Mercedes zeigt autonomen Bus
In Amsterdam testet Mercedes derzeit einen Bus, in dem der Fahrer nicht mehr viel zu tun hat. Mit Hilfe von zahlreichen Sensoren soll der Bus irgendwann komplett autonom fahren können. In fünf Jahren soll es soweit sein, doch die Probleme sind nicht zu unterschätzen
Amsterdam, 19. Juli 2016 – In München zeichnet sich durch eine neue Großbaustelle aktuell ein Chaos ab, das viele Autofahrer in den kommenden Monaten täglich beschäftigen wird. Auf dem Isarring im Nordosten soll eine zusätzliche Fahrspur geschaffen werden. Bis zum geplanten Ende der Baumaßnahme im Oktober wird den betroffenen Autofahrern so ganz nebenbei vor Augen geführt, welchen Wert ein gut ausgebauter ÖPNV haben kann. München hat dabei die gleichen oder zumindest ganz ähnliche Probleme wie viele Großstädte weltweit, eine stark steigende Einwohnerzahl stellt viele Infrastrukturen vor Probleme und noch viel Luft nach oben: Hat Frankfurt eine Pendlerquote von 49 Prozent, liegt die Stadt an der Isar erst bei 25. Wollen die Verantwortlichen dem kompletten Verkehrsinfarkt entgegenwirken, bleibt nur der Weg, mehr Menschen für einen Umstieg von Individual- zu einer Form der Massenbewegung zu begeistern.
Die Entwicklung wird dabei nicht nur auf der Schiene bedeutende Fortschritte mit sich bringen. Auch bei den Bussen tut sich einiges. So werden beispielsweise in Hannover und Braunschweig Elektrobusse getestet. In Amsterdam hat Mercedes nun gezeigt, wie Busfahrer kurzfristig entlastet, langfristig sogar ersetzt werden könnten. Dort ist derzeit ein autonom fahrender Bus zwischen Amsterdam Schipol und Haarlem unterwegs. Vorerst dienen diese Fahrten nur als Testlauf, doch dabei soll es selbstverständlich nicht bleiben.
Mercedes zeigt autonomen Bus (8 Bilder)

Grau statt rot
Der Bus der BRT-Linie 300 fällt mit seiner grau-silbernen Lackierung auf, denn die anderen Busse sind knallrot lackiert. Die zahlreichen Kameras hinter der mächtigen Frontscheibe und an den Flanken fallen nur dem auf, der darauf achtet. Der Bus fährt an und nach wenigen Metern färbt sich die Deckenbeleuchtung blau statt zuvor weiß. Der Fahrer hat sein Steuer per Tastendruck an den Autopiloten übergeben. Gasgeben, bremsen, lenken – mit all diesen Dingen hat der Fahrer nun nichts mehr zu tun., was erst einmal auch auf die Fahrgäste merkwürdig wirkt. Man stelle sich nur einmal vor, der Fahrer entfaltet am Steuer seine Tageszeitung.
Fortan ĂĽberwachen zahllose Sensoren des City Piloten die Fahrt. Der Bus der Zukunft ist unter anderem mit Fern- und Nahbereichsradar, sowie einem knappen Dutzend Kameras sowie dem allseits bekannten Ortungssystem GPS ausgestattet, die allesamt miteinander vernetzt sind.
Mercedes: "Alle profitieren"
Mercedes lobt sein System bei diesem Termin natürlich. Es mache den öffentlichen Nahverkehr effizienter, sicherer und leistungsfähiger. „Busbetreiber, Fahrgäste, Busfahrer– alle profitieren“, sagt Wolfgang Bernhard, im Daimler-Konzern verantwortlich für Trucks und Busse. Gerade im Fall der Fahrer darf das bezweifelt werden, denn wenn das System irgendwann ausgereift sein sollte, wird es sicher den Versuch einer Kostenoptimierung geben, wie mancherorts Stellenstreichungen heute auch genannt werden.