Staubilanz 2024 des ADAC: Deutschlandticket verhindert Schlimmeres
Mehr Stau auf den deutschen Autobahnen im Vergleich zum Vorjahr beobachtete der ADAC 2024. Er plädiert für das Deutschlandticket und eine Reparatur der Straßen.
(Bild: ADAC)
Nach den Zahlen des ADAC kam es 2024 zu etwas mehr Staus und stockenden Verkehr auf den deutschen Autobahnen im Vergleich zum Vorjahr. Demnach kam es zu etwa 516.000 Staus, während der Club 2023 noch 504.000 zählte. Umgerechnet in Stunden kommen die Verkehrsbeobachter auf 448.000 gegenüber 427.000, ein Anstieg um 21.000 Stunden oder fünf Prozent gegenüber 2023.
Aussagen dieser Art ermöglichen die Positions- und Geschwindigkeitssignale der in den Autos mitgeführten Smartphones. Als Stau definiert der ADAC, wenn der Verkehrsfluss über eine bestimmte Zeit 20 km/h unterschreitet und das ab einem Kilometer Länge. Die Zählung der Zeit beruht nicht auf den verwarteten Stunden pro Autofahrer, sie wertet vielmehr aus, wie lange ein Stau bis zu seiner Auflösung dauert.
Mehr, dafür kürzere Staus
Die Betrachtung der Staulänge ergibt eine Summe von 859.000 Kilometern, entsprechend einem Rückgang um 18.000. Es waren also mehr Staus, dafür aber kürzere. In der Bilanz des ADAC ergibt sich eine leichte Verschlechterung. Der Wert für die Dauer liegt – auch bei einer zwischenzeitlich leicht geänderten Methodik – aber immer noch unter den Werten des vorpandemischen Jahrs 2019.
Als Hauptgründe ließ der Verein verlauten, dass nicht nur um vier Prozent mehr gefahren werde, es gebe auch mehr Baustellen auf den Autobahnen. Die Aussichten auf eine baldige Besserung seien allein schon dadurch getrübt, dass demnächst mehr als 4000 Autobahnbrücken ersetzt werden müssen. Inzwischen komme es zudem – wenig überraschend – vermehrt zu unerwarteten Problemen durch die zu lange aufgeschobene Erneuerung der Fernstraßeninfrastruktur. Als eklatantes Beispiel nennt der ADAC die ungeplante Sperrung der Talbrücke Rahmede mit rund 5000 Staus mit fast 4000 Staustunden auf der A45 im vergangenen Jahr.
Großer Verdienst des Deutschlandtickets
Trotz der zusätzlichen Baustellen und des Anstiegs des Verkehrsaufkommens blieb es im Vergleich zu 2023 bei etwa gleich viel Stau in den arbeitszeitbedingten Stoßzeiten. Der ADAC sieht dabei einen großen Verdienst des Deutschlandtickets, das mit inzwischen von 13 Millionen Nutzern, vorwiegend Pendlern, den Straßenverkehr entlasten hilft. Er plädiert für eine Fortführung dieser erfolgreichen Maßnahme zur Verkehrsentlastung der Straße. Gleichzeitig appelliert der Verein an die Politik, endlich konkrete Maßnahmen einzuleiten, um die Fernstraßeninfrastruktur nachhaltig zu sanieren. Eine Gegenrechnung zu den volkswirtschaftlichen Kosten und Schäden, die Staus verursachen, macht der ADAC nicht auf.
(Bild: ADAC)
Am ärgsten von Staus betroffen ist Nordrhein-Westfalen. 31,5 Prozent oder etwa 270.000 Staukilometer wurden dort gezählt. Mit Abstand folgt Bayern, hier sind es 16,4 Prozent oder rund 141.000 Kilometer, Rang drei belegt Baden-Württemberg mit 104.000 Kilometern. Analog verteilen sich die Dauern der Staus auf diese drei Bundesländer. Um den Effekt der unterschiedlich großen Autobahnnetze herauszurechnen, gibt der ADAC auch Staustunden pro Kilometer an. Darin kommen die Stadtstaaten ganz nach vorn, mit 202 für Berlin, 180 für Hamburg und 102 für Bremen. Bei den Flächenländern führen (wieder) NRW mit 69, gefolgt von Baden-Württemberg mit 46.
Neuralgische Zeiten
Aufgeschlüsselt nach Zeiten zeigen sich Mittwoch und Donnerstag als die Wochentage mit dem meisten Stau, am geringsten belastet sind Montage und Wochenenden. Der Pendlerverkehr erzeugt den meisten Stau zu seinen Stoßzeiten zwischen 6 und 9 Uhr sowie 14 und 18 Uhr, an Freitagen mittags und in den frühen Nachmittagsstunden.
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Wie häufig in den Jahren zuvor war auch 2024 der Urlauberverkehr an Pfingsten eine neuralgische Zeit: So fiel der staureichste Tag mit rund 2500 Staustunden und einer Gesamtlänge von 5200 Kilometern auf den 17. Mai, den Freitag vor Pfingsten. Ebenfalls in einer notorischen Phase liegt der Tag vor Christi Himmelfahrt. Das war 2024 am 8. Mai. Er erreichte mit rund 2300 Stunden und knapp 5000 Kilometern den zweiten Rang in der Staubilanz. Als staugefährlich gelten zudem die Tage vor Fronleichnam, der Tag der Deutschen Einheit oder der Freitag vor Beginn der Sommerferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
(fpi)