Preisbrechende Retro-Enduro Mash X-Ride 650 Trail im Test

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Der Einzylinder zieht schon ab kurz über Standgas und hat keine Mühe hochzudrehen. Die Höchstleistung erreicht die Mash bei 6000/min, doch dann vibriert der Motor heftig und die gesamte mechanische Geräuschkulisse schreit: Hochschalten! Leider rupft die Kupplung des Fünfganggetriebes an unserer Testmaschine, was vermutlich ein Einzelfall ist.

Die Federwege der X-Ride 650 Trail fallen mit 165 mm vorne und 130 mm hinten für eine Enduro sehr kurz aus. Sowohl die Telegabel, als auch das Federbein stammen vom chinesischen Hersteller Fast Ace. Beide Federelemente lassen sich in der Druckstufe verstellen, das Federbein auch noch in der Vorspannung, aber dafür muss das halbe Motorrad auseinandergeschraubt werden. Die Federung ist weich abgestimmt, für Solofahrten reicht es normalerweise völlig aus, bei schlechtem Asphalt stößt sie bei sehr forciertem Landstraßentempo gelegentlich an ihre Grenzen, wenn in Schräglage beim Überfahren von Wellen das Heck leicht in Bewegung gerät. Beim heftigen Verzögern taucht die Telegabel weit ein – ganz wie in den 1980ern. Für den Zwei-Personen-Betrieb ist die Federung allerdings zu soft, Mash gestattet auch nur 150 kg Zuladung.

Ausflüge durch Mittelgebirge bereiten auf der X-Ride 650 Trail durchaus Vergnügen, dass sie gerade mal 40 PS hat, macht sich eigentlich nur bei steilen Anstiegen und niedrigen Drehzahlen bemerkbar, dann möchte sie gerne einen Gang zurückgeschaltet werden, um das flotte Tempo zu halten. Ihre Bremsen funktionieren leidlich gut, sicher keine Referenzklasse, aber in heikle Situationen bin ich auch bei scharfen Bremsmanövern nie gekommen – ABS sei Dank.

Mash X-Ride 650 Trail (7 Bilder)

Die Telegabel und das Federbein stammen vom chinesischen Hersteller Fast Ace. Der hochgesetzte VorderradkotflĂĽgel passt zum Stil.
(Bild: Ingo Gach)

Eher Anlass zur Kritik fordert der zunächst bequem anmutende Sattel, denn die Polsterung ist zu weich und sitzt sich nach einer Weile durch. Auch wenn die X-Ride 650 Trail ganz gewiss nicht für die Autobahn konzipiert wurde, muss sie sich im Test auch dort beweisen. Mash verspricht zwar 150 km/h Höchstgeschwindigkeit, allerdings will der digitale Tacho auch nach viel Anlauf nicht mehr als 145 km/h anzeigen, dabei drücke ich mich schon flach auf den Tank. Aber zur Ehrenrettung der X-Ride 650 Trail sei gesagt, dass sie bei Topspeed nicht im Ansatz pendelt, dabei trägt sie grobstollige Michelin-Anakee-Wild-Pneus.

Auf der Straße kann die Mash also gefallen, aber wie schlägt sie sich im Gelände? Vor dem Abbiegen auf unbefestigtes Terrain noch schnell das ABS per Knopfdruck am Lenker ausgeschaltet, dafür muss bei eingeschalteter Zündung der Motor stehen. Die X-Ride 650 Trail bringt 180 kg auf die Waage, die sich offroad nicht leugnen lassen. Natürlich kann sie nicht das wieselflinke Handling einer modernen, superleichten Sportenduro bieten, aber sie lässt sich um Welten einfacher bewegen als eine 250-kg-Reiseenduro.

Allerdings setzen ihr auch hier die weiche Abstimmung und vor allem die kurzen Federwege Grenzen. Schotterpisten nimmt die X-Ride 650 Trail passabel, auch Waldwege mit Furchen bringen sie nicht in Verlegenheit – hier hilft ihr der Michelin Anakee Wild sehr, der einen formidablen Grip aufbaut. In ernsthaften Offroadpassagen ist die X-Ride 650 Trail dann aber rasch überfordert, Spaß kommt dabei nicht auf. Ich belasse es daher beim entspannten Endurowandern.

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Wenn es doch mal schief geht, lässt sich die Mash zum Glück leicht wieder aufrichten und viel kann an ihr nicht zu Bruch gehen. Den Motorschutz trägt sie serienmäßig, sturzgefährdet sind eigentlich nur die beiden Handhebel, hier wären Handprotektoren wünschenswert. Der Heckrahmen ist zwar angeschweißt und nicht angeschraubt, aber bis der verbiegt, muss es der Fahrer im Gelände schon sehr übertreiben. Früher wurden die Einzylinder-Enduros auf Fernreisen quer durch Wüsten und Dschungel getrieben, ob die X-Ride 650 Trail das auch überstehen würde, können wir im Rahmen des Tests natürlich nicht überprüfen.

Aber immerhin lässt sich eine Gepäckrolle auf dem bereits montierten Träger befestigen, wenn jetzt noch die Nylon-Seitentaschen aus dem Zubehör von Mash (298 Euro inklusive Halterung) angehängt werden, ist es fast wieder so wie früher, als Reiselustige mit ihren Enduros zu neuen Abenteuern aufbrachen.

Im Preis-Leistungsverhältnis ist die X-Ride 650 Trail ein echtes Angebot: 5999 Euro und Mash gewährt sogar 36 Monate Garantie. Dafür bekommt der Käufer eine Einzylinder-Enduro im Retro-Stil, die sich auf Landstraßen und Schotterstrecken wacker schlägt, aber für ernsthaftes Gelände zu kurze Federwege und zu viel Gewicht hat. Sie erfreut mit gutem Handling und unkompliziertem Fahrverhalten. Man darf natürlich an die Mash X-Ride 650 Trail keine modernen Maßstäbe anlegen, sie will eine Old-School-Enduro sein. Das ist Mash wirklich gut gelungen.