Motorrad CCM Heritage '71 mit Titanrahmen: Leicht, verspätet

Seite 2: Spitfire-Modelle mit 600 ccm

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Deshalb schlug CCM 2017 mit den Spitfire-Modellen einen anderen Weg ein. Puristische Maschinen, bei denen der reine Fahrspaß im Vordergrund stehen sollte. Der Modellname war auf den britischen Markt zugeschnitten: Der Rahmen bestand aus T45-Stahl, der auch einst für die Spitfire-Flugzeuge im Zweiten Weltkrieg benutzt worden war. Sowohl der Rahmen als auch die Schwinge der CCM bestanden aus einer Gitterrohrkonstruktion.

Der schwungvoll gestaltete Tank ging in eine sehr knappe Sitzbank über und das Hinterrad stand fast völlig frei. Ihr Einzylinder stammte aus der Husqvarna TE 610 und war um zwei Millimeter auf exakt 600 cm3 aufgebohrt. CCM gab die Leistung mit 55 PS an und behauptete, dass die Spitfire nur 121 kg trocken wiegen würde. Das klang sehr optimistisch, da die Sportenduro Husqvarna TE 610 trocken 140 Kilogramm schwer war.

CCM Heritage ’71 Teil 2 (7 Bilder)

Der Tankdeckel im Monza-Stil verrät die Produktionsnummer der Heritage Edition.

Es ist erstaunlich, wie viele unterschiedliche Stilrichtungen CCM aus einer Basis zauberte. Neben dem Naked Bike entstand ein Scrambler mit hochgelegtem Auspuff und Enduroreifen, eine Bobber mit Schwingsattel und fetten Weißwandreifen, ein Café Racer im Retro-Stil mit ultrakurzem Doppelrohrauspuff und ein Flat Tracker mit 19-Zoll-Rädern. Dabei waren Motor, Rahmen, Tank und Schwinge bei allen Varianten identisch.

Die Spitfire-Modelle sorgten in den Medien für Aufsehen, auch wenn ihre Stückzahlen überschaubar blieben. Besonders bei Customizern machte sich die CCM Spitfire rasch beliebt und es entstanden wunderschöne und teilweise kuriose Umbauten wie die Paris Dakar Rallye 600 im Stil der Werks-BMW R 80 G/S aus den frühen 1980er Jahren. Alan Clews erlebte den Erfolg der Spitfire-Modelle noch, starb aber 2018 und sein Sohn Austin übernahm die Firmenführung.

2019 kam Carl Fogarty erneut bei CCM ins Spiel als "Director of Performance" und es erschien die auf 300 Exemplare limitierte Spitfire Foggy Edition. Das bildhübsche Bike bekam eine kleine Cockpitverkleidung, eine Höckersitzbank, Bugspoiler, Underseat-Auspuff und Stummellenker. Dazu drückten viele Teile aus Kohlefaserlaminat das Gewicht auf 142 Kilogramm. Die knallrote Farbgebung und die golden lackierten Felgen wurden nicht zufällig gewählt, denn Fogarty hatte alle vier seiner Superbike-WM-Titel auf Ducati geholt und die Ähnlichkeit der CCM zur legendären 916 war nicht zu übersehen. Die Spitfire Foggy Edition sollte angeblich 65 PS leisten und das Autogramm von Carl Fogarty zierte jeden der 300 Tanks.

Zum 50. Jubiläum wollte CCM mit der Heritage '71 etwas ganz Besonderes erschaffen: Ein noch leichteres Motorrad mit einem Rahmen aus einer Titanlegierung. Alan Clews war während seiner aktiven Fahrerkarriere begeistert von der Werks-BSA mit Titanrahmen gewesen, auf der Jeff Smith Mitte der 1960er Jahre zweimal die Motocross-WM gewann. Die Idee greift CCM für das Jubiläumsmodell wieder auf und fertigt den Rahmen aus einer Titanlegierung, wie sie im Flugzeugbau Verwendung findet.

Aus demselben Material bestehen auch die Fußrasten, die meisten Schrauben und die Racing-Auspuffanlage, die aus 64 Einzelteilen handgefertigt wurde. Die kleine Lampenverkleidung besteht aus Kohlefaserlaminat, die geschmiedeten Dymag-Felgen aus Aluminium sparen zusätzliche sechs Kilogramm Gewicht ein und drücken das Gesamtgewicht der Heritage '71 auf 136 Kilogramm. Der 600-cm3-Einzylinder leistet 62 PS und dürfte das Fliegengewicht explosiv antreiben.

Die Pandemie machte der Präsentation der Heritage '71 im Jubiläumsjahr 2021 einen Strich durch die Rechnung und kann jetzt erst ausgeliefert werden. Die Serie ist wenig überraschend auf 71 Stück limitiert und kostet exklusive 28.995 Britische Pfund, zurzeit rund 35.000 Euro. Wer hierzulande dennoch umgehend sein Sparschwein schlachten will, muss leider enttäuscht werden: CCM importiert nicht nach Deutschland, auch wenn die Marke auf ihrer Homepage die Hoffnung erweckt, dass es zukünftig passieren könnte. Dafür müssten die Spitfires aber die Euro-5-Norm erfüllen, von der sie weit entfernt sind. Die Heritage '71 bildet einen Höhepunkt in der Firmengeschichte von CCM und Alan Clews wäre sicher sehr stolz sie gewesen.