Bessere Fotos mit dem iPhone – 50 Tipps zu Bearbeitung, Aufnahme und Motivwahl

Seite 4: Eigene Filter, Retro-Look, EXIF-Daten, Dunst und zu hoher Kontrast

Inhaltsverzeichnis

Will man mit seinen Bildern auf Instagram, Facebook & Co. herausstechen, helfen selbst kreierte Filter, die die Fotos zu etwas Besonderem machen. Erstellen lassen sich eigene Effekte beispielsweise mit der App Darkroom by Bergen (kostenlos mit In-App-Käufen). Die bietet in der Gratis-Variante Bearbeitungswerkzeuge für Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Farbtemperatur sowie einige vorgefertigte Filter als Basis für Eigenkreationen.

Das per In-App-Kauf erhältliche Pro Kit bringt eine Gradationskurve sowie Farbwerkzeuge mit. Schön: Ein Protokoll erlaubt jederzeit das Zurücknehmen einzelner Manipulationen. Die fertigen Anpassungen kann man schließlich als Filter speichern, die man beliebig benennen darf.

Retro liegt im Trend. Apps, die iPhone-Schnappschüsse alt aussehen lassen oder Abbildungsfehler von Billigkameras aus den 70er Jahren simulieren, ebenso. Hipstamatic geht sogar noch weiter. Es ahmt nicht nur Fotos analoger Kameras nach, sondern optional auch deren Gehäuse.

Die Effekt-Filter sind als virtuelle Objektive, Filme und Blitze umgesetzt, die man einzeln oder in Paketen per In-App-Kauf erwerben kann. Sie lassen sich beliebig kombinieren und eröffnen so eine Vielzahl hübscher Vintage-Effekte.

Witzig: Schüttelt man das iPhone, wählt die App Film und Objektiv per Zufall aus. Ganz im Stil alter Fachkameras gehalten ist die App TinType desselben Herstellers. Sie versieht Selbst-Porträts ebenfalls mit einem Vintage-Flair, hebt aber obendrein die Augen stark hervor, was eine besonders ausdrucksstarke Wirkung erzielt.

Anders als bei HDRs, Porträts mit Tiefeneffekt oder Live-Fotos kennzeichnet die Fotos-App von iOS RAW-Aufnahmen nicht. Sie zu finden ist ohne Hilfsmittel daher kaum möglich. Immerhin legen viele Foto-Anwendungen automatisch ein Album an, in dem ihre Bilder landen. Sollten Sie eine App nutzen, die das nicht tut, können Sie die App Lightroom (kostenlos, Registrierung erforderlich) zu Rate ziehen. Die App greift auf die Foto-Mediathek von iOS zu und verpasst den Vorschaubildern den Vermerk „DNG“. Das Akronym steht für Digital Negativ und ist auch das Datei-Suffix der RAW-Datei.

Besser fotografieren lernt man am besten durch die Analyse von Fotos. Dazu beurteilt man die Bildgestaltung und wertet aus, was man selbst oder die Kamera-Automatik eingestellt hat. Diese Parameter schreibt das iPhone in die zur Bilddatei gehörenden Exif-Daten.

Sie enthalten außer dem Aufnahmezeitpunkt Belichtungseinstellungen wie Lichtempfindlichkeit (ISO), Verschlusszeit (Exposure Time), Blendenöffnung
(F Number) zum Beispiel auch die Brennweite (Focal Length) oder ob der Blitz (Flash) ausgelöst wurde. Standardmäßig gibt die Fotos-App von iOS keine Auskunft über diese Daten, man kann sie aber mit der Fotos-Erweiterung ViewExif über das Bereitstellenmenü abrufen.

Das ideale Bildformat gibt es nicht, denn jedes Format hat seine eigene Wirkung. Geschickt gewählt unterstreicht es die vom Motiv bestimmte Bildaussage oder verdreht diese sogar ins Gegenteil. Lösen Sie sich vom Format, dass der Sensor der iPhone-Kamera vorgibt. Wählen Sie das Bildformat abhängig von Motivform oder Umgebung des Objekts.

Mit dem Hochformat drücken Sie Dynamik und Aktivität aus. Es vermittelt ein Gefühl von oben oder unten, insbesondere dann, wenn Sie den Horizont sehr nah am oberen oder unteren Bildrand anordnen.

Das Querformat strahlt Ruhe aus und lädt zum Spiel mit Leerraum ein. Halten Sie das Bild rechts vom Motiv frei, etwa durch gezielt genutzte Unschärfe, um die in unserem Kulturkreis gewohnte Orientierung von links nach rechts zu unterstreichen. Das verstärkt die Dynamik beweglicher Objekte. Statische Motive positionieren Sie hingegen im rechten unteren Bereich, die Leere links zementiert so deren Unbeweglichkeit.

Das quadratische Format tritt hingegen deutlich stärker hinter dem Motiv zurück, damit betonen Sie geometrische Kompositionen mit streng zentrischer Anordnung. Glücklicherweise muss man sich nicht schon beim Fotografieren auf ein Format festlegen. Wer bei der Gestaltung ringsum genügend Platz lässt, ist hinterher frei in der Wahl des Formats.

Die Fotos-App bietet im Bearbeitungsmodus nur sehr rudimentäre Funktionen, um Bildfehler zu korrigieren oder Fotos zu verfremden. Stattdessen sollen Entwickler von Bearbeitungs-Apps deren Werkzeuge direkt in der Fotos-App als Erweiterung bereitstellen. Dort sind sie automatisch verfügbar, sobald man eine App installiert, die dies unterstützt. So stellt Pixelmator etwa Tools unter anderem zum Weichzeichnen, Schärfen, Verzerren, Altern oder Randabdunkeln bereit.

Man ruft sie aus Fotos heraus auf, indem man im Bearbeitenmodus auf den Kreis mit den drei Punkten darin tippt. Falls eine Erweiterung dort fehlt, kann man diese über „Mehr“ (ganz nach links wischen) freischalten.

Wer etwa von Aussichtspunkten Landschaftspanoramen aufnehmen möchte, die noch weit entfernte Details erkennen lassen, braucht optimales Wetter mit wenig Schwebeteilchen in der Luft. Anstatt sich auf den Weg zu machen und auf das Beste zu hoffen, ist es sinnvoller, daheim am iPhone zu prüfen, wie es um die Sichtverhältnisse am Aussichtspunkt steht. Dazu wählt man den Ort des Aussichtspunktes in der Wetter-App von iOS und scrollt nach unten, wo die Sichtweite angegeben wird. Liegt diese bei über 50 km, herrschen beste Verhältnisse für Landschaftspanoramen. Aber auch bei Sichtweiten ab 20 km kann sich der Ausflug noch lohnen, denn leichten Dunst bekommen Sie per Software in den Griff (siehe anschließenden Tipp 38).

Nicht immer hat man die Möglichkeit, auf das optimale Foto-Wetter zu warten, im Urlaub etwa. Glücklicherweise lässt sich in der Nachbearbeitung so einiges korrigieren, in Grenzen sogar trübe Aussichten durch hohe Luftfeuchtigkeit.

Mit dem Effektfilter „Dehaze“ der App Lightroom (kostenlos, Registrierung notwendig) ist das Entfernen von leichtem Nebel oder Dunst ein Kinderspiel.

Schiebt man den Effekt-Regler nach rechts, verstärkt er blauen Himmel, hebt die Konturen von Wolken hervor und lässt das Bild insgesamt klarer erscheinen. Zieht man ihn hingegen in die anderer Richtung, verblasst das Bild. Besonders effektiv lässt sich der Entnebelungsfilter auf RAW-Bilder anwenden, die man entweder direkt mit der Kamera-Funktion von Lightroom aufnimmt oder mit darauf spezialisierten Foto-Apps.

iOS speichert den Aufnahmeort in jedem Foto, sofern man das in den iOS-Einstellungen unter „Datenschutz/Ortungsdienste“ für die jeweiligen Kamera-Apps nicht anders angegeben hat. Die Daten nutzt Apple, um in der Fotos-App Bildtitel wie etwa „Hannover – Zoo“ zu vergeben. Man kann aber auch den genauen Standort abrufen, indem man das Foto in der Einzelansicht mit dem Finger nach oben schiebt. Dann erscheint ein kleiner Kartenausschnitt, der den Aufnahmestandort zeigt. Weitere Bilder, die an diesem Ort oder in dessen unmittelbarer Umgebung entstanden, finden Sie über die Schaltfläche „Fotos in der Nähe einblenden“ rechts über der Karte.

Geraten Bildteile auch trotz Aufhellblitzen und Belichtungskorrektur zu hell oder zu dunkel, muss man sich
mit einer HDR-Aufnahme helfen. Die in der Foto-App von iOS integrierte gleichnamige Funktion geht recht moderat zu Werke. Bessere Ergebnisse erzielt man mit Belichtungsreihen, die man anschließend manuell miteinander verrechnet. Serien mit bis zu sieben unterschiedlich belichteten Einzelbildern erstellen Sie beispielsweise mit der App Foto Belichtungsreihen. Diese können Sie dann anschließend am Mac mit Programmen wie Photomatix Pro oder Lightroom zusammenfügen und dabei sogar Geistereffekte beseitigen.