Motorrad CCM Heritage '71 mit Titanrahmen: Leicht, verspätet

50 Jahre: CCM wollte den runden Geburtstag mit einem Motorrad-Rahmen aus Titan würdigen. Corona verschob die Premiere, doch nun ist die Heritage '71 da.

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CCM Heritage '71

(Bild: CCM)

Lesezeit: 8 Min.
Von
  • Ingo Gach
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Der britische Motorradhersteller CCM kann auf über ein halbes Jahrhundert zurückblicken. Während die Marke in Deutschland weitgehend unbekannt blieb, ist sie in Großbritannien jedem Motorradfahrer ein Begriff. Zum Jubiläum wollten die Engländer 2021 mit der Heritage '71 ein Modell mit Titanrahmen herausbringen, die Pandemie verzögerte die Präsentation des superleichten Bikes aber um ein Jahr.

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Alan Clews hatte nie vorgehabt, eine Motorradmarke zu gründen. Der Brite arbeitete in den 1960er Jahren für eine Zeitungshändlerkette, doch seine Leidenschaft galt dem Motocross. Er fuhr Rennen auf BSA und als die englische Traditionsmarke 1971 ihren Rückzug aus dem Motorsport verkündete, kaufte Clews kurzerhand alle BSA-Werksteile auf, die er kriegen konnte. In seiner Garage baute er sein erstes eigenes Motorrad, um damit weiter an Rennen teilzunehmen. Weil er keinen Werksmotor mehr bekam, modifizierte er einen 500er-BSA-Serienmotor und implantierte ihn in einen eigenen Rahmen. Natürlich sorgte die Eigenkonstruktion bei den Motocrossrennen für Aufsehen und es dauerte nicht lange, bis die ersten Aufträge an Clews ergingen. Er taufte seine frisch gegründete Firma "Clews Competition Machines" und kürzte sie CCM ab.

Natürlich war es für einen kleinen Hersteller sehr schwierig auf dem hart umkämpften Motorradmarkt zu überleben, aber CCM tat sich bald mit Rennsporterfolgen hervor. 1973 stellte Clews sein erstes Motocross-Werksteam auf die Beine, zwei Jahre später holte CCM mit seinem Viertakter die britische Vize-Meisterschaft. Während der 1970er Jahre trat CCM auch in der Motocross-WM an und holte einige Achtungserfolge gegen die dominanten Zweitakter. Im Werk in Bolton bei Manchester stieg die Produktion von Serienmotorrädern stetig an.

In den 1980er Jahren wechselte CCM zu Motoren von Rotax und nahm nun auch an Straßenrennen teil. 1981 holte Alans Sohn Austin die britische Meisterschaft im Viertakt-Motocross. Siege sind bekanntlich die beste Werbung und die Jahresproduktion erreichte Mitte der 1980er Jahre rund 3500 Motorräder, viele davon gingen in die USA.

CCM Heritage ’71 Teil1 (8 Bilder)

Zum 50. Jubiläum beschenkte sich die britische Marke CCM selber mit dem Modell Heritage ’71. Der Rahmen, Auspuff, die Fußrasten und Schrauben des Sondermodells bestehen aus einer Titanlegierung.

Auch wenn die Lage für CCM in den 1990ern deutlich schwieriger wurde, holte 1995 Donny Schmidt sensationell auf einer CCM den Titel in der Viertakt-Motocross-WM. 1998 war Clews aus finanziellen Gründen gezwungen, seine Firma zu verkaufen, aber schon 2004 konnte er die kurz vor der Pleite stehende Marke zurückkaufen. Er begann mit einem PR-Coup, als er den vierfache Superbike-Weltmeister Carl Fogarty überreden konnte, auf einer CCM 604 an einem internationalen Supermoto-Rennen teilzunehmen. Zwar fuhr Fogarty, der sich schon vier Jahre vorher aus dem aktiven Rennsport zurückgezogen hatte, nur aus Spaß mit, aber so brachte sich CCM wieder in die Schlagzeilen.

2005 präsentierte CCM zwei neue Modelle, die Supermoto R35 und den Flat Tracker FT35, beide mit dem Motor der Suzuki DR-Z 400, später folgten weiter Modelle mit Husqvarna-Einzylindermotoren. In Großbritannien erfreuten sich CCM-Motorräder schon immer großer Sympathien, aber im restlichen Europa konnten sie sich nie wirklich etablieren, einer der Gründe lag sicher in ihrer oft nachlässigen Verarbeitung. Mit der leichten Reiseenduro GP 450 Adventure sollte 2014 eigentlich alles besser werden. Sie kam im Rally-Stil mit Cockpitverkleidung und steilem Windschild und wog trocken angeblich nur 125 Kilogramm.

Der 449-cm3-Einzylinder stammte ursprünglich aus der Sportenduro BMW G 450 X, kam aber auch bei Husqvarna zum Einsatz und wurde bei Kymco in Taiwan gefertigt. Der Motor leistete in der CCM GP 450 Adventure immerhin noch 40 PS. Den Gedanken der Fernreise-Enduro unterstrichen der 20-Liter-Tank und die langen Federwege, doch der erhoffte kommerzielle Erfolg blieb aus.