Opel macht wieder Gewinn

Nach 18 Jahren schreibt Opel wieder schwarze Zahlen. Ist die Marke damit gerettet? Keineswegs, denn vor Opel liegen schwierige Zeiten. Der neue Eigentümer strebt mit Macht in die Gewinnzone, was für Opel insgesamt durchaus problematisch werden könnte

vorlesen Druckansicht 43 Kommentare lesen
Opel Insignia
Lesezeit: 8 Min.
Inhaltsverzeichnis

18 Jahre sind in der Industrie eine lange Zeit. Highlights bei Handys waren damals eine nicht sichtbare Antenne, mit polyphonen Klingeltönen und Logos verdienten einige Anbieter aus heutiger Sicht unglaublich viel Geld. In der automobilen Welt waren Saugmotoren die Regel, vor dem Dieselmotor schien eine glänzende Zukunft zu liegen. Unendlich lang scheint das alles her zu sein. 18 Jahre lang hat Opel keine schwarzen Zahlen mehr geschrieben, es ist bis heute erstaunlich, dass die Firma das überlebt hat. Wohl nur wenige Optimisten haben angenommen, dass mit der Übernahme durch PSA für Opel einfachere Zeiten anbrechen. Auch sie dürften inzwischen ernüchtert sein, obwohl nun erstmals wieder ein Jahresgewinn verkündet wurde. Doch der Marke stehen deshalb keineswegs alle Türen offen. Der Kampf um die deutschen Standorte ist nicht beendet, ganz im Gegenteil.

Das erste volle Geschäftsjahr unter Führung von PSA endete für Opel mit einem operativen Gewinn von 859 Millionen Euro, wie PSA-Chef Carlos Tavares am Dienstag (26. Februar 2019) in Rueil-Malmaison bei Paris berichtete. Aus der 2018er-Kennzahl sind aber Zinsen, Steuern und einmalige Sanierungskosten herausgerechnet. Was GM über Jahre nicht gelang, Tavares scheint es zu schaffen. Opel hatte mit ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall zusammen 1999 letztmals einen Jahresgewinn ausgewiesen und in der „dunklen Periode“ rund 19 Milliarden US-Dollar Verlust angehäuft, wie Tavares betonte. Von August bis Dezember 2017 gab es noch einmal einen Verlust von 179 Millionen Euro.

Opel macht wieder Gewinn (7 Bilder)

Wohin steuert die Ausrichtung von Opel? Die Marke an sich wird wohl überleben.
(Bild: Clemens Gleich)

PSA mit den Stammmarken Citroën, Peugeot und DS führt Opel seit August 2017. Opel habe mit seinem Sanierungsplan die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft gelegt und werde „weiteres Potenzial freisetzen“, erklärte der Konzernchef. Der Umsatz der Gruppe stieg um 18,9 Prozent auf 74 Milliarden Euro. Auf Opel entfiel ein Umsatz von 18,3 Milliarden Euro. Der Nettogewinn der PSA-Gruppe wuchs um 40,4 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro.

Die IG Metall forderte Opel nach den Gewinnmeldungen auf, nun Klarheit über die Auslastung der deutschen Werke zu schaffen. „Der ausgewiesene operative Gewinn von 859 Millionen Euro muss jetzt Ausgangspunkt dafür sein, endlich mit den Betriebsräten über die dringend notwendigen Investitionen für Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach zu verhandeln“, verlangte der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger. Betriebsräte und die Beschäftigten wüssten weiterhin nicht, wie die mittelfristige Planung für die Werke aussehe und mit welchen Modellen und Teilen die Standorte ausgelastet werden sollen.

Opel soll wieder nach Russland zurückkehren, von wo man sich zu GM-Zeiten 2015 wegen einer Absatzkrise zurückgezogen hatte. PSA will außerhalb von Europa in den nächsten Jahren deutlich mehr Autos verkaufen, dazu werde Opel in Russland, Peugeot in Nordamerika und Citroën in Indien antreten, teilte der französische Konzern weiter mit. Opel will ausschließlich mit neuen Modellen auf den russischen Markt zurück. „Wir werden dort ausschließlich Fahrzeuge anbieten, die bereits auf PSA-Plattformen stehen“, sagte Vorstandschef Lohscheller.

Tavares griff wegen der Probleme beim geplanten Teilverkauf des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums die IG Metall scharf an. Er warf der Gewerkschaft vor, den Plan für einen Übergang von 2000 Leuten zum Ingenieurdienstleister Segula zu blockieren und damit letztlich die Jobs zu gefährden. „In einer 38-jährigen Karriere in der Autoindustrie in der ganzen Welt habe ich nie eine Lage erlebt(...), in der ein Gewerkschaftspartner nicht dafür kämpft, 2000 Jobs zu sichern“, sagte Tavares. Es fehle an Absicherungen für die Arbeitnehmer, erklärte dazu ein Sprecher der IG Metall in Frankfurt. So müssten die Wechsler zu Segula wie die rund 5000 verbleibenden Opel-Ingenieure vor Entlassungen bis zum 30. Juni 2023 geschützt werden. Dazu gehöre auch eine Regelung für den Fall eines wirtschaftlichen Misserfolges der Segula GmbH. Dieses Risiko dürfe nicht auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden. Nach Angaben beider Seiten ist für den Segula-Deal eine Einigungsstelle zwischen Unternehmen und Betriebsrat eingesetzt, der ein ehemaliger Arbeitsrichter vorsitzt.

Opel-Chef Lohscheller kündigte eine weiterhin strikte Produktionsplanung an, die sich an realisierbaren und profitablen Verkäufen orientiere. „Wir haben unsere Fahrzeugbestände im vergangenen Jahr deutlich reduziert und werden auch in Zukunft nicht auf Halde produzieren.“ Konkrete Produktionsplanungen für die deutschen Werke in Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern nannte er nicht. Vor wenigen Tagen hatte PSA mitgeteilt, den nächsten Opel Mokka in Poissy bei Paris zu montieren.