Test: VW Polo TGI

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Viel schwerwiegender finden wir jedoch zwei strategische Entscheidungen, die VW dem Polo TGI als anfängliche Bürde aufgeschnallt hat. Zum einen erfüllt er derzeit nur die Abgasnorm Euro 6b. Wie so viele Autos mit Direkteinspritzung wird er aber einen Partikelfilter brauchen, um die ab September 2018 für alle erstmals zugelassenen Autos verbindliche Abgasnorm Euro 6c einzuhalten. Wer sich also schon jetzt für einen Polo TGI entscheidet, hat ab September dieses Jahres ein Auto, das in dieser Hinsicht nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht. Schlecht für Kunden, die sich im Detail nicht auskennen und kein feiner Zug von VW – gerade bei einem Auto, das als “umweltfreundlich” gepriesen wird.

Der zweite große Nachteil für die ersten Kunden ist, dass sie einen kleineren CNG-Tank mit auf den Weg bekommen. Ab 2019 soll es eine Variante mit drei Tanks geben, wobei VW das offiziell noch nicht bestätigt. Aktuell fassen die beiden Tanks zusammen laut 11,6 kg Erdgas. Sollten die “Flaschen” gleich groß bleiben, hätte die Version mit drei Tanks also ein Fassungsvermögen von ungefähr 17,4 kg. Ganz nebenbei: An vielen Tankstellen, die wir im Test angesteuert haben, wurde Biogas verwendet. Der Polo TGI fährt damit praktisch CO2-neutral.

Um den Unterschied in der Reichweite deutlich zu machen, braucht es Verbrauchswerte. Der Langzeitzähler des Bordcomputers war bei Übergabe des Fahrzeugs seit rund 3300 Kilometern nicht mehr zurückgestellt worden. Er zeigte 5,6 kg/100 km an. Wir lagen in unserem Test insgesamt deutlich darunter, was den günstigen Einsatzbedingungen geschuldet war: Der Polo wurde bei uns meistens über Landstraßen bewegt. Dort kamen wir mit etwas Bedacht auf rund 4 Kilogramm, ohne auf etwa 4,7 kg. VW selbst nennt im Zyklus 3,1 kg. So ergeben sich je nach Naturell des Fahrers und der Umgebungsvariablen in der Praxis Reichweiten zwischen etwa 210 und 280 Kilometern. Wer es darauf anlegt, kann den Vorrat natürlich auch innerhalb von 170 Kilometern durchrauschen lassen – das war im Test der Minimal-Reichweiten-Rekord, aufgestellt auf einer Etappe mit dem Fahrstil “Messer zwischen den Zähnen”.

Doch den meisten Polo-TGI-Käufern wird es mutmaßlich vor allem um niedrige Unterhaltskosten gehen. 100 km mit Gas kosteten im Test minimal etwas mehr als 4 Euro, mit Benzin 6,80 Euro. Der Gaspreis schwankte zwischen 1,03 und 1,18 Euro je Kilogramm, der Spritpreis zwischen 1,27 und 1,33 Euro je Liter.

Sollte die Tankgröße wie vermutet auf 17,6 kg steigen, wären zwischen ca. 310 und 420 Kilometer mit einer Tankfüllung Gas möglich. Das ist nicht ganz unerheblich, denn die Tankstellendichte schwankt deutschlandweit enorm. Im Internet gibt es nicht nur Übersichtskarten, wo Tankstellen zu finden sind, sondern auch Routenplaner. Ich habe zwei ausprobiert und bin sowohl mit dem Angebot von Gas24 wie auch dem von Erdgas.info gut zurechtgekommen. Auch die App “Erdgastankstellen Deutschland” von der “Zukunft Erdgas GmbH” hat mir sehr gut gefallen. Gegen Aufpreis gibt es im Polo ein Navigationssystem, in dem die umliegenden Tankstellen dann eingeblendet werden können. VW baut zudem einen 40-Liter-Benzintank ein – eine Reserve, die uns überreichlich erscheint.

Mit den größeren Tanks wäre eine monvalente Auslegung möglich, also der alleinige Betrieb mit Erdgas. Da Erdgas eine Oktanzahl von 130 hat, wäre so eine viel höhere Verdichtung möglich – was gut für die Effizienz wäre.