Bessere Fotos mit dem iPhone – 50 Tipps zu Bearbeitung, Aufnahme und Motivwahl
Seite 3: Reine Haut, RAW, Lightpainting, Speicherplatz, Filter und stĂĽrzende Linien
21. Porträts zu Hause ausleuchten
Wer Produkt- oder Porträtfotos zu Hause macht, ist flexibler bei der Ausleuchtung der Motive als im Freien. Der Knackpunkt: Die übliche Zimmerbeleuchtung ist dramatisch leistungsschwächer als selbst durch dicke Wolkenschichten gedämpftes Sonnenlicht. Die Lösung: Baustrahler aus dem Baumarkt. Die kosten wenig und leuchten kräftig, sind vergleichsweise kompakt und werden oft zusammen mit Stativen verkauft.
Allerdings strahlen sie meist in unterschiedlichen Lichtfarben, die zusammen mit der Zimmerbeleuchtung oder dem durch Fenster eindringenden Tageslicht unschönes Mischlicht zur Folge haben. Das lässt sich auch mit Photoshop nur äußerst schwer korrigieren. Vereinheitlichen können Sie die Lichtfarben der verschiedenen Leuchtmittel aber relativ einfach mit Farbfolien. Blaue Folie gleicht warmweißes Licht auf Tageslichttemperatur an, gelbe oder orangefarbene Folie ergibt wärmere Töne. Andere Farben taugen dazu, den Hintergrund farbig auszuleuchten. Das kann etwa eine weiße Wand sein. Alternativ greift man auf weißen oder schwarzen Molton-Stoff (alle Produktempfehlungen via Webcode), auf Bettlaken oder Rettungsdecken zurück.
22. Reine Haut ohne Retusche
Hautunreinheiten stören auf Fotos meist und verursachen in der Nachbearbeitung viel Arbeit, will man sie loswerden. Wählen Sie beim Fotografieren stattdessen eine leichte Überbelichtung (siehe Tipp 6 „Belichtungskorrektur nutzen“) wirkt Haut automatisch glatter. Im Idealfall stellt sich der oder die zu Fotografierende vor eine weiße Wand und ist hell gekleidet.
Nutzen Sie auch den LED-Blitz oder zusätzliche Beleuchtungsmittel. Am besten wirkt der „HighKey“ genannte Effekt in Schwarzweiß. Wählen Sie in der Kamera-App deshalb den Filter „S/W hell“ aus (rechts oben auf das Farbkreissymbol tippen).
(Bild:Â Jeremias Radke)
23. Mehr Bearbeitungspotenzial durch RAW
Die Kamera-App von iOS speichert Fotos nur als JPEGs oder seit iOS 11 auf neuen Geräten wahlweise auch im HEIF-Format. Seit iOS 10 lassen sich Bilder prinzipiell alternativ im verlustfreien Rohdatenformat RAW aufnehmen (im Dateinamen an der Endung .dng erkennbar). Nützlich ist es für nachträgliche Anpassungen ohne Qualitätsverluste (siehe Mac & i Heft 6/2016, Seite 90).
Das setzt allerdings ein iPhone 6s, 7, SE, 6s Plus oder 7 Plus voraus sowie eine App, die dieses Format unterstĂĽtzt. In Frage kommen dafĂĽr etwa die App Flannl (kostenlos) oder die App ProCamera oder Halide. Inzwischen unterstĂĽtzen auch viele andere Foto-Apps dieses Format, man findet sie mit dem Suchbegriffen RAW und DNG im App Store.
24. Mit Licht malen
(Bild:Â Jeremias Radke)
Bewegt man während einer Langzeitbelichtung eine Lichtquelle, etwa eine Taschenlampe, durch das Bild, erscheint diese als Lichtstreifen auf dem Foto – ein cooler Effekt. Die App ColorX (kostenlos) färbt das Display eines zweiten iPhones farbig ein, sodass man damit bunte Lichtspuren ziehen kann.
Mehr kreativen Spielraum für Lichtgestalten eröffnet myLightPaint Pro auf iPhone oder iPad, mit dem man Regenbogeneffekte und mehrfarbige Lichtbahnen zieht.
Zum Aufnehmen von Langzeitbelichtungen greift man auf NightCap Kamera zurĂĽck, das speziell fĂĽr das Malen mit Licht den Light-Trails-Modus mitbringt.
25. Schiefen Horizont vermeiden
Ein schiefer Horizont versaut jedes Bild. Abhilfe schafft ein Linienraster, welches das Bild in Höhe und Breite in neun gleich große Bereiche unterteilt. Sie aktivieren es in den iOS-Einstellungen unter „Fotos & Kamera“.
Außer beim Ausrichten des iPhones hilft das Raster auch bei der Bildgestaltung. Den Horizont am Meer richtet man so etwa an der unteren Linie aus, die Wolkenkratzer der Großstadt an einer der beiden senkrecht verlaufenden Hilfslinien. Noch besser gelingt das Ausrichten mit einer digitalen Wasserwaage, wie sie etwa die App ProCamera bietet. Geht doch mal was schief, lässt es sich im Bearbeitenmodus der Fotos-App von iOS (Schaltfläche mit den drei Reglern) gleich wieder gerade rücken.
26. Weit entferntes groĂź abbilden
Wer noch Opas Feldstecher auf dem Dachboden liegen hat, kann diesen als Behelfs-Teleobjektiv verwenden. Mit etwas Ăśbung genĂĽgt es dabei schon, einfach die iPhone-Kamera an eines der Okulare zu halten.
(Bild:Â Jeremias Radke)
Eine höhere Erfolgsquote beim Ablichten weit entfernter Motive versprechen Adapter, mit denen man das iPhone fest am Fernglas montiert. Manche Adapter eignen sich auch dazu, das iPhone an Teleskopen oder Spektiven zu montieren. Dann sind sogar Aufnahmen von Planeten und Sternennebeln möglich.
27. Unbegrenzter Speicherplatz fĂĽr Fotos
Apple verlangt für mehr als 5 GByte iCloud-Speicherplatz bis zu 10 Euro pro Monat. Wer mehr Kapazität nur zum Sichern seiner Bilder braucht, findet bei Google eine Gratis-Alternative. Google Fotos (kostenlos, Registrierung notwendig) bietet unbegrenzten Cloud-Speicherplatz für Bilder im JPEG-Format.
Die App lädt wahlweise alle Fotos sofort hoch oder nur solche, die der Anwender manuell dafür auswählt. In jedem Fall sollte man sich Googles Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung durchlesen, bevor man das Angebot nutzt. Zwar bleiben die Fotos vor den Blicken anderer verborgen, aber Google behält sich das Recht vor, sie für eigene Zwecke auszuwerten. Einerseits, um den Nutzer mit automatisch generierten Panoramen, GIFs und Alben zu verwöhnen, andererseits auch für Werbezwecke.
28. Misslungene Bilder mit Filtern retten
Von manchem verwackelten oder verrauschten Foto mag man sich nicht so recht trennen, denn es ist vielleicht die einzige Erinnerung an einen schönen Moment. Das ist auch nicht nötig, denn die Kunstfilter der App Prisma verwandeln sie in kleine Schätze im Stil großer Maler. Die App bietet insgesamt 41 kostenlose Filter, weitere lassen sich aus einem Shop nachladen – bislang ebenfalls gratis.
Wer nicht mag, dass seine Bilder auf Servern des Herstellers landen, sollte vor dem Start der App den Flugmodus aktivieren. Dann stehen allerdings deutlich weniger Filter zur Wahl.
29. Schöne Nachtporträts ohne Blitz
Ein Blitz sorgt zwar für eine ausgewogene Belichtung, wirkt oft aber wenig stimmungsvoll. Wer nächtens mit Freunden unterwegs ist, hat meist eine andere Erinnerung. Besser ist es daher, den Blitz zu deaktivieren und stattdessen nach anderen Lichtquellen Ausschau zu halten. Neon-Reklamen bieten sich an, Straßenlaternen ebenso.
Wichtig dabei: Der oder die zu Porträtierende muss möglichst nah an die Lichtquelle heran, denn das von ihr abgegebene Licht ist meist dunkler als es den Anschein hat. Verwackler vermeiden Sie wie in Tipp 5 beschrieben, gegen Bildrauschen hilft ein niedriger ISO-Wert. Den kann man mit Apps wie Flannl manuell einstellen.
Besitzer eines Dual-Kamera-iPhones sollten auf den Tiefenschärfeeffekt gegebenenfalls verzichten, denn der nutzt das zweite Objektiv, das nicht nur eine längere Brennweite hat, sondern obendrein auch eine kleinere Blendenöffnung. Beides fördert Verwackler.
30. StĂĽrzende Linien gerade richten
Kippt man das iPhone, laufen parallele Linien plötzlich einem gemeinsamen Punkt entgegen, etwa wenn man versucht, ein großes Gebäude aus geringer Entfernung noch irgendwie in Gänze abzubilden.
Oft wirkt das hinterher so, als würde die Fassade nach hinten kippen. Wer bei der Aufnahme rundherum etwas Platz gelassen hat, kann das Gebäude nachträglich wieder aufrichten. Dazu eignet sich die App SKRWT. Sie bringt eine Fotos-Erweiterung mit, was den Bearbeitungsworkflow erleichtert.
Schon während der Aufnahme vermeiden Sie stürzende Linien, indem Sie den Aufnahmeabstand vergrößern und das iPhone möglichst senkrecht ausrichten. Dabei helfen Foto-Apps mit optional zuschaltbarem Neigungssensor, etwa ProCamera. Die digitale Wasserwaage heißt dort „Tiltmeter“ und funktioniert in jeder Lage.