Die Hybrid-LĂĽcke
Wer sich ein wirklich klimafreundliches Fahrzeug zulegen möchte, muss immer noch verhältnismäßig tief in die Tasche greifen. Der Grund: Hybrid-Autos gibt es bislang erst ab der Mittelklasse. Dabei wären Kleinwagen für die Technik besonders gut geeignet.
Mein Kollege Gregor Honsel schrieb es an dieser Stelle neulich bereits: Es ist gar nicht schwer, beim Autokauf schon heute auf Klimaverträglichkeit zu achten. Die von der EU ab 2012 für Neufahrzeuge geforderten maximal 130 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer werden bereits jetzt von einigen Modellen erreicht – und das müssen noch nicht einmal Hybrid-Autos sein.
Im Minifahrzeug-Segment geben die Geschwister Toyota Aygo, Peugeot 107 und Citroen C1, die alle aus dem gleichen Werk in Tschechien stammen, mit gerade einmal 109g CO2/km den Ton an. Auch so mancher Smart kommt unter die 130g. Was mich allerdings etwas verwirrt, ist das Fehlen guter, klimafreundlicher Kleinwagen. Als Mensch mit ordentlicher Körpergröße zwänge ich mich ungern in einen C1, die Corsa-Klasse sollte es mindestens sein.
Zwar gibt es auch hier Fahrzeuge mit knapp unter 130g CO2/km, allerdings sind das dann nicht selten die sowieso sparsameren Diesel – und die haben im Kleinwagensegment erstaunlich gerne (noch) keinen Rußfilter. Was ich mich daher bei der Fahrzeugsuche schon länger frage: Warum bauen die Hybrid-Experten ihre Technik nicht einfach in ordentlich dimensionierte Stadtflitzer ein?
Bei Toyota (Prius) und Honda (Civic Hybrid) geht der Elektro-Benzin-Mix-Spaß erst in der Mittelklasse los. Zahlt man für einen Kleinwagen mit vernünftig komfortabler Ausstattung um die 15.000 bis 17.000 Euro, langen die Mittelklasse-Hybriden deutlich mehr hin – Prius und Civic Hybrid sind ab 25.000 Euro aufwärts (eher 27.000) zu haben.
Man kann nicht behaupten, dass diese Fahrzeuge unübersichtlich oder wirklich zu groß wären. Trotzdem ist es etwas anderes, ob man mit einer Stufenheck-Limousine durch die Stadt gondelt – oder aber mit einem dann doch deutlich praktischeren Kleinwagen, der in fast jede Parklücke passt. Hinzu kommt, dass diese Fahrzeugklasse weniger schwer ist, einen besseren Wendekreis besitzt und sich eher für Single-Haushalte eignen. Schließlich fahren bei einem Prius im Einzelbetrieb vier weitere große Sitzplätze ungenutzt durch die Gegend...
Ergo: Es wird Zeit, dass Hybridtechnik auch in Kleinwagen eingebaut wird. Das war bislang kostenmäßig offensichtlich nicht drin. Wenn man sich nun aber ansieht, wie viele Prius-Modelle Toyota inzwischen absetzt (bis heute über 500.000) und wie robust die Technik inzwischen ist, müsste das doch endlich gehen – auch dank fortschreitender Miniaturisierung.
Durch sein geringeres Gewicht könnte ein Hybrid-Kleinwagen noch weniger Sprit verbrauchen. Und, noch besser: Der reine Elektrobetrieb, die umweltfreundlichste Variante der motorisierten Fortbewegung, würde länger durchhalten. Mal sehen, ob mir das Modelljahr 2008 meinen Wunsch erfüllt. (wst)