Bessere Fotos mit dem iPhone – 50 Tipps zu Bearbeitung, Aufnahme und Motivwahl
Seite 2: Der richtige Foto-Moment, maximale Schärfentiefe, Gegenlicht, Produktfotos und Feuerwerk
11. Den richtigen Moment einfangen
Im genau richtigen Moment auszulösen, gelingt selten. Besser, Sie schalten den Serienbildmodus ein, halten einfach drauf und suchen anschließend aus der Serie das beste Bild heraus. Das iPhone 5 schafft nur 2,5 Bilder pro Sekunde, seit dem 5s nehmen alle iPhones 10 Bilder/s auf.
Einstellen muss man dafür nichts, es genügt, den Auslöser gedrückt zu halten. Sobald die iOS-Kamera in den Serienbildmodus wechselt, blendet sie einen Zähler für die aufgenommenen Bilder ein. Im Serienbildmodus führt die App den Fokus nicht nach, passt dafür aber die Belichtung fortlaufend an. Letzteres gelingt allerdings nur, wenn man zuvor nicht die AE/AF-Sperre aktiviert hat (siehe „Manuell fokussieren“).
Wichtig: Wenn Sie schnelle Bewegungen einfangen wollen, sollte ausreichend Licht vorhanden sein. Selbst bei 10 Bildern/s sind noch Belichtungszeiten von 1/10 Sekunde möglich. Da kann noch viel verwischen, vom Wind bewegtes Blattwerk etwa.
12. Allerweltsmotive meiden
Machen Sie Erinnerungsfotos von sich und Ihren Reisebegleitern aber verschwenden Sie keinen Speicherplatz auf Brücken, Festungsmauern und andere klassische Touristenmagnete. Lenken Sie ihr Augenmerk stattdessen auf Details. Sie gewinnen so Zeit, die Sie den Sehenswürdigkeiten in Ruhe widmen können und entdecken dabei vielleicht etwas, das nicht jeder Tourist sieht.
(Bild:Â Jeremias Radke)
Fangen sie fotografisch ein, was die besuchten Orte besonders macht, ohne das große Ganze zu zeigen. Gehen Sie auf Foto-Pirsch, wenn die übrigen Touristen das Hotel (noch) nicht verlassen haben. Machen Sie Fotos vor Sonnenaufgang, im Regen oder während Live-Übertragungen wichtiger Fußballspiele – aber außerhalb des Stadions. Fertigen Sie mit NightCap Kamera mehrminütige Langzeitbelichtungen belebter Plätze an – dann verwischen Touristen zu blassen Schemen.
13. Maximale Schärfentiefe im Porträtmodus
iPhone X, iPhone 8 Plus und iPhone 7 Plus besitzen gleich zwei Objektive, die Apple nutzt, um Schärfentiefe zu simulieren. Der Abstand zum Motiv darf zwischen 0,3 und 2,4 Meter betragen. Je weiter Sie entfernt sind, desto sanfter verläuft die Unschärfe.
Wenn Sie ein Objekt oder eine Person maximal vom Hintergrund hervorheben wollen, müssen Sie deshalb nah heran. Noch bessere Ergebnisse erzielen Sie mit weiter vom Motiv entfernten Hintergrund. Stellen Sie das Modell also nicht direkt an die Hecke, sondern ein bis zwei Meter davor. Wie man Porträts mit simulierter Schärfentiefe auch auf anderen iPhones erzeugt, verrät Tipp 20.
14. Schönere Fotos im Gegenlicht
Ob bei strahlendem Sonnenschein mit hellem Hintergrund, am späten Nachmittag im warmen Gegenlicht oder in Räumen vor dem Fenster: Personen erscheinen unter solchen Bedingungen meist als dunkle Silhouette – oder der Hintergrund versinkt im Schatten. Selbst mit Belichtungskorrektur und HDR-Funktion lässt sich wenig reißen. Die Lösung: Schalten Sie den Blitz ein. Der ist nämlich nicht nur nützlich, um einen Mangel an natürlichem Licht zu kompensieren, sondern auch, um starke Kontraste wie in den erwähnten Szenarien auszugleichen.
(Bild:Â Mirjam Radke)
Genügt die Lichtleistung des LED-Blitzes nicht, helfen zusätzlich LED-Taschenlampen oder -Leuchten oder ein Reflektor weiter. Dafür kann man etwa eine weiße Styropor-Platte oder eine Rettungsdecke zweckentfremden. Beides bekommt man im Baumarkt für ein paar Euro. Den Reflektor richtet man idealerweise so aus, dass er das Gegenlicht auf das Hauptmotiv wirft.
15. Kamera-App mit Siri auf Zuruf starten
Lassen Sie doch einfach Siri die Kamera-App starten. Wenn die Sprachassistentin in den Einstellungen unter „Siri“ für den „Zugriff im Sperrzustand“ aktiviert ist, genügt dafür der Befehl „Hey Siri, starte die Kamera“. Befiehlt man ihr „Hey Siri, mach ein Selfie!“ startet sie die Kamera-App mit aktivierter Front-Kamera. Auch die Modi für Panoramen und Quadratfotos lassen sich so direkt aufrufen. Bei Geräten vor dem iPhone 6s und iPhone SE sowie den Pro-iPads müssen Sie beim Sprechen den Home-Knopf lange gedrückt halten.
16. Sternschnuppen und Feuerwerke fotografieren
(Bild:Â Jeremias Radke)
Sternschnuppen sieht man oft nur durch Zufall, doch selbst angekündigte Sternschnuppenschwärme stellen eine fotografische Herausforderung dar. Auch Feuerwerke ansprechend in Szene zu setzen, ist mit der Kamera-App von iOS gar nicht so leicht.
Die App NightCap Kamera macht es auch mit dem iPhone möglich – und das dank niedriger ISO-Werte sogar erstaunlich rauschfrei. Dabei erlaubt sie, je nach Modus, Verschlusszeiten von bis zu einer Sekunde oder sogar bis 15 Minuten.
Damit das klappt, benötigt man außerdem ein Stativ. Kurze Anleitungen zum Aufnehmen von Langzeitbelichtungen, Sternenpfaden, des ISS-Verlaufs oder von Sternschnuppen bringt die App schon mit. Ausführlichere Tutorials stellt der Entwickler auf seiner Website zur Verfügung.
17. Verrenkungsfreie Selfies
Besonders Selfies aber auch manche normale Aufnahmen zwingen den Fotografen mitunter zu akrobatischen Fingerverrenkungen beim Versuch, das iPhone sicher zu halten und gleichzeitig den Auslöser auf dem Display zu treffen. Deutlich sicherer hält man das iPhone, wenn man dafür eine der Lautstärke-Tasten verwendet.
Besonders iPhone 5, 5s und SE bieten dank der harten Kanten der Geräte guten Halt. Nutzer neuerer iPhones müssen allerdings aufpassen, beim Auslösen nicht versehentlich die gegenüberliegende Power-Taste zu drücken.
18. Animierte GIFs aus Live-Fotos
Live-Fotos lassen sich außerhalb aktueller Apple-Systeme kaum betrachten. Flexibler zum Teilen mit Freunden oder der Öffentlichkeit sind GIFs. Die lassen sich etwa mit der kostenlosen App Motions Stills erstellen. Praktisch: Die App speichert LiveFotos nicht einfach nur als GIF mit Auflösungen bis 640 x 480 Pixeln, sondern stabilisiert diese auf Wunsch auch. Alternativ generieren Sie mit Motion Stills aus einer Serie von Live-Fotos kurze Video-Clips.
19. Produktfotos mit Spiegelungen
Produkte, fotografiert vor schwarzem Hintergrund, die sich im Boden spiegeln, wirken sehr edel. Das selbst zu erzielen erfordert weder ein teures Fotostudio noch Photoshop. Sie benötigen lediglich eine schwarze Acryl- oder Glasplatte – letztere zerkratzt nicht so leicht.
(Bild:Â Jeremias Radke)
Um den Hintergrund schwarz zu bekommen, dunkeln sie einfach den Raum ab. Die dadurch längeren Belichtungszeiten bekommen Sie mit einem Tischstativ in den Griff. Spiegelungen von Fenstern oder Einrichtungsgegenständen können Sie mit grauem Karton unterbinden.
Weil die Kamera-App von iOS bei wenig Licht die ISO-Werte schnell erhöht und damit das Bildrauschen verstärkt, greifen Sie besser zu Apps, die manuelle Einstellungen erlauben.
Flannl (kostenlos) oder ProCamera bieten sich dafĂĽr an. Als Lichtquelle kann eine Schreibtischlampe oder eine LED-Leuchte dienen, die das Produkt seitlich bestrahlt.
20. Porträtmodus mit älteren iPhones
Alle Anwender, die kein iPhone X, iPhone 8 Plus oder iPhone 7 Plus besitzen, müssen zwar auf den Schärfentiefe-Effekt bei der Aufnahme verzichten, können diesen aber nachträglich umsetzen. Beispielsweise mit der kostenlosen App Patch. Sie nutzt künstliche neuronale Netze, um das freizustellende Objekt zu erkennen und zeichnet dann den Hintergrund weich. Die Unschärfe lässt sich in fünf Stufen regeln, Fehler kann man grob korrigieren.
Wie der Porträt-Modus arbeitet auch Patch nicht perfekt. Etwas präzisere Ergebnisse erzielt man unter iOS mit der App Pixelmator. Deren Freistellwerkzeug „Schnellauswahl“ erkennt Objekte zuverlässiger. Die damit getroffene Auswahl lässt sich nachträglich bequem mit fünf weiteren Freistellwerkzeugen erweitern, verkleinern, verfeinern und umkehren. Der Weichzeichnen-Effekt ist stufenlos in seiner Intensität steuerbar. Noch realistischere Unschärfe-Verläufe sind am Mac möglich, etwa mit dem Filter „Feldunschärfe“ des Bildbearbeitungsprogramms Affinity Photo.