Mehrheit will nicht mehr als zehn Kilometer pendeln
Am liebsten arbeiten und leben die Deutschen am gleichen Ort. Die Mehrheit der Arbeitnehmer möchte nicht pendeln - doch die Realität sieht anders aus.
Leben und arbeiten am gleichen Ort ist heute eine Seltenheit geworden. Ein Großteil der Arbeitnehmer in Deutschland muss mehr oder weniger lange Strecken zwischen Arbeitsplatz und Wohnung zurücklegen. Eine Analyse der XING AG im vergangenen Jahr ergab beispielsweise, dass mehr als die Hälfte der Mitglieder des Online-Netzwerks in verschiedenen Städten wohnen und arbeiten. Nun hat Immonet 3.649 seiner Nutzer gefragt, wie weit sie zu pendeln bereit wären.
Nicht mehr als zehn Kilometer, lautet die häufigste Antwort. Insgesamt gaben 40 Prozent der Befragten an, diese Entfernung sei für sie akzeptabel. 38 Prozent würden einen Arbeitsplatz im Radius von bis zu 30 Kilometern akzeptieren. Weitere 11 Prozent wären bereit, einen Arbeitsweg von bis zu 50 Kilometern zu akzeptieren. Genausoviele könnten sich vorstellen, in einer Stadt zu arbeiten, die sogar mehr als 50 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt ist.
Das geht allerdings nicht nur ins Geld, sondern auch auf Kosten der Gesundheit: Laut Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) erhöhen lange Fahrzeiten das Risiko für psychische Erkrankungen. Wenn es um die Chance geht, den Traumjob zu ergattern oder einer drohenden bzw. längeren Arbeitslosigkeit zu entkommen, werden die gesundheitlichen Risiken allerdings notgedrungen in Kauf genommen.
Den größten Anteil an Pendlern hat laut Immonet-Umfrage Frankfurt am Main. Fast 70 Prozent der dortigen Arbeitnehmer leben nicht in der Stadt. Berlin steht am anderen Ende der Skala: hier muss nur jeder sechste Arbeitnehmer pendeln.
Und zumindest für die Pendler, die nicht mit dem eigenen Auto, sondern mit Bus und Bahn unterwegs sind, gilt: Die Fahrzeit wird nach Möglichkeit sinnvoll genutzt. Die Pendler nutzen sie beispielsweise zum Lesen der Tageszeitung oder dem Lauschen eines Hörbuchs. Es werden liegengebliebene Arbeiten erledigt oder sogar Filme auf dem Laptop geschaut. Und wer keine Lust auf solche Aktivitäten hat, nutzt die Zeit zumindest für ein kleines Nickerchen. Laut AOK-Umfrage ist mit fast 60 Prozent die Mehrheit der Pendler allerdings mit dem Auto unterwegs.
Das Pendeln hat auch Auswirkungen auf das private Umfeld, wie zudem die aktuelle Umfrage des Kfz-Direktversicherers DA Direkt zeigt. Demnach hat jeder zweite Deutsche bereits in einer Fernbeziehung gelebt. In 47 Prozent der Fälle ist die Distanz zum Partner beruflich bedingt. ()