Unterwegs im VW Golf 1.5 TSI

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Der neue 1,5-Liter hinterließ den erwarteten Eindruck: Der Golf ist damit temperamentvoll motorisiert. Stets ist mehr als nur ausreichend Kraft da. An diesem Eindruck ändert auch die Tatsache nichts, dass der neue Motor bei den Werksangaben minimal hinter dem bisherigen zurückbleibt. Im Standardsprint ist er mit 8,3 Sekunden 0,1 hinter dem bisherigen 1.4 TSI zurück, im 5. Gang von 80 auf 120 km/h vergehen nun 9 statt 8,5 Sekunden. Angenehm ist, dass der Motor stets leise bleibt. Dass sich im Teillastbereich immer wieder mal Zylinder abschalten, merkt man allenfalls an der „ECO“-Anzeige im Kombiinstrument.

Im NEFZ nennt VW 5 Liter, was gegenüber dem Vorgänger im Zyklus einen kleinen Rückschritt bedeutet. Dort wurde ein Laborwert von 4,7 Liter genannt, die Nutzer auf Spritmonitor kommen auf 7 Liter. Das ist auch für den neuen Motor in etwa zu erwarten. Der alte 1.4 TSI gab es im Konzern auch ohne Zylinderabschaltung, der neue 1,5-Liter-TSI mit 150 PS wird nur mit Zylinderabschaltung angeboten. Der von uns für den Vergleich herangezogene 1.4 TSI war der mit Zylinderabschaltung.

Leicht hätte sich VW hervortun und den neuen Motor von Anfang an mit einem Partikelfilter ausstatteten können, was angesichts der laufenden Diskussion rund um den Abgas-Skandal sicher kein Fehler gewesen wäre. Diese Chance hat der Konzern verpasst. Stattdessen wartet VW bei diesem Motor unseres Wissens bis zum letzten Moment. Die Abgasnorm Euro 6c schränkt für direkteinspritzende Benziner die Partikelanzahl auf ein Zehntel des bisherigen Grenzwertes ein. Das wird vielfach nur mit einem Partikelfilter einzuhalten sein. Die Abgasnorm Euro 6c gilt für neu homologierte Fahrzeuge ab dem 1. September 2017, für alle erstmals zugelassenen Autos ein Jahr danach. Um es drastisch zu formulieren: Wer jetzt einen Neuwagen mit Benziner kauft, fährt schon in anderthalb Jahren ein Auto mit nicht mehr aktueller Abgasnorm. Dies betrifft natürlich nicht nur VW, sondern fast alle Hersteller. Warum die Hersteller so agieren, ist recht einfach zu erklären: Das Thema ist in der Öffentlichkeit derzeit noch keines.

Das Basismodell kostet 17.850 Euro. Dafür liefert VW einen zweitürigen, grauen Golf mit manueller Klimaanlage und einem einfachen Radio. Zwei weitere Türen kosten immerhin 900 Euro mehr, was die meisten Käufer inzwischen auch zahlen. Dinge wie das erwähnte Display, diverse Assistenten oder auch ein Schiebedach gibt es für das Basismodell Trendline auch gegen Aufpreis nicht. Wer den von uns gefahrenen 150-PS-Benziner haben will, muss mindestens die mittlere Ausstattung „Comfortline“ nehmen. Der genaue Preis ist, Stand heute, noch nicht bekannt – sowohl in der Preisliste wie auch im Konfigurator ist noch der 1.4 TSI genannt. Wir gehen aber davon aus, dass es bei rund 24.500 Euro bleiben wird. Denn wer in dieser Hinsicht zu eindeutig für die eigenen Aktionäre trommelt, verschreckt womöglich den, der am Ende indirekt alle Rechnungen übernimmt.

(mfz)