iPhone-Wasserschaden: Was Sie tun können, wenn das iPhone nass geworden ist
Seite 3: iPhone-Wasserschaden: Reparatur und Kosten
In einem ehemaligen Kiosk in der Hannoveraner Viktoriastraße befindet sich der Reparaturdienstleister „Phone Hospital“. Aktueller Patient: Das iPhone 6 eines Kunden. Es stellt sich heraus: Die Hauptplatine kam mit Flüssigkeit in Berührung. Seitdem startet es nicht mehr. Werkstattinhaber Levent Yildirim nimmt sich dem Fall an, „ohne Erfolgsgarantie".
Das Display hat er bereits abgeschraubt, den Akku abgeklemmt. Yildirim schraubt hastig die Platine aus dem Gehäuse und trägt sie zu einem ovalen Metallbehälter, in dem sich eine trübe Flüssigkeit befindet. Es handelt sich um einen Ultraschallreiniger. Mit welcher Flüssigkeit dieser gefüllt ist, möchte er uns nicht verraten – „Geschäftsgeheimnis“. Ein stechender Geruch verbreitet sich, der entfernt an Modellbaukleber erinnert. Der Handy-Doktor startet das Gerät und fischt die Platine ein paar Minuten später mit einer Pinzette aus dem Chemiebad. Mit Druckluft pustet Yildirim die Platine vorsichtig ab und legt sie noch für ein paar Minuten zum Trocknen unter eine UV-Lampe.
(Bild:Â Holger Zelder)
Den Akku hat er in der Zwischenzeit so weit aufgeladen, dass das iPhone damit starten mĂĽsste.
Er verbindet die Hauptplatine mit dem Akku, einem intakten Display sowie einem Lightning-Kabel und drückt den Power-Knopf, doch nichts passiert. Mit einem Multimeter misst Yildirim noch einmal nach. „Der Kunde hatte das Gerät zwischendurch eingeschaltet, das sollte man nicht machen“, sagt Yildirim.
Der Handy-Doktor vermutet eine defekte Ladeelektronik auf der Hauptplatine. Hier kann er nicht mehr weiterhelfen. In solchen Fällen geht das Gerät defekt zurück an den Kunden, Phone Hospital berechnet 39 Euro für den Aufwand.
Behandlung von iPhone-Wasserschäden ab rund 40 Euro
Auch sein Cousin Taylan Yildirim betreibt ein paar Kilometer entfernt am hannoveraner Steintor die Werkstatt „Repairzone“. Dass die beiden verwandt sind, erfahren wir erst zufällig vor Ort.
(Bild:Â Holger Zelder)
Wasserschäden behandelt man dort ab 39 Euro. Wir schauen zu, wie der Repairzone-Inhaber ein nass gewordenes iPhone 6 bearbeitet.
Dabei überprüft er es zunächst vorsichtig, klemmt die Batterie ab und schaut, an welchen Stellen Flüssigkeit Spuren hinterlassen hat. Findet Yildirim Kalkrückstände, greift er zur Sprühdose: Mit Kontaktspray, einem Elektronikreiniger, sprüht der gelernte IT-Systemelektroniker die maroden Stellen ein und putzt sie mit einer Zahnbürste oberflächlich sauber.
Den Akku und die anderen Verbindungen misst er mit einem Multimeter und prüft, ob Strom fließt oder der Akku beschädigt ist. „Nicht immer liegt es an der Hauptplatine, auch andere Komponenten können ausfallen“, so Yildirim gegenüber Mac & i.
Wenn das Logicboard danach an einem funktionierenden Display nichts anzeigt, legt er es vier Minuten lang in ein Ultraschallbad mit destilliertem Wasser und schließlich zum Trocknen auf eine Heizplatte. Danach verbindet er die Platine noch einmal mit Bildschirm und Strom. Wenn er Erfolg hat, startet das Telefon wieder. Falls noch andere Teile betroffen sind, tauscht Yildirim weitere Komponenten gegen Aufpreis aus. „Die Erfolgsquote liegt bei bis zu 70 Prozent“, sagt er, garantieren könne er das allerdings nie. Bei einem tiefergehenden Defekt der Hauptplatine könne er allerdings nicht weiterhelfen, darauf sei er nicht spezialisiert.
Nötige Ersatzteile erhöhen Reparaturpreis
Bei „Repair Express“ am hannoveraner Marstall kümmert sich Inhaber Abdul
El-Chafei persönlich um Wasserschäden. Vor ihm liegt eine Hauptplatine aus einem iPhone SE. Es startet nicht mehr. Bei diesem Gerät sind die Flüssigkeitsindikatoren knallrot gefärbt. Mehr können Laien zwischen all den Chips und kleinen Abschirmungen aus Metall nicht erkennen.
(Bild:Â Holger Zelder)
Sorgsam inspiziert er die Platine, bis er Stellen findet, an denen die Flüssigkeit möglicherweise Schaden angerichtet hat.
Aufkleber, die Kontakte und Schaltkreise verdecken, zieht er behutsam mit einer Pinzette ab. An einigen Metallabschirmungen identifiziert er Flüssigkeitsrückstände. Unter diesen kleinen Schutzblechen verbirgt Apple noch weitere Chips und Schaltkreise, möglicherweise sind auch sie nass geworden.
Für El-Chafei fängt die Spurensuche erst an. Der Handydoktor spannt das Logicboard in eine kleine Halterung, die an einen Schraubstock erinnert. Mit einer Heißlötstation, die Arbeiten mit genau abgestimmten Temperaturprofilen ermöglicht, erhitzt er vorsichtig die Lötstellen, die Abschirmungen und Logicboard zusammenhalten. Dann hebelt er mit ruhiger Hand und einer Pinzette die Schutzbleche ab. Nach wenigen Minuten hat er freien Blick auf die zuvor verdeckten Baugruppen.
Den Übeltäter findet er schnell: Ein Kondensator, so klein wie eine Kugelschreiberspitze, ist korrodiert. Unter einem Mikroskop werden die verkrusteten Stellen deutlich sichtbar.
(Bild:Â Holger Zelder)
Der Handydoktor nimmt sich einen kleinen Pinsel, tränkt dessen feine Borsten in Reinigungsalkohol und säubert das korrodierte Bauteil behutsam.
Mit einem Multimeter prüft er, ob das Putzen ausgereicht hat. Der Kondensator leitet noch Storm – das darf er aber nicht. Nun erhitzt er das Bauteil mit der Heißluftstation, nimmt es heraus und reinigt die Platine an der Stelle.
El-Chafei ruft eine Datenbank auf, in der die Baupläne zahlreicher Smartphones verzeichnet sind. Ein Klick auf den für ein iPhone SE passenden Plan verrät die Teilenummer des Kondensators sowie dessen Schaltkreis. Er bestellt das Ersatzteil, lötet den neuen Kondensator ein und bringt die Platine wieder zum Laufen. Kostenpunkt: Etwa 100 Euro. „Einen Chip oder einen Schaltkreis zu tauschen wäre aufwendiger und teurer“, verrät El-Chafei.