Studie: Apps im Auto lohnen sich nicht
Einige Autohersteller wollen Apps im Auto etablieren und sie in eigenen App-Stores den Kunden zur Verfügung stellen. Geld verdienen können sie damit aber nicht, wie eine Studie nahelegt
- Gernot Goppelt
München, 19. September 2012 – Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens IMS Research sind nur 28 Prozent der Autofahrer dazu bereit, Geld für Apps im Auto auszugeben. IMS Research, erst vor kurzem von der IHS Inc. erworben, führte die Umfrage unter 2250 Menschen in den USA, Großbritannien und Deutschland durch. Für die Automobilindustrie sei das eine schlechte Nachricht, weil diese gerne mit dem In-Car-Infotainment Geld verdienen würde.
Apps ja – aber bitte umsonst
Die Untersuchung zeigte, dass 55 Prozent der Smartphone- und Tablet-PC-Besitzer zwar die Bereitschaft zeigen, für Apps zu bezahlen, dass aber tatsächlich 70 Prozent noch nie Geld dafür ausgegeben hätten. Dieses Ergebnis kommt zu einem Zeitpunkt, da die Autohersteller immer mehr Infotainment-Systeme anbieten, die eine Internet-Verbindung haben und in Anlehnung an Smartphones und Tablet-PCs Apps integriert haben. Wenn allerdings die Industrie keine brauchbaren Geschäftsmodelle findet, wird sie laut IMS keinen nennenswerten Profit erzielen können. Hinzu komme, das traditionelle Methoden zu Geldverdienen – vor allem Werbung – im Auto wahrscheinlich reglementiert werden.
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Renaults R-Link-Infotainment-System orientiert sich stark an Tablet-PCs. Sogar einen App-Store will Renault aufbauen - laut Studie wird Renault damit zumindest kein Geld verdienen können.
Die Studie habe zudem gezeigt, dass 60 Prozent der Befragten lieber autospezifische Apps ihrer Smartphones nutzen würden, als ein „Portal“ des Automobilherstellers zur Verfügung gestellt zu bekommen. Das steht Ansätzen wie jenem von Renault entgegen, wo man für das App-orientierte Infotainment-System R-Link sogar einen App-Store nach Apple-Muster aufbauen will. Nach der Logik der Studie ist ein solcher Ansatz zum Scheitern verurteilt.
Die normative Kraft des Alltags
Die Ergebnisse der Untersuchung decken sich zum Teil mit Eindrücken, die wir in persönlichen Gesprächen mit Auto-Interessierten gewonnen haben. Dabei fielen vor allem zwei Dinge auf: Erstens haben Nutzer von Internet-Diensten ein Interesse daran, diese in allen Lebenssituationen auf dieselbe Weise nutzen zu können. Die normative Kraft geht deswegen nicht von Automobilherstellern aus, sondern von etablierten Diensten, die im Alltag benutzt werden – wie etwa den App-Store von Apple, Facebook oder WhatsApp, um aktuelle Beispiele zu nennen. Zweitens wollen viele ihr Smartphone oder Tablet nahtlos ins Auto integrieren – sie wollen keine Extrawurst vom Automobilhersteller.
Unterschiedliche Philosophien der Autohersteller
Diese gehen mit dem Thema derzeit sehr unterschiedlich um. Renault setzt wie bereits erwähnt auf eine selbstgestrickte Lösung, die sich in der Bedienung an Tablet-PCs anlehnt. Der Hersteller will ein eigenes „Ökosystem“ aufbauen, in dem Apps für R-Link entwickelt werden. Sowohl die Untersuchung von IMS als auch unsere Eindrücke sprechen dafür, dass Renault es damit schwer haben wird. Die Vorstellung, dass Renault eine Fan-Gemeinde aufbauen kann, die Geld für Apps im Auto ausgeben wird, erscheint uns optimistisch, zu gering wären die absetzbaren Stückzahlen. Renault riskiert zudem, dass das Auto selbst als Produkt in den Hintergrund gerät.