Auf großer Fahrt mit Erdgas im Opel Zafira 1.6 CNG

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In Großstädten gibt es kein Problem mit Erdgas-Zapfstellen. Grundsätzlich werden die Tankstellen vom örtlichen Gasversoger über unterirdische Leitungen mit Gas beliefert. "Deshalb is dit bei uns so jünstich" sagt mir die nette Kassiererin an der Berliner "Go"-Tankstelle. Aber die Preise werden von den Gasversorgern diktiert. In Berlin zahlen wir 96 Cent, in Wunsiedel sind es nur 89 Cent pro KIlogramm. Am teuersten kommt uns der Erdgas-Spaß bei Motor Nützel in Bayreuth: 1,02 Cent pro Kilogramm macht einen Unterschied von 13 Cent zum günstigsten Anbieter im 50 Kilometer entfernten Wunsiedel. Wir verbrauchen im Schnitt 5,78 Kilogramm Erdgas pro 100 Kilometer (bei über 130 km/h kommen wir schnell auf 9,15 Kilogramm), womit für diese Strecke unter sechs Euro fällig werden. In Sachen Kosten macht so ein Erdgaswagen Spaß – zumindest beim Bezahlen. Die geringe Reichweite kommentiert unsere Berliner Kassiererin mit einem mitleidigen "Da jeht ja nüscht rin".

Und den Tankstellen-Betreibern scheint der Spaß am Erdgas auch zu vergehen: Zum einen ist für einen Anschluss ans Gasleitungsnetz ein enormer technischer Aufwand nötig, zum anderen liegt halt die Preisgestaltung in fremder Hand. Laut Aral, einer der größten Anbieter von Erdgas an Tankstellen, sind durch den rund um die Uhr laufenden Erdgas-Kompressor die Stromkosten pro Zapfstelle so hoch, dass in manchen Monaten eben nicht einmal die Energiekosten wieder hereinkommen. Mit anderen Worten: Der Verkauf von Erdgas ist für die Tankstellenbetreiber kein lohnendes Geschäft. Und an einigen Tankstellen kann man nur Erdgas zapfen, wenn man sich vorher an der Kasse eine Tankkarte holt – hier ist die Erdgas-Säule nicht mit dem normalen Kassensystem der Tankstelle verbunden. Ein schnell voranschreitender Ausbau des CNG-Tankstellennetzes ist nicht zu erwarten, schon gar nicht an Autobahnen. Laut Aral gibt es entweder in der Nähe von großen Autobahnen keine Erdgasleitungen oder nur solche mit einem zu großen Querschnitt, als dass sich der technische Aufwand rechnen würde, dort einen Abzweig zu legen. Das Abfall-Produkt der Kraftstoffherstellung "Autogas" lässt sich hingegen bei geringeren Drücken deutlich billiger lagern.

Und die Zahl der Autogas-Fahrzeuge liegt mit 306.402 im Jahr 2009 über fünf Mal so hoch wie die der Erdgas-Wagen (60.744 Fahrzeuge). Seit 2006 hat sich der Bestand an LPG-Fahrzeugen mehr als versiebenfacht, die Zahl der CNG-Wagen ist im gleichen Zeitraum gerade mal auf das Doppelte angewachsen. Ganz klar, in welcher Gas-Sorte die Tankstellenbetreiber die Zukunft sehen: Autogas. Übrigens: Der Anteil an Auto- und Erdgasfahrzeugen liegt zusammengenommen in Deutschland bei einem Gesamtbestand an Pkw von 41,3 Millionen Fahrzeugen bei zirka gerade mal einem Prozent.

Die besonders geringe Reichweite unseres Zafira hing mit einem zwischen den Tanks sitzenden verklemmten Ventil zusammen. Bei der Werkstattsuche fällt uns noch auf, dass nur ganz wenige Vertragswerkstätten auch Erdgasfahrzeuge reparieren. In unserer Werkstatt hören wir, dass so ein verklemmtes Ventil gar nicht mal so selten ist – schade bei einem Auto, dessen Reichweite ohnehin nicht die größte ist. Nach der Reparatur kommen wir im reinen Gasbetrieb beinahe 300 Kilometer weit.