1911: Kleinwagen aus der Feder von Ettore Bugatti

Vor 100 Jahren trat mit dem Peugeot Bébé BP1 ein früher Volkswagen auf den Plan. Das 2,62 Meter kurze und 350 kg leichte Zweisitzer-"Baby" hat einen berühmten Schöpfer: Ettore Bugatti

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  • ssu
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Paris (Frankreich), 22. Dezember 2011 – Nur „einen Sous pro Kilometer“ – ein paar Pfennige sozusagen – sollte er im Betrieb kosten, der neue Kleinwagen, den der französische Autobauer ab 1913 als BP1 vermarktet. Übersetzt steht das Kürzel für „Bugatti Peugeot Nummer eins“: Und in der Tat stammt der Entwurf von Ettore Bugatti (1881 – 1947) höchstselbst, dem Automobilkonstrukteur, der vor allem als Schöpfer erfolgreicher Rennwagen und Luxusschlitten wie dem über drei Tonnen schweren „Royale“ in Erinnerung ist. Ein übriges zu diesem Image trägt der über 400 km/h schnelle Veyron bei, den die heutige Marke Bugatti unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns baut.

Schon seit 1905 hatte Peugeot einen Kleinwagen („Typ 69“) im Programm, der wegen seiner geringen Abmessungen Bébé (also Kleinkind oder Baby) genannt wurde. 1911 beschließt die Löwenmarke, das Modell kurzfristig abzulösen. „Für schmale Geldbeutel, ein Volks-Auto“ steht im Lastenheft für den Nachfolger. Anstatt selbst ein neues Auto zu entwickeln, bietet der Elsässer Konstrukteur Bugatti dem Konzern seinen neusten Prototypen, einen serienreifen Kleinwagen mit der Entwicklungsnummer 19, an, und Peugeot greift zu. Auch der Aufbau der Produktionslinie bei Peugeot erfolgt mit Unterstützung von Bugatti.

1911: Kleinwagen aus der Feder von Ettore Bugatti (2 Bilder)

Betriebskosten von nur einem Sous - einem Zwanzistel Franc - pro Kilometer bescheinigten die Werber dem Peugeot Bébé BP1.

(Bilder: Peugeot)

Der neue Peugeot Bébé BP1 ist ein 2,62 Meter kurzer Zweisitzer, dessen 0,9 Liter kleiner Vierzylinder die gerade 350 Kilogramm schwere Karosserie bis auf 60 km/h beschleunigt. Damit empfiehlt sich der als sparsam geltende Wagen für Touren in der Stadt ebenso wie für weitere Reisen. Der BP1 kann sogar Klassenerfolge bei damals legendären Rennen wie am Mont Ventoux erzielen.

Der Bébé BP1 wird mit über 3000 verkauften Exemplaren – gemessen am damaligen Grad der Motorisierung – ein Bestseller. Angesichts dieses Erfolges beschließen Peugeot und Bugatti, die Zusammenarbeit auf weitere Modellreihen auszudehnen. Weil im August 1914 jedoch der Erste Weltkrieg ausbricht, werden diese Pläne nicht mehr umgesetzt. (ssu)