Firmenchef spricht über die Zukunft von Jaguar und Land Rover

Den Briten geht es aktuell gut: Der chinesische Markt tut ihnen ebenso gut wie alle Premiummarken, und der Land Rover Evoque verkauft sich hervorragend. Dennoch will man wegen unsicheren Finanzmärkten keine neuen Fabriken bauen

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Von
  • Gregor Hebermehl
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Los Angeles (Kalifornien/USA), 22. November 2011 – Wie läuft's denn so für Jaguar und Land Rover? Ralf Speth, Chef der britischen Edelmarken seit Februar 2010, erklärt im Interview auf der Los Angeles Auto Show, wie das Jahr 2011 gelaufen ist, wie Chinesen britische Autos kaufen und auf welchem Kurs die Marke in Zukunft segelt.

Das erste Quartal 2011 ist für Jaguar und Land Rover sehr gut verlaufen, das zweite solide, erklärt der vormalige Linde-Manager. Dabei helfen den Briten vor allem zwei Dinge: Zum einen hat die Nachfrage in China nach großen Autos generell kräftig angezogen, zum anderen läuft der wunderbare neue Evoque wie geschnitten Brot. Wurden in China 2010 insgesamt 350 Jaguar XJ abgesetzt, gehen 2011 jeden Monat 400 XJ zu ihren Kunden. Gut für Jaguar: Die Chinesen kaufen nur voll ausgestattete Wagen. Ehepaare fahren gerne das gleiche Modell, wobei sie oft mit einer etwas kleineren Motorisierung vorlieb nehmen muss, während er den Wagen mit dem Spitzenmotor bekommt.

Firmenchef spricht über die Zukunft von Jaguar und Land Rover (10 Bilder)

Ist seit Februar 2010 weltweit Chef von Jaguar und Land Rover: Ralf Speth

Die weltweit hohe Nachfrage führt momentan zu langen Lieferzeiten. Da Modelle wie der Freelander oder der neue Evoque bis zu 80 Prozent Neukunden zu Land Rover locken, ist dies besonders ärgerlich, zumal in den USA und China Wartezeiten auf Autos als inakzeptabel gelten. Die Lieferengpässe will Speth mit neuen Arbeitszeitmodellen bekämpfen. So wird im Werk Liverpool, wo der Freelander und der Evoque vom Band laufen, auch samstags und sonntags gearbeitet. Eine Investition in neue Fabriken ist hier laut Speth erst einmal nicht geplant. Immerhin sind alle Werksschließungspläne, die es ja vor nicht allzu langer Zeit noch gab, vom Tisch. Da man allerdings hunderte neue Ingenieure einstellen wird, könnten zumindest neue Bürogebäude nötig werden. Was die Zukunft angeht, bleibt Speth vorsichtig – wegen der Euro-Krise seien Prognosen nur sehr schwer möglich: "Wir leben von der Hand in den Mund." Der in Franken geborene Speth verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Autoindustrie: 1980 kam er zu BMW, von wo er 20 Jahre später zur damaligen Premier Automotive Group von Ford wechselte.