Ferrari stellt ein neues HY-KERS vor

Das erste Hybridkonzept mit dem Namen HY-KERS stellte Ferrari auf dem Genfer Automobilsalon 2010 vor. Jetzt zeigen die Italiener in Peking die zweite Generation – wieder mit DKG, aber diesmal im Heck-Mittelmotor-Layout

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Von
  • skr
  • Gernot Goppelt

Peking (China), 26. April 2012 – Ferrari zeigt auf der Auto China in Peking Peking (23. April bis 2. Mai 2012) ein neues neues HY-KERS-Hybridkonzept, diesmal mit Heck-Mittelmotor-Layout. Schon auf dem Genfer Automobilsalon hatten die Italiener ein Hybridfahrzeug mit HY-KERS gezeigt, seinerzeit auf Basis des Front-Mittelmotorsportwagens 599. Zum Antriebsstrang der neuen Studie gehören ein V12 mit Doppelkupplungsgetriebe einschließlich Elektromotor, der für den Extra-Kick sorgt. Ein zweiter E-Motor bedient die Nebenaggregate und ist am V12 angeflanscht.

Die Elektronik-Komponenten des neuen HY-KERS sollen leichter als beim 2010 präsentierten Vorgänger sein. In die Entwicklung des neuen Systems ist laut Ferrari auch Know-how aus der Formel 1 eingeflossen. In der "Königsklasse" des Rennsports wurde KERS im Jahr 2008 für die Saison 2009 in das technische Reglement aufgenommen. Anders als in der Formel 1 wird HY-KERS allerdings sicherlich mehr als ein paar Sekunden boosten können, Details zur Kapazität der Batterie bleibt Ferrari aber bisher schuldig. Ferrari hat die Erfahrungen aus der Formel 1 nach eigenen Angaben zudem genutzt, um beim System für die Serie die Eigenschaften für Längs- und Querbeschleunigung, also Drehmoment-Management, Traktionskontrolle und Bremskraftverteilung, zu verbessern.

Ferrari stellt ein neues HY-KERS vor (10 Bilder)

Ferrari hat sein HY-KERS (Hybrid Kinetic Energy Recovery System) nun fĂĽr eine Heck-Mittel-Motorbauweise weiterentwickelt.

Auch beim in Peking vorgestellten Hybridantrieb stammt das Getriebe und vermutlich ein großer Teil der elektrischen Komponenten vom Getriebehersteller Getrag. Beim Betrachten des Films wird die Prägung des Herstellernamens im Getriebegehäuse sichtbar, eine offizielle Bestätigung von Getrag gibt es aber noch nicht, so läuft das eben in der Branche. Es handelt sich offenbar um das 7DCL750, ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe für den Längseinbau, das ohne zusätzlichen Elektromotor bereits im Ferrari 458 Italia und dem California im Einsatz ist.

Bei den meisten Parallelhybriden sitzt der Elektromotor physisch zwischen Getriebe und Verbrennungsmotor. Hier ist der E-Motor hinter dem Getriebe angeordnet, was allerdings nichts daran ändert, dass das der V12 und der E-Motor logisch vor dem Getriebe ihre Kräfte summieren. Während des Bremsens und im Schubbetrieb fungiert der E-Motor wie gewohnt als Generator, um die Batterien aufzuladen. Dieser Vorgang wird von einem Steuergerät kontrolliert, dessen Technik laut Ferrari ebenfalls der Formel 1 stammt. Das Steuergerät ist zudem für den kleinen Zusatz-E-Motor für die Nebenaggregate zuständig, um abhängig vom Batteriezustand die vorhandene Energie sinnvoll verteilen zu können.

Ferrari ist nach eigenen Angaben am Ende der Experimentierphase angelangt. In den kommenden Monaten soll die Erprobung starten. Verglichen mit einem gleich starken Verbrennungsmotor, soll das HY-KERS zu einem um 40 Prozent geringeren Verbrauch fĂĽhren. Einem Serieneinsatz dĂĽrfte nicht mehr allzu viel im Wege stehen, zumal die Kosten fĂĽr die Hybridisierung in diesem Segment nicht wirklich wehtun. (imp)