Zivilisierter streetfighten: Triumph Speed Triple 1200 RS
Seite 2: Zehn Kilogramm leichter
Beim neu entwickelten Rahmen blieb Triumph zwar dem Doppelrohr-Brücken-Design aus Aluminium treu, aber er ist jetzt 17 Prozent leichter. Überhaupt wurde an allen Ecken und Enden der Speed Triple 1200 RS gefeilt, bis die Waage nur noch 198 Kilogramm Leergewicht anzeigte – zehn weniger als bei der Vorgängerin. Ein Teil davon ist auf das Weglassen der Underseat-Endschalldämpfer zurückzuführen. Hier werden Traditionalisten vielleicht die Nase rümpfen, denn die beiden fetten Auspuffrohre unter dem Sitz waren bei der Speedy lange stilbildend. Doch im Sinne der Fahrdynamik waren sie dort denkbar schlecht positioniert, weil sie Gewicht nach hinten oben verlagerten. Die neue Speed Triple hat einen kurzen Auspuff rechts, der dank zweier Endschalldämpfer den prägnantet Sound der Triple erhalten soll. Das Leistungsgewicht der neuen Speed Triple 1200 RS verbesserte sich im Vergleich zur Vorgängerin um eindrucksvolle 26 Prozent.
Viel Freiheit für den Fahrer
Obwohl das Volumen von 15,5 Liter erhalten bleibt, zeigt sich der Tank im Kniebereich schlanker und auch der Sitz ist vorne enger geschnitten, um dem Fahrer möglichst viel Freiheit zu lassen. Die Lenkstange ist breiter und die Fußrasten sind etwas weiter nach innen versetzt, um mehr Schräglagenfreiheit zu bekommen, ohne den Kniewinkel zu verändern. Die Sitzhöhe wuchs geringfügig um fünf Millimeter auf 830 und die zweiteilige Sitzbank gewährt dem Fahrer nun mehr Rückhalt, da sie hinten steiler ansteigt.
Triumph Speed Triple RS Teil 2 (8 Bilder)

Der Schwerpunkt wurde weiter nach vorne und tiefer verlagert, was dem Handling der Speed Triple zugute kommt. Nachdem die Vorgängerin bei ihrem Debut 2018 schon eindrucksvolle Fortschritte in Sachen Agilität gemacht hatte, darf man gespannt auf die Performance der neue Speedy sein. In der Fahrwerksgeometrie behält Triumph einen Radstand von 1445 Millimeter bei, stellt aber den Lenkkopfwinkel um ein Grad flacher auf 66,1 Grad und der Nachlauf wächst von 91,3 Millimeter auf 104,7 Millimeter.
Federung und Dämpfung vom Feinsten
Beim Fahrwerk geht Triumph in die Vollen und spendiert der 1200 RS wie schon der Vorgängerin 1050 RS komplett einstellbare Komponenten von Öhlins. Vorne die bewährte, 43 Millimeter dicke NIX30-Upside-down-Gabel, hinten ein TTX36-Federbein, beide mit je 120 Millimeter Federweg. Radial angeschraubte Brembo-Stylema-Bremszangen und 320 Millimeter großen Bremsscheiben arbeiten am Vorderrad. Der Bremshebel Brembo MCS erlaubt, den Abstand zum Griff und das Hebelverhältnis zum Geberzylinder einzustellen. Zum Erscheinungsbild der Speed Triple gehörte immer eine massive Einarmschwinge aus Aluminium, daran hat sich auch jetzt nichts geändert, wohl aber an deren Form. Die gegossenen Alu-Felgen bekamen ebenfalls ein anderes Design, das sich an dem der ersten Speed Triple 1050 von 2005 orientiert.
Noch mehr Elektronik
Die Motorradelektronik macht immer weiter Fortschritte, so auch in der Speed Triple 1200 RS. Das fünf Zoll große TFT-Display ist neu und bietet noch mehr Einstellmöglichkeiten. Per Bluetooth lässt es sich mit dem Smartphone verbinden und ist in der Lage, Google Maps als Pfeilnavigation und mit Anzeigen der Straßennamen und Distanzen zum nächsten Wegpunkt darzustellen. Ride-by-wire ermöglicht fünf Fahr-Modi: Rain, Road, Sport, Track und einen selbst konfigurierbaren Modus.
Dank der Sechs-Achsen-IMU von Continental bietet die Speed Triple 1200 RS ein optimiertes und abschaltbare Kurven-ABS, mehrstufige Schlupfregelung, Wheelie-Kontrolle und einen Tempomat. Das alles lässt sich einfach über beleuchtete Tasten am linken Lenkerende einstellen. Serienmäßig verfügt die Speedy über ein Keyless-System: Die Zündung, Lenkersperre und Tankdeckelverriegelung werden freigegeben, sobald sich der Zündschlüssel in Funkweite befindet. Da sich auch in Großbritannien die Anfälligkeit solcher Keyless-Systeme gegenüber Dieben, die die Funkwellen abfangen, herumgesprochen hat, lässt sich die Keyless-Funktion sinnvollerweise abstellen.
Schicke Details
Die Speed Triple 1200 RS erfreut in noch vielen weiteren schicken Details, wie dem Vorderradkotflügel aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, eine leichte und wartungsfreie Lithium-Ionen-Batterie, eine gefräste Lenkerhalterung mit eingravierten Triumph-Logo, weiße Nähte am Sitzbezug, selbständig abschaltende Blinker und eine in Fahrzeugfarbe lackierte Soziussitz-Abdeckung für Solo-Ausritte, die sich im Handumdrehen wieder gegen den Sitzplatz tauschen lässt.
(Bild: Triumph)
Ästheten werden sich an den versteckten Führungen von Kabeln und Leitungen ergötzen – da lugt nichts schlampig aus der Ecke hervor. Als Erstbereifung zieht Triumph die teuren Metzeler Racetec RR auf. Das sind sicher hervorragende Rennstrecken-Pneus, aber die große Mehrheit der Speed Triple-Besitzer wird sich wohl eher auf den Landstraßen tummeln, wo es passendere Reifen gibt, die früher auf Temperatur kommen und auch im Regen auf holprigen Asphalt noch Grip bieten.
Fairer Preis
Kommen wir zum Thema Kosten: Triumph verlangt 17.500 Euro für die neue Speed Triple 1200 RS. Das sind 1350 Euro mehr als für die Vorgängerin, ist aber in Anbetracht der kompletten Neukonstruktion, der gewaltigen Leistung, den teuren Komponenten und der umfassenden Serienausstattung fair. Triumph setzt die Service-Intervalle nur alle 16.000 Kilometer an, was viel Geld sparen kann.
Natürlich bietet Triumph für die neue Speed Triple eine Aufpreisliste mit praktischen oder einfach nur schönen Teilen an, von der Griffheizung über Protektoren bis hin zur gefrästen Aluminium-Abdeckung für die hohlgebohrte Hinterachse. Die Liste ist aber nicht allzu lang ausgefallen, weil die Speed Triple 1200 RS schon über eine sehr üppige Serienausstattung verfügt.
Fazit
Triumph hat seine Ikone Speed Triple zu neuer Höchstleistung verholfen, dank reichlich elektronischer Assistenzsysteme mit guten Manieren. Damit setzt sie die Modellreihe würdig fort und kann wieder ganz vorne in der Reihe der Streetfighter mitkämpfen. Die Fans warten schon.