Zeitsprung: Das Rennmotorrad Britten V1000
Seite 2: Die Idee zum besten Rennmotorrad
Britten fuhr selbst gerne auf der Rennstrecke. Er probierte in den 70er- und 80er-Jahren einige Modelle aus, unter anderem eine Triumph T100 und eine Ducati 900, doch es war typisch für Britten, dass er sofort über Verbesserungen nachdachte. Dann lernte er seinen Landsmann Bob Dencon kennen, der einen luftgekühlten V2-Motor selbst entwickelt hatte, und Britten baute 1986 dafür ein Chassis, das er "Winged Wonder" nannte. Inspiriert von der neuseeländischen America’s Cup-Yacht "Kiwi Wonder", formte er ein Monocoque aus Kevlar und Kohlefaserlaminat für das Motorrad.
Das war die Initialzündung für ihn, ein komplett eigenes Bike zu entwickeln. Er verbrachte nach seiner Arbeit fast jede freie Minute und ganze Nächte in der Garage, zeichnete, bastelte und tüftelte. Britten wusste, dass er die Motorräder der etablierten Marken nur schlagen konnte, wenn er sie nicht kopierte, sondern etwas Neues erschaffen würde. So ging er unkonventionelle Wege und fand brillante Lösungen, für die er heute noch von Fachleuten bewundert wird.
Drei Versionen bis zur V1000
Britten entwickelte drei Modelle, bis er schließlich die legendäre V1000 erschuf. Er hatte ein kleines Team aus freiwilligen Helfern um sich geschart, dabei waren unter anderem Dr. Murray Aitken, der Maschinenbau-Dozent an der Universität Christchurch war, der Werkzeugmacher und Motorenbauer Rob Selby sowie die beiden Ex-Yamaha-Werksmechaniker Mike Sinclair und Hans Weekers. John Brittens Schwester Dorenda erklärte einmal, dass es das größte Talent ihres Bruders gewesen sei, Menschen mit völlig unterschiedlichen Talenten zusammenzuführen und sie für eine Sache zu begeistern. Nur so ist es zu erklären, dass sein Team von Freiwilligen unzählige Stunden ihrer Freizeit für das Projekt V1000 opferten.
FrĂĽhstart mit KonservenbĂĽchse
Die ersten beiden Britten-Bikes gewannen insgesamt dreimal bei den BEARS (British European American Racing and Supporters) in Neuseeland und erreichten bei Tests schon Geschwindigkeiten von rund 250 km/h. Mit der dritten Version, der "Precursor" (Vorläufer), wollte Britten unbedingt im März 1989 in Daytona beim "Battle of the Twins"-Rennen antreten.
Britten V1000 (13 Bilder)

(Bild: Britten )
Später hatte er selber zugegeben, dass es überhastet gewesen war. Das kleine Amateur-Team aus Neuseeland erreichte Daytona mit einem unfertigen Motorrad. Weil zum Beispiel der Auspuff kein Endstück hatte, besorgte Britten eine Konservendose, stach ein paar Löcher in den Boden und schweißte sie an das Endrohr. Die technische Abnahme drückte beide Augen zu und winkte die sympathischen Kiwis durch. Die V1000 legte beim Rennen einen Blitzstart hin und führte bis zur ersten Kurve, doch dann starb schlagartig der Motor ab. Ein frühes Aus – und alle Mühen umsonst.
V1000 mit Monocoque-Chassis
Doch für John Britten war es kein Grund zum Aufgeben, sondern stachelte ihn erst recht an. Er tüftelte weiter in seiner Garage, machte sich viele Gedanken über Sitzposition, Gewichtsverteilung und kompakte Bauweise und gründete 1992 die Britten Motorcycle Company. Er wollte ein Motorrad, das neue Wege ging und so verzichtete er auf einen Alu- oder Stahlrahmen und eine Telegabel. Er entwarf die V1000 mit einem wunderschönen Monocoque-Chassis aus Kohlefaserlaminat und Kevlar, das den wassergekühlten 60-Grad-V2-Motor als tragendes Element aufnahm und gleichzeitig den Fahrer perfekt integrierte. Britten nahm von einer Vollverkleidung Abstand zugunsten einer Halbschale. Er hatte sich viel mit dem Vogelflug beschäftigt und entwickelte aus seinen Beobachtungen die Aerodynamik des Motorrads.