Kommentar: Cook macht bei Apple sauber
Klimagasemissionen gesenkt, Diversitätsbericht angekündigt: Der iPhone- und Mac-Hersteller wird unter Jobs-Nachfolger Cook zum Vorbild für andere Silicon-Valley-Firmen. Trotzdem bekommt Cupertino häufig als erstes schlechte Presse. Eigentlich ungerecht.
Apple ist auf dem Weg, eine Vorreiterfunktion für die gesamte IT-Branche zu übernehmen. Und damit ist nicht gemeint, dass interessante Designelemente, die man in Cupertino entwickelt, mit signifikanter Wahrscheinlichkeit ein halbes Jahr später von Samsung, HP und Co. nachgeahmt werden. Es geht um Ökologie und Fairness – und um Anerkennung.
Am kommenden 24. August jährt sich Tim Cooks Übernahme des Chefpostens bei Apple zum dritten Mal. Der Nachfolger des verstorbenen Firmenmitbegründers Steve Jobs ist in dieser Zeit keineswegs blass geblieben. Zwar gab es seit 2011 keine Apple-Produkte mehr, die ganze Gerätekategorien umgekrempelt hätten, wie das einst bei iPod, iPhone und iPad der Fall war – hier müssen wir uns vermutlich noch etwas gedulden. Doch Cook lieferte – und das ist, wie gerne vergessen wird, Apple-typisch – durchaus spannende Verbesserungen bestehender Produktlinien, seien es nun iPhones mit Fingerabdrucksensor oder MacBooks mit Retina-Schirm.
Noch wichtiger ist aber, wie Cook nach Außen und Innen wirkt. Er hat Apple grundlegend transparenter gemacht, großzügiger und offener. Zuletzt konnte Cupertino ankündigen, erstmals seit Beginn entsprechender Messungen seinen Klimagas-Fußabdruck reduziert zu haben. Drei Prozent von einem Jahr aufs andere klingen nicht nach viel, doch wenn man bedenkt, wie viele Millionen Geräte der Konzern produziert und wie gigantisch seine Rechenzentren sind, ist das schon erwähnenswert – zumal Greenpeace Apple mittlerweile regelmäßig lobt.
Daneben hat sich Apple unter Cook stark für die Rechte der LGBT-Community eingesetzt, was zuletzt darin gipfelte, dass 5000 Apple-Mitarbeiter und ihre Familien offiziell bei der Pride Parade in San Francisco mitmarschierten und der Konzern das auch öffentlich dokumentierte. Zudem will Cook Zahlen zur Mitarbeiterdiversität bei Apple offenlegen und sich dafür einsetzen, dass mehr Frauen und Angehörige von Minderheiten bei dem Silicon-Valley-Riesen beschäftigt werden.
Alles in allem ist das eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Zwar ist keineswegs alles "fair" und "öko", was aus Cupertino kommt – insbesondere in der Lieferkette gibt es noch große Aufgaben zu meistern, denn dort lässt Apple wie alle anderen großen IT-Konzerne billig in Asien produzieren. Daneben gibt es die Wegwerfproblematik, wenn jedes Jahr wieder ein neues iPhone oder ein neues iPad produziert wird – selbst wenn Apple-User dazu neigen, ihre teure Hardware länger zu verwenden als viele andere Konsumenten. Und über Datenschutzfragen bei Apple, die Steuersparpraxis des Konzerns, das Vorgehen im Patentstreit mit Samsung und die Meinungsfreiheit im App Store lässt sich trefflich debattieren.
(Bild:Â Apple)
Trotzdem kann man Cook und seinem Team nicht vorwerfen, dass sie sich nicht bemühen. Und diese Aktivitäten strahlen auch auf andere Konzerne im Silicon Valley aus, denn auch im Bereich Umwelt und soziale Verantwortung gibt es einen Wettbewerb, schließlich geht's ums Image. Das weiß Cook und nutzt es auch aus. "Hier wollen wir, dass uns andere kopieren", sagte er einmal verschmitzt.
Dass Apple, wenn es dann doch mal wieder zu Merkwürdigkeiten kommt, als erstes in den Schlagzeilen ist, dürfte das neue, sanftere Image jedoch nicht verändern. Früher mag das schnelle Eindreschen auf den Konzern daran gelegen haben, dass Apple in der IT-Szene so kontrovers und sein Chef zudem zu Journalisten auch mal ruppig war. Nun hat Cupertino sich aber eine Vorbildfunktion aufgebaut, was die Fallhöhe nochmals steigert. Und trotzdem: Ein bisschen Lob hat sich die Tim-Cook-Firma längst verdient. (bsc)