Heldin des Alltags
Es gibt Motorräder, die verkaufen sich wie von selbst. Es gibt sie seit einer gefühlten Ewigkeit, jeder kennt sie und alle Besitzer lieben sie. Wie Hondas Erfolgsmodells VFR 800 F. Der Sporttourer wurde gerade überarbeitet
- Ingo Gach
Köln, 28. November 2013 – Es gibt Motorräder, für die der Hersteller keine Werbung mehr machen muss – und sie verkaufen sich trotzdem wie von selbst. Es gibt sie seit einer gefühlten Ewigkeit, jeder kennt sie und alle Besitzer lieben sie. Diese Bikes sind oft gar nicht mal spektakulär, protzen nicht mit Herden von PS, fahren sich aber unproblematisch und erweisen sich über Jahre als zuverlässiger Begleiter. Sie stecken nicht nur die Fahrt zur Arbeit, sondern auch lange Touren locker weg und können es bei Bedarf auf der Landstraße mal brennen lassen. Kurz: Sie sind die Helden des Alltags.
Seit einem viertel Jahrhundert etabliert
Dazu gehört definitiv die Honda VFR 800 F. Ihre Urahnin kam als 750er im Jahr 1985 schon mit einem V4-Motor zur Welt. Sie konnte sich nicht entscheiden, ob sie nun Sport- oder Tourenmotorrad war, also einigte man sich irgendwann auf den Begriff „Sport Touring“ für diese Klasse. Gemäß der japanischen Tradition wurde sie alle drei bis vier Jahre runderneuert. Etwas am Design retuschiert, die Technik optimiert, ein bisschen mehr Leistung, den Komfort etwas erhöht – bei der VFR hieß es stets Evolution statt Revolution. 1998 stockte man den Hubraum auf und nannte sie VFR 800 F. Eigentlich hatte sie nur 782 Kubikzentimeter, war also nur 33 ccm größer, war aber eine völlige Neukonstruktion und die Fans griffen weiterhin eifrig zu. Ab 2002 verfügte sie über die variable Ventilsteuerung VTEC, was ihr eine erhöhte Drehfreude und 109 PS bescherte. Dann verschwand sie 2011 plötzlich aus der Honda-Modellpalette und ließ fassungslose Fans zurück. Nach einem Vierteljahrhundert gab es Hondas Allzweckwaffe nicht mehr.
Heldin des Alltags (11 Bilder)

(Bild: Honda (alle))
Sie ist zurĂĽck!
Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bevor der weltgrößte Motorradhersteller diesen Fehler korrigieren würde. Zur großen Erleichterung ihrer Anhänger präsentierte Honda auf der EICMA eine neue VFR 800 F. Immer noch mit 782 Kubik-V4, sonst aber in allen Punkten verbessert. Am Wichtigsten: Man erkennt sie, ohne das Typenschild gelesen haben zu müssen. Eine gelungene Vollverkleidung, nicht zu knapp, aber auch nicht zu voluminös geschnitten. Sie hält prima den Sturm auch bei über 200 km/h ab, wirkt aber nicht wie eine Windjammer unter vollen Segeln. Leicht angeschrägte Doppelscheinwerfer im Raubtierlook prägen die Front. Die Verkleidung scheint fast nahtlos in den 21,5-Liter-Tank überzugehen. Große Reichweite garantiert.