Digitalisierung an Deutschlands Schulen – "Gut gemeint ist nicht gut gemacht"
Die Schuldigitalisierung in Deutschland geht voran – einiges verläuft zufriedenstellend, an vielen Stellen hängt es jedoch weiterhin. Eine Zwischenbilanz.
(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)
Die vom Bund bereitgestellten Gelder in Höhe von 6,5 Milliarden Euro für den Digitalpakt Schule kommen schleppend bei den Schulen an. Die seit 2019 (bis 2024) laufenden Investitionen in die Digitalisierung sind bisher bei rund 16.000 Schulen angekommen – von derzeit über 32.228 Schulen (Stand 24.01.2022) sind das weniger als die Hälfte der allgemeinbildenden Schulen, die davon profitiert haben. Ausgezahlt wurden bis Anfang März 1,23 Milliarden Euro und 2,44 Milliarden Euro bewilligt.
Eine Mammutaufgabe
Einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zufolge sehen einige Bundesländer die flächendeckende Ausstattung der Schüler und Lehrer mit mobilen Computern sowie interaktiven Schultafeln als Mammutaufgabe. Ein weiterer kritischer Punkt sei die Anbindung an schnelle Internetverbindungen und die Netzwerkinfrastruktur in den Schulen selbst. Oft sei das WLAN zu schwach.
Zusätzlich fehle auf bereits in den Schulen verfügbaren Tablets und Computer die Installation der benötigten Software. Langwierige und komplexe Vergabeverfahren bremsen der Umfrage zufolge die Digitalisierung. Neben der Hardwarebeschaffung sei auch die Verfügbarkeit der benötigten Handwerker ein Problem – Chip- und Fachkräftemangel seien deutlich spürbar. Auch die nötigen IT-Experten seien an vielen Schulen nicht vorhanden, an denen sich dann Lehrer um IT-Infrastruktur – zusätzlich zum Schulunterricht – kümmern.
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Alles im grĂĽnen Bereich
Eine Sprecherin des sächsischen Kultusministeriums sehe den Mittelabfluss und die Mittelbindung beispielsweise "im grünen Bereich". Ihren Angaben zufolge seien von den Anträgen auf Zuschüsse in Höhe von 351,3 Millionen Euro (2206 Anträge) bereits 340,8 Millionen Euro (2192 Anträge) bewilligt worden. Abgeflossen seien davon bisher aber nur 81,8 Millionen Euro, da die Schulträger bei der Umsetzung des Digitalpakts in Vorkasse gingen – abgerechnet werde erst am Ende.
In Brandenburg seien bisher insgesamt 779 Anträge in Höhe von 133 Millionen Euro gestellt worden. Davon wurden 107 Millionen Euro (631 Anträge) bewilligt und 9,6 Millionen Euro ausgezahlt. Dem Bundesland Thüringen stehen der Deutsche Presse-Agentur zufolge 191 Millionen Euro für die Digitalisierung zur Verfügung, von denen bisher 41 Millionen in die Schulen gesteckt wurden.
Während die zuständigen Bildungsminister der Länder die Schuldigitalisierung zum Teil positiv bewerten, erachtet die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger eine weitere Beschleunigung für dringend nötig. An den Schulen fehlt es an IT-Administratoren und Personal allein für die aufwendige Antragstellung. Hinzu kommt, dass die Fördergelder erst dann ausgezahlt werden, nachdem die Schulen die zugehörigen Rechnungen eingereicht haben. Das wiederum könnte zu Verzögerung bei der Rechnungszahlung an die Handwerksbetriebe und Zulieferer führen.
(Bild:Â Statista)
Fachkräftemangel und Frontalunterricht
Immer häufiger monieren kleine Handwerksbetriebe die Zahlungsmoral von staatlichen und öffentlichen Auftraggebern. Dazu zählen neben langen Wartezeiten bis zum Zahlungseingang etwa auch die Beanstandungen der ausgeführten Arbeiten und das teilweise pauschale Zurückhalten von Teilbeträgen, bis zur Zahlung des Gesamtrechnungsbetrags. Bei öffentlichen Ausschreibungen nehmen aus den genannten Gründen kleinere Auftragnehmer immer seltener teil.
Ob der Fachkräftemangel, den öffentliche Institutionen zu spüren kommen, immer an einem Mangel von Facharbeitern liegt, bleibt offen. Und ob die Digitalisierung den von einigen Experten kritisierten Frontalunterricht in den Schulen und den damit verbundenen Schwächen in der Bildung etwas entgegensetzen kann, wird die Zukunft zeigen. (mit Material der dpa)
(bme)