Endlich wieder Chopper!
Yamaha hat ihren wuchtigen Cruiser XVS 1300 A Midnight Star in einen viel leichter wirkenden Chopper verwandelt. Der Grund: Ein Cruiser mag bequemer sein, aber an die Coolness eines Choppers wird er nie heranreichen
- Ingo Gach
Köln, 14. März 2014 – Eines muss man Yamaha lassen, sie haben sich sehr viel Mühe gegeben, um ihren wuchtigen Cruiser XVS 1300 A Midnight Star in einen viel leichter wirkenden Chopper zu verwandeln. Die japanische Motorradindustrie nimmt diese Bezeichnung nur noch ungern in den Mund, deshalb gebührt Yamaha doppelter Respekt. Sie haben das böse Ch-Wort tatsächlich sogar ganz offiziell im Werbetext benutzt. Sind wir doch mal ehrlich: Ein Cruiser mag bequemer sein, aber an die Coolness eines Choppers wird er nie heranreichen.
Der Begriff Chopper leitete sich einst aus der Tatsache her, dass einige Harley-Besitzer in den USA alles, was sie als überflüssig am Bike betrachteten, einfach abhackten – „to chop“ wie die Amis sagen –, die Kunst des Weglassens. Ganz so radikal ging Yamaha natürlich nicht bei der XVS 1300 Custom vor, es wurden vielmehr etliche Teile ausgetauscht und neu gestaltete Komponenten verwendet. Vor allem die lange, flach gestellte Gabel mit 40 Grad Lenkkopfwinkel fällt direkt ins Auge, ganz im besten Easy-Rider-Stil. Sie führt ein 21-Zoll-Rad, eine Dimension, die man normalerweise an Sportenduros findet, wenn auch schmaler und mit Stollen versehen. Um den hohen Vorbau zu erreichen, musste der Rahmen neu gestaltet werden. Der Lenkkopf liegt nun deutlich höher als beim Cruiser-Modell und der tropfenförmige Tank ragt steiler nach oben.
Endlich wieder Chopper! (11 Bilder)

(Bild: Yamaha (alle))
Wasserkühlung geschickt getarnt
So kommt der mächtige V2 viel besser zur Geltung. Sein Zylinderwinkel beträgt 60 Grad und unterscheidet sich damit grundlegend von dem traditionellen 45-Grad-Winkel wie ihn Harley-Davidson seit Jahrzehnten baut. Der Grund liegt in der Flüssigkeitskühlung des Yamaha-Motors, ein engerer Winkel wäre wegen des nötigen baulichen Aufwands nicht möglich gewesen, wie es übrigens auch schon Harley bei seinen wassergekühlten V-Rod-Modellen feststellen musste. Der Schönheit tut dies sicher keinen Abbruch. Die Entwickler schafften es sogar, den Kühler der Yamaha so geschickt zwischen die beiden vorderen Schleifen des Rahmens zu integrieren, dass er kaum auffällt.
Der Fahrer sitzt sehr tief. Die Sattelhöhe misst nur rekordverdächtige 670 mm – so niedrig war noch keine Serien-Yamaha. Im Vergleich zur Midnight Star fällt der Sitz eher knapp aus, für eine stilsichere Linienführung muss man eben Opfer bringen. Ebenfalls schrumpften der vordere und hintere Kotflügel beträchtlich, so blieb der Blick frei auf den breiten 210er-Hinterreifen. Die Custom trägt eher Bikini denn Jogginganzug.
Endlich bekennt sich eine Marke zum Chopper
Zum Chopper-Image gehören natürlich noch einige andere wichtige Merkmale. Ein verchromter Rundscheinwerfer zählt definitiv dazu und ein breiter Pullback-Lenker, der so weit über den Tank reicht, dass der Fahrer ihn auch in seiner Liegeposition noch greifen kann.