Update: Mehr Reichweite für ältere Porsche Taycan
Mit einer Aktualisierung der Software sollen ältere Porsche minimal weiter fahren und optional schneller an Wechselstrom laden können.
(Bild: Porsche)
Die Autoindustrie tat sich in der Vergangenheit oft schwer damit, die Software im Bestand aktuell zu halten. Ziemlich rasch versiegte das Interesse, alte Autos mit Aktualisierungen zu versehen. Inzwischen sind die Erwartungen der Kunden gestiegen, und die Hersteller müssen diese wenigstens halbwegs mit den Zyklen in Einklang bringen, in denen Autos genutzt werden. Doch es tut sich etwas. Porsche rollt für den Taycan ein großes Update aus, von dem auch die ersten Jahrgänge des Sportwagens profitieren sollen.
Genutzte Abwärme
Nutznießer der jetzt vorgestellten Aktualisierung sind vor allem Besitzer einer der ersten beiden Jahrgänge des Taycan. Sie bekommen nun nachgereicht, was Porsche für alle ab dem Sommer 2021 gebauten Taycan schon installiert hatte. Im Antriebsbereich gehört dazu eine Optimierung der Thermosteuerung. Dabei wird die Abwärme der E-Motoren geschickter als bisher genutzt, um die Batterie in ein ideales Temperaturfenster zu bringen. Bei den von Porsche verwendeten NMC-Zellen liegt diese bei etwa 20 bis 30 Grad.
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Im Ungefähren
Die Batterie kann so über einen größeren Ladebereich schneller geladen werden. Porsche bleibt bei den technischen Angaben dazu ebenso bewusst im Ungefähren wie beim Versprechen von mehr Reichweite. Wie in allen neuen kann mit dem Update auch in den älteren Taycan der vordere E-Motor stromlos geschaltet werden. Auf Nachfrage erklärte uns Porsche vor rund einem Jahr, unter Idealbedingungen könne der Sportwagen mit einer Ladung bis zu 25 km weiter fahren. Eine neue Homologation, die die Verbesserung im WLTP sichtbar machen würde, hat sich Porsche verständlicherweise gespart – sie kostet zu viel.
22-kW-Lader nachrüstbar
Seit einiger Zeit bietet Porsche für den Taycan auch ein 22-kW-AC-Ladegerät an, was insbesondere die zu schätzen wissen, die sich mit der öffentlichen Ladeinfrastruktur herumschlagen müssen. Ladesäulen mit dieser Leistung sind in Innenstädten vergleichsweise häufig zu finden, weil sie sich preiswerter aufstellen lassen als DC-Stationen. 1666 Euro Aufpreis kostet das derzeit in einem neuen Taycan. Porsche bietet ab sofort eine Nachrüstmöglichkeit für ältere Modelle an. Da es dabei um den Tausch von Hardware geht, dürfte diese Beschleunigung allerdings nicht ganz billig werden.
Buntere Oberfläche, bessere Routenführung
Sichtbar wird das Update vor allem in allen Taycan, die vor Februar 2022 gebaut wurden. Ihre Unterhaltungselektronik bekommt eine buntere Oberfläche, außerdem ist Spotify integriert. Die Sprachsteuerung soll mehr verstehen, unter anderem auch Befehle aus der Bedienungsanleitung, die im Auto installiert ist. Von Langstreckenfahrern wurde immer wieder eine Routenplanung gefordert, bei der nach Ladeleistungen gefiltert werden kann. Auch das bietet Porsche nun endlich für alle Taycan an. Android Auto gibt es im Taycan seit gut einem Jahr, ab sofort lässt es sich auch kabellos einbinden.
Nachträgliches Freischalten
Das Update muss in einer Werkstatt aufgespielt werden, doch mit diesem soll es einfacher werden, Aktualisierungen over-the-air einzuspielen. Dazu dürfte auch die Möglichkeit gehören, einige Funktionalitäten nachträglich freizuschalten – dauerhaft oder für eine bestimmte Zeit. Porsche nennt als konkretes Beispiel den schlüssellosen Zugang, der sich ab sofort in allen Taycan aktivieren lässt – gegen Bezahlung, versteht sich. Denn klar muss sein: Die Autohersteller werden sich nur dann um einen langfristigen Support kümmern, wenn sich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln lässt. Sind Käufer von Gebrauchtwagen nicht bereit, diesen Service zu honorieren, werden Konzerne dieses noch recht zarte Pflänzchen verdorren lassen.
(mfz)