Standards für Gütesiegel fehlen
Gütesiegel können bei der Bewertung von Online-Shops eine hilfreiche Orientierung für Verbraucher sein. In der Praxis scheitert der Ansatz aber oft daran, dass es den verschiedenen Siegeln an Vergleichbarkeit fehlt.
Viele Onlineshops versuchen mit Gütesiegeln, Verbraucher von der eigenen Seriosität zu überzeugen. Das ist durchaus eine Idee, die sich rechnet, besagt jedenfalls die Studie des ECC-Handel “Die Effektivität vertrauensbildender Maßnahmen im E-Commerce”: Online-Shops, die Gütesiegel führen, haben demnach um etwa ein Drittel höhere Umsätze als Shops ohne diese Auszeichnung.
Für Online-Händler sind Gütesiegel also in jedem Fall eine gute Investition, für Verbraucher aber leider keinesfalls eine Garantie dafür, dass es in dem jeweiligen Online-Shop tatsächlich mit rechten Dingen zugeht. Denn so manches Gütesiegel sagt wenig über für Kunden tatsächlich relevante Punkte aus. Auch haben die verschiedenen Gütesiegel nur selten den gleichen Standard, wie eine Untersuchung der Europäischen Verbraucherzentren (EVZ) zeigt.
Für die Studie wurden Gütesiegel aus ganz Europa unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der überprüften Siegel sowie eine Checkliste für Verbraucher, mit denen diese künftig die Wertigkeit eines Gütesiegels besser beurteilen können, wurden jetzt vorgestellt.
Die Experten empfehlen Verbrauchern genau hinzuschauen und als erstes zu überprüfen, ob die Kriterien der Siegelvergabe auf der Webseite des Shops oder des Siegelherstellers einsehbar sind. Denn auf diese Kriterien kommt es letztendlich an: manche Siegel werden nur vergeben, wenn der Händler längere Widerrufsfristen als die gesetzlich vorgeschriebenen 14 Tage anbietet, andere setzen voraus, dass der Händler im Streitfall bereit ist, mit Schlichtungsstellen zu kooperieren. Wichtig ist auch die Frage, wie die Erfüllung der Kriterien überhaupt geprüft wird: Verlassen sich die Auszeichner auf die Angaben des Unternehmens oder prüfen sie diese immer wieder und auch mal unangemeldet nach?
Die Europäischen Verbraucherzentren (EVZ) bestätigen außerdem, dass es für Verbraucher nicht leicht ist, seriöse und unseriöse Anbieter auseinander halten zu können. Denn die Heerschar der Gütesiegel-Anbieter in Europa arbeitet nach sehr unterschiedlichen Bewertungskriterien, was den Vergleich der Shops und der Gütesiegel erschwert.
In Deutschland haben es die Kunden etwas einfacher, denn hier bietet die Initiative D21 Orientierung. Die darin organisierten Gütesiegel erfüllen zahlreiche gemeinsame Qualitätskriterien. Folgende deutsche Gütesiegel werden von ihr empfohlen: EHI Geprüfter Online-Shop, S@fer Shopping des TÜV Süd, Trusted Shops sowie internet privacy standard.
Die Europäischen Verbraucherzentren (EVZ) fordern nun europaweit einheitliche Kriterien bei der Vergabe von Gütesiegeln. So soll der Standard im Detail aussehen: Der Anbieter muss bereit sein, mit nationalen und Online-Schlichtungsstellen zu kooperieren, sich regelmäßig, auch unangekündigt, überprüfen lassen. Er muss Widerrufs- und Beschwerdefristen anbieten, die länger sind als die gesetzlichen Fristen. Außerdem sollen die Anbieter, die ein Gütesiegel wollen, mehrsprachige Informationen und Services anbieten. Schließlich, so die EVZ, sei der Handel heute auch grenzenlos. ()