Formula H: Wasserstoffbetriebene Rennwagen-Studie
Die Idee, einen Rennwagen per Motorrad-Zweizylinder anzutreiben, ist schon ungewöhnlich. Darin Wasserstoff zu verbrennen, erst recht. Studenten aus Ingolstadt und Melbourne haben sie umgesetzt
- gh
Ingolstadt/Melbourne (Australien), 21. August 2009 – Der Ansatz, Verbrennungsmotoren mit Wasserstoff zu betreiben, ist nicht neu. BMW probiert dies mit seinen Hydrogen7-Prototypen aus, und jüngst hat Mazda das Knallgas auch als Treibmittel für den Wankelmotor entdeckt und Testwagen nach Norwegen für das dortige HyNor-Projekt entsandt. Ebenso außergewöhnlich erscheint die Idee, H2 auch im Rennsport zu etablieren – doch für Aufmerksamkeit sorgt man so auf jeden Fall.
In 18 Monaten komplett neu entwickelt
Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaften Ingolstadt haben gemeinsam mit Studenten des australischen Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) einen entsprechenden Renner namens "Formula H" entwickelt. Das Desing erinnert an einen Le-Mans-Wagen, der Motor dagegen nicht. Das Zweizylinder-Aggregat mit 0,8 Liter Hubraum kommt normalerweise im Motorrad BMW F 800 S zum Einsatz, wo es 85 PS leistet. Für die Umrüstung auf Wasserstoff-Betrieb haben die Studenten dem Reihenzweizylinder eine neue Einspritz- und Zündanlage verpasst. So wurden beispielsweise "kältere" Zündkerzen, die nicht nachglühen, verbaut. Die Einlassventile werden vom Hydrogen7, dem in Kleinserie hergestellten BMW 7er mit Zwölfzylinder-Wasserstoffmotor, übernommen. Da Wasserstoff gegenüber Benzin volumenbezogen einen geringeren Heizwert hat, sinkt auch die Leistung des Formula-H-Motors gegenüber dem Benziner-Pendant. Die Entwickler kompensieren dies teilweise durch Einsatz eines Kompressors, so dass am Ende 60 PS herauskommen.
Formula H: Wasserstoffbetriebene Rennwagen-Studie (4 Bilder)

Der Formula H verbrennt zum Antrieb Wasserstoff.
Mit 500 Kilogramm auf 140 km/h
Bei der Konstruktion des Formula H legten die Studenten großen Wert auf Leichtbau. So bringt der Wagen nicht einmal 500 Kilogramm auf die Waage. Konkrete Verbrauchswerte wurden noch nicht ermittelt, die maximale Reichweite soll bei 100 Kilometer liegen. Das Fahrzeug kann bis zu einem Kilogramm Wasserstoff mitführen, der unter 250 bar Druck in einem mit Karbon ummantelten, zylindrischen Aluminium-Druckgasspeicher untergebracht ist. Die Wahl der Gänge wird über eine ebenfalls aus der BMW F 800 S übernommene manuelle Sechsgang-Schaltung erledigt. Diese kann im Prototypen in zwei verschiedenen Modi betrieben werden: Ein Modus ist auf optimale Beschleunigung ausgelegt, der andere für den normalen Rundstrecken-Betrieb optimiert. Allerdings muss der Wagen für das Umstellen dieser Übersetzungen in die Werkstatt. Über einen so genannten Air Shifter, eine pneumatisch sequenzielle Schaltung, lassen sich die Gänge auch per Schaltpaddles einlegen.