Luftfahrt: Umwege wegen Ukraine-Krieg haben CO₂-Emissionen merklich erhöht
Der Ukraine-Krieg und die seitdem geflogenen Ausweichrouten um Russland haben die Kohlenstoffdioxid-Emissionen der Luftfahrt erhöht, haben Forscher ermittelt.
(Bild: Have a nice day Photo/Shutterstock.com)
Der Kohlenstoffdioxidausstoß aller Flugzeuge der Welt ist 2023 allein wegen des Ukraine-Kriegs und der Ausweichrouten um den russischen Luftraum um ein Prozent gestiegen. Das haben drei Forscher der Universität Sorbonne in Paris jetzt ermittelt. Errechnet haben sie, dass auf den betroffenen Flugrouten im Schnitt 13 Prozent mehr Kerosin verbraucht wurde, auf Strecken zwischen Europa und Asien sogar 14,8 Prozent mehr. Insgesamt müssen demnach jeden Tag rund 1100 Flüge umgeleitet werden, was merkliche Auswirkungen auf die CO₂-Emissionen der Luftfahrt hat. Allein 2023 seien deshalb 8,2 Millionen Tonnen an CO₂ zusätzlich in die Atmosphäre gelangt.
Riesige Umwege nötig
Nachdem russische Truppen Anfang 2022 in die bis dahin nicht von dem Konflikt betroffenen Gebiete der Ukraine einmarschiert sind, ist die Zahl der Flüge zwischen Europa und Ostasien deutlich gesunken, ruft Co-Autor Nicolas Bellouin in Erinnerung. Nachdem die Airlines ihre Routen aber angepasst hätten, sei die Zahl wieder gestiegen, nur habe man nun extreme Umwege über Zentralasien oder die Arktis in Kauf nehmen müssen. Um zu ermitteln, welche Auswirkungen das auf den Treibstoffverbrauch hatte, hat die Forschungsgruppe Daten aus Flugzeugtrackern ausgewertet und Computermodelle eingesetzt. Einbezogen habe man auch Windverhältnisse, da diese großen Einfluss auf den Treibstoffverbrauch haben können.
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Weltweit ist die Luftfahrt für etwa zwei Prozent der CO₂-Emissionen verantwortlich, gleichzeitig steigen sie besonders stark an. Schon geringe Veränderungen können also merkliche Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen der Branche insgesamt haben. Untersucht hat die Forschungsgruppe außerdem, welche Folgen die Kriege und Konflikte in Libyen, Syrien und dem Jemen auf die CO₂-Emissionen der Luftfahrt hatten. Weil davon aber jeden Tag deutlich weniger Flüge betroffen waren und Ausweichrouten kürzer sind, sorgten alle drei zusammen lediglich für einen Anstieg um 0,2 Prozent. Ihre Analyse haben sie im Fachmagazin Communications Earth & Environment veröffentlicht.
(mho)