Bessere Fotos mit dem iPhone – 50 Tipps zu Bearbeitung, Aufnahme und Motivwahl
Seite 5: Blaue Stunde, Bildrauschen, Ăśber- sowie Unterbelichtungen, Motive verschmelen und Schmetterlinge
41. Herausfinden, wann das Licht am schönsten ist
Falsches Fotowetter gibt es eigentlich nicht, je nach Motiv aber durchaus das falsche Licht. Entgegen der Gewohnheit der meisten Gelegenheitsfotografen sollte man beispielsweise das ungefilterte Sonnenlicht zur Mittagszeit meiden, denn es überfordert durch hohe Kontraste leicht jeden Kamerasensor. Das diffuse Licht unter einer Wolkendecke ist hingegen bestens geeignet für Blütenfotos oder softe Porträts.
Als am schönsten gilt hingegen das Licht kurz vor (goldene Stunde) und nach (blaue Stunde) Sonnenuntergang beziehungsweise in umgekehrter Reihenfolge am Morgen. Wann genau diese Zeiten sind und wie lange sie andauern, variiert. Grob kann man sich je eine halbe Stunde vor und nach dem Sonnenuntergang merken. Wann der eintritt, verrät etwa die Ziffernblatt-Komplikation „Sonnenverlauf“ der Apple Watch sowie die Wetter-App von iOS (ganz nach unten scrollen).
(Bild:Â Jeremias Radke)
Wer auch noch wissen will, wo die Sonne dann steht, um den perfekten Aufnahmestandort zu bestimmen, muss auf die App Sun Surveyor zurĂĽckgreifen. Sie zeigt den Sonnenstand und die Richtung des Schattenwurfs an beliebigen Standorten wahlweise auf einer Karte, in einer Kompass-Ansicht, in einem Live-Bild oder in einer Street-View-Ansicht. DarĂĽber hinaus listet sie tabellarisch unter anderem die Zeiten von goldener und blauer Stunde am Morgen und Abend fĂĽr den Standort.
42. Bildrauschen vermeiden
Je weniger Licht zur Verfügung steht, desto eher verdirbt Farbrauschen die Fotos. Der Grund: Höhere ISO-Werte verbessern zwar die Empfindlichkeit des Sensors, verstärken aber auch dessen Grundrauschen. Wer ein Stativ zur Hand hat, kann auf Apps wie Flannl oder ProCamera zurückgreifen, die manuelle Einstelloptionen bieten.
Dort setzt man den ISO-Wert auf 25 fest und lässt die Belichtungszeit automatisch wählen. Doch auch lange Verschlusszeiten erhöhen Bildrauschen, weil sich der Sensor erhitzt. Einen recht guten Entrauschungsalgorithmus bringt die für Langzeitbelichtungen ausgelegte App NightCap Kamera mit. Sie setzt ebenfalls ein Stativ voraus. Rauschfreie Aufnahmen aus der Hand sind hingegen mit der App Hydra möglich. Die nimmt in schneller Folge viele Einzelbilder auf und nutzt den dabei auftretenden Versatz, um das Bildrauschen herauszurechnen. Das funktioniert zwar nur mit statischen Motiven, dafür aber ziemlich gut.
43. Ruhe ins Bild bringen
Auf den meisten Bildern ist zu viel drauf! Der Blick des Betrachters findet keine Ruhe, das Motiv ist kaum erkennbar. Versuchen Sie das, was Sie ablichten wollen, von der Umgebung zu trennen. Variieren Sie die Perspektive und richten Sie das Motiv etwa gegen den blauen Himmel aus. Fotografieren Sie bei Nebel, um die Umgebung auszublenden. Gehen Sie näher an ihr Motiv heran, nutzen Sie dafür den Porträtmodus.
(Bild:Â Jeremias Radke)
44. Extrem hochaufgelöste Fotos machen
Apple hat die Auflösung der iPhone-Kameras auf maximal 12 MPixel beschränkt, mit der App Hydra sind jedoch Fotos mit bis zu 32 MPixeln Auflösung möglich. Die App berechnet diese aus bis zu 54 leicht unterschiedlichen Einzelaufnahmen. Vom Einsatz eines Stativs rät der Hersteller ab, denn der Algorithmus nutzt Verwackler, um zusätzliche Pixel zu berechnen. Ein Detailgewinn ist durchaus zu erkennen.
Prinzipbedingt lassen sich diese Aufnahmemethoden nur auf unbewegliche Motive anwenden.
Alternativ können Sie einfach mehrere, sich leicht überlappende Einzelbilder des Motivs anfertigen und diese dann am Mac von Lightroom, Photoshop oder Affinity Photo zusammensetzen lassen.
Anders als bei der Panoramafunktion müssen Sie die Einzelbilder nicht in einer Ebene aufnehmen, sondern können mehrere Reihen anfertigen. Die leistungsfähigen Stitching-Algorithmen dieser Programme korrigieren automatisch Helligkeitsunterschiede und entzerren die Aufnahmen. Fotos mit über 100 MPixeln sind so durchaus möglich. Derart hohe Auflösungen eignen sich etwa für großformatige Posterausdrucke (DIN A3 und größer) oder aufwendigere Nachbearbeitungen.
45. Ăśber- und Unterbelichtungen korrigieren
Manchmal sind Fehlbelichtungen nicht zu vermeiden, etwa weil man in der prallen Sonne auf dem iPhone-Display kaum etwas erkennt. Glücklicherweise lässt sich nachträglich manches noch korrigieren. Insbesondere wenn man Bilder im Rohdatenformat RAW aufnimmt, gibt es ordentlich Spielraum (siehe Tipp 23).
(Bild:Â Judith Radke)
Dazu braucht es noch nicht einmal Photoshop oder spezialisierte Apps, der Bildbearbeitungsmodus der Fotos-App von iOS hält zahlreiche Werkzeuge für Belichtungskorrekturen vor.
Interessant sind vor allem die Regler für „Glanzlichter“, „Schatten“ und „Schwarzpunkt“, bei RAW-Bildern auch „Belichtung“. Letzterer hellt das gesamte Foto auf oder dunkelt es ab, als würden Sie bei der Aufnahme entsprechend länger oder kürzer belichten. Das funktioniert aber nur in sehr geringem Umfang gut und führt dann meist dazu, dass gleichzeitig die hellen Bildbereiche ausfressen oder die dunklen Stellen zulaufen, also an Helligkeitsinformationen verlieren.
Mit „Glanzlichter“ und „Schatten“ können Sie dagegen gezielt die hellen oder dunklen Töne abdunkeln oder aufhellen, ohne, dass das die übrigen Tonwerte beeinflusst. Mit dem Regler „Schwarzpunkt“ reduzieren Sie den Tonwertbereich, sodass aus grauen Pixeln schwarze werden. Das kann nützlich sein, wenn das Bild durch die vorhergehenden Korrekturen zu flau wirkt.
46. Menschen klonen ohne Software
Außer für Rundumbilder lässt sich die Panoramafunktion auch kreativ nutzen. Etwa um Personen mehrfach auf einem Foto ohne Photoshop-Tricks abzubilden. Dazu muss sich das Fotomodell während der Panoramaaufnahme an neue Positionen begeben. Die abgebildete Person muss sich dabei entgegen der Aufnahmerichtung bewegen, sonst erscheint sie stark verzerrt im Bild. Derart vermeintliche „Unfälle“ sammelt der Twitter-Account @PanoramaFails, wobei der Name irreführend ist. Viele der gezeigten Bilder sind kleine Kunstwerke (siehe Webcode).
47. „Vordergrund macht Bild gesund“
Wer den Vordergrund vergisst, entfernt das Motiv auch vom Betrachter. Versuchen Sie deshalb nahe liegende oder stehende Elemente mit einzubeziehen. Das schafft Tiefe und fĂĽhrt den Blick ins Bild. Bei Landschaftsmotiven kann das ein Richtung Horizont fĂĽhrender Weg oder ein parallel zum Bildrand verlaufender Zaun sein.
(Bild:Â Jeremias Radke)
Auch Bäume, Blumen oder sogar Steine im Vordergrund verstärken die Tiefenwirkung. Insbesondere dann, wenn man sie gemäß dem goldenen Schnitt oder der Drittelregel anordnet (siehe Tipp 10). Fenster, Türen oder prägnante Äste rahmen das Bild und geben zusätzlichen Halt.
48. GroĂźes klein wirken lassen
Fotografiert man sehr Kleines aus geringer Entfernung, schrumpft sogar beim iPhone die Schärfentiefe auf wenige Zentimeter zusammen. Das ist nicht jedem bewusst, aber wenn Landschaften oder Stadtansichten größtenteils in Unschärfe verschwimmen, denkt jeder automatisch an miniaturisierte Modelllandschaften. Der Effekt lässt sich leicht nachstellen. Alles was sie dafür benötigen ist zunächst ein erhöhter Standort, von dem aus Sie die Landschaft oder Stadt fotografieren.
(Bild:Â Jeremias Radke)
Mit einer geeigneten App, etwa ProCam, richten Sie den Schärfebereich anschließend möglichst parallel zur unteren Bildseite so aus, dass das Wesentliche des Bildes weiterhin scharf bleibt. Verschieben Sie den Schärfebereich mit einem Finger, um ihn genau zu platzieren. Mit zwei Fingern lässt er sich drehen und strecken. Wichtig ist, dass die Unschärfe an den Rändern deutlich sichtbar wird.
49. Motive miteinander verschmelzen
Doppelbelichtungen wie aus der Analogfotografie bekannt, kann man im Digitalen nachträglich viel flexibler umsetzen. Zu diesem Zweck gibt es zahlreiche Apps, von denen uns Photo Blender (kostenlos, In-App-Käufe möglich) am besten gefallen hat.
Damit öffnet man zunächst zwei Fotos aus der Foto-Mediathek.
Anschließend wählt man einen von fünf Überblendungsmodi aus (weitere lassen sich als In-App-Kauf freischalten) und regelt die Stärke der Verschmelzung.
Per Pinselwerkzeug lassen sich ausgewählte Bereiche, etwa die Augen in einem Porträt, von der Überblendung ausnehmen. Auch vorgefertigte Masken, beispielsweise in Herz-Form, stehen zur Wahl. Wer mag, kann zum Schluss das Bild mit Filtern weiter bearbeiten, Text oder Emojis einfügen und es in der Foto-Mediathek sichern oder auf sozialen Plattformen verbreiten.
50. Schmetterlinge leichter fotografieren
Für gewöhnlich bleiben Tagfalter nicht einfach sitzen, bis der Fotograf den perfekten Bildausschnitt gewählt hat. Dennoch finden sich im Internet immer wieder perfekte Schmetterlingsfotos, die sogar mit Stativ aufgenommen wurden, also bei der Aufnahme viel Zeit erforderten.
(Bild:Â Horst-Dieter Radke)
Der Trick: Ambitionierte Naturfotografen beobachten, wo die Schmetterlinge am Abend einen Schlafplatz suchen. Dort kann man sie am nächsten Morgen kurz nach Sonnenaufgang in aller Ruhe ablichten, denn als wechselwarme Tiere müssen sie sich erst aufwärmen. Dass ein Falter seinen Schlafplatz bezogen hatte, erkennt man meist an der geschützten Lage, etwa unter einem Blatt. Voraussetzung zum Finden der Tiere sind natürlich auch grundlegende Kenntnisse der Lebensräume und Verhaltensweisen, die man in der Wikipedia nachlesen kann. Andere fotogene Insekten wie Libellen sind ebenfalls wahre Morgenmuffel und daher leichte Fotobeute. (jra)