen Luxus: Auf Wunsch erwärmt ein Abgasrohrsystem den hinteren Fußraum.

Ob es für den seltenen Daimler 1910 noch Ersatzteile gibt, darf bezweifelt werden, doch sonst gibt es fast nichts, das nicht besorgt werden kann. „In unserem Teilecenter in Germersheim gibt es 52.000 Ersatzteile – unzählige davon nur für die Klassiker“, sagt Andreas Häberle. Teile, die nicht mehr verfügbar sind, können in Originalqualität nachproduziert werden. Schwerpunkt bei Nachfertigungen und Wiederauflagen sind dabei zumeist sicherheits- und fahrrelevante Teile. Wenn möglich, übernimmt der ursprüngliche Serienlieferant die erneute Produktion, alternativ stehen jedoch mehr als 150 Zulieferer bereit.

Die Traumwagen sollen schließlich funktionstüchtig erhalten werden. „Denn vom Rumstehen wird kein Auto besser – die Wagen müssen bewegt werden“, gibt Reichert zu bedenken. Dazu passt ja, dass bald wieder Mille Miglia ist. (fpi)