Fiat will Chrysler bis Ende 2011 komplett übernehmen
- Sven-Olaf Suhl
Der italienische Fiat-Konzern stockt seine Beteiligung an Chrysler schon in den kommenden Monaten von 30 Prozent auf 46 Prozent auf. Bis zum Ende des Jahres will der Turiner Autobauer den US-Konzern vollständig übernehmen. Wie Fiat am heutigen Gründonnerstag in Turin mitteilte, werde der Konzern seinen Anteil auf 46 Prozent aufstocken, sobald der in Detroit ansässige US-Hersteller seine Regierungsschulden zurückzahle. Dies werde schon im Laufe des zweiten Quartals 2011 geschehen.
Chrysler ist bei den Regierungen der USA und Kanadas noch mit 7 Milliarden Dollar verschuldet. Die Regierungen hatten den angeschlagenen Autobauer 2009 gestützt und vor der Pleite bewahrt. Auch der GM-Konzern konnte nach staatlichen Interventionen und zwischenzeitlicher Insolvenz neu anfangen – allerdings wird befürchtet, dass die Rettungsaktion den Steuerzahler teuer zu stehen kommen könnte. Von den "Big Three" in Detroit hatte einzig Ford die Folgen der Autokrise 2008/2009 ohne Staatshilfen verkraften können.
Fiat-Chef Sergio Marchionne sprach von einem "fundamentalen Schritt" auf dem Weg, einen globalen Automobilkonzern zu schaffen: "Die heute angekündigte Operation wird uns zusammen mit einer planmäßigen Steigerung von fünf Prozent bis zum Ende des Jahres zur Realisierung des Traums eines weltweiten Autoherstellers führen – modern, effizient und wettbewerbsfähig", sagte Marchionne.
Fiat hatte seinen Anteil an Chrysler bereits in der vergangenen Woche wie geplant von 25 auf 30 Prozent aufgestockt. De facto kontrollieren die Italiener den Detroiter Autobauer bereits seit dem Neustart nach der Insolvenz vor anderthalb Jahren. Marchionne hatte wiederholt erklärt, die Beteiligung an dem US-Autobauer sukzessive bis zur Übernahme der Mehrheit aufstocken zu wollen. Es stand jedoch bislang noch nicht fest, wann genau.
Am Vortag hatte der Turiner Traditionskonzern nach einem positiven ersten Quartal seine Prognose für das laufende Jahr bekräftigt. Danach sollen die Erlöse 2011 um zwei bis drei Prozent auf rund 37 Milliarden Euro steigen. Beim Betriebsgewinn peilen die Italiener 0,9 bis 1,2 Milliarden Euro an. Bislang hat Fiat kein Geld, in Chrysler investiert, sondern Know-how nach Detroit transferiert – zum Beispiel für die Fertigung kleinerer Fahrzeuge und sparsamerer Motoren. (dpa) (ssu)